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Three - Filmposter
Original Title:
Saam Jan Hang

Hong Kong 2016

Genre:
Crime, Thriller

Director:
Johnnie To

Cast:
Louis Koo
Vickie Zhao Wei
Wallace Chung
Lam Suet
Lo Hoi-Pang
Michael Tse


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Three

Three - Film Screenshot 1

Story: Dr. Tong Qian (Vicki Zhao) ist Gehirnchirurgin und hat bei ihren letzten komplizierten Operationen kein Glück gehabt. So wird sie von einem Patienten, der nun gelähmt ist, sogar ununterbrochen beschimpft. Tong ist sich aber keines Fehlers bewusst. Dennoch macht ihr der Druck zu schaffen, endlich wieder eine erfolgreiche OP vorweisen zu können. Genau dann kommt der Verbrecher Shun (Wallace Chung) auf die Station, begleitet von mehreren Polizisten, angeführt von Detective Chen (Louis Koo). Shun hat einen Kopfschuss abbekommen, ist aber wie durch ein Wunder bei Bewusstsein. Er lehnt trotz der Notwendigkeit eine Operation ab. Er liefert sich lieber ein mentales Kräftemessen mit Detective Chen, der dagegen dafür sorgen muss, dass die Beweise in dem Fall alle gegen Shun sprechen, denn anscheinend ging die Verhaftung nicht mit rechten Dingen zu. Zudem muss Chen herausfinden, wo sich Shuns Komplizen aufhalten, da diese erneut auf besonders rücksichtslose Weise eine Bank ausgeraubt haben. Durch einen Fehler Dr. Tongs kann Shun seinen Komplizen mitteilen, wo er sich befindet. Shuns Freunde planen nun nicht nur seine Rettung, sondern auch die Ermordung Chens.

Filmroll Three - Film Screenshot 2 Three - Film Screenshot 3 Filmroll
Three - Film Screenshot 4

Kritik: Johnnie To hört niemals auf zu beeindrucken. In "Three" dreht sich alles um Hybris, Kontrolle und Fehler, die man sich nicht eingestehen will. Erneut stellt To Gangster gegen Polizisten, doch diesmal versammelt er sie alle an einem einzigen Ort: einem Krankenhaus. Erfahrungen mit dieser Art der künstlichen Bühne hat der Regisseur bereits in "Office" gesammelt, doch im Gegensatz zu jener Abkehr von seinen Gangstergeschichten, kehrt To in "Three" zurück zu seinen Wurzeln. Dabei kreiert er eine ungemeine Spannung, die direkt auf seine punktgenaue Regie zurückzuführen ist. Beinahe jedes Bild ist durchdacht und die Kamerafahrten durch das Krankenhaus erzeugen eine Dynamik, die man selbst in den meisten Actionfilmen vermisst. Johnnie To ist ein Meister der Bildkomposition und des steten Spannungsaufbaus, bis sich dieser in einem beeindruckenden Finale entlädt. Das ist hier nicht anders.

Three - Film Screenshot 5

Das Krankenhaus als Schauplatz ist ein perfekter Ort, um die unterschiedlichsten Charaktere zusammenzubringen. Anders als in anderen Werken des Regisseurs steht die Spannung nicht still zwischen den Antagonisten in der Luft, sondern wird von einem Klangteppich der anderen Patienten und ihren teilweise abstrusen Gesprächen untermalt. Das fokussiert zum einen die Aufmerksamkeit noch stärker auf das eigentlich Wichtige, zum anderen bringt es aber einen schönen Comedy-Aspekt in den Film. Das betrifft zum Beispiel auch Situationen wie ein von Lam Suet gespielter Polizist, der mit einem Messer im Hintern über den Bildschirm humpelt. Des Weiteren spielt natürlich wieder einmal Zufall und Karma eine große Rolle in der Geschichte. Der geistig Verwirrte Bettnachbar des Kriminellen trägt so z.B. zum Gelingen des Plans des Bösewichts bei.

Three - Film Screenshot 6

Storytechnisch ist der Thriller äußerst intelligent ausgetüftelt. Jedes kleine Rädchen greift ins andere und das auf zuweilen originelle Art. Die Charaktere sind ebenfalls interessant, auch wenn kritisiert werden muss, dass es ihnen an Hintergrund mangelt. Zhao Wei ("Dearest", "Painted Skin: The Resurrection") spielt eine Ärztin, deren Hybris langsam zu bröckeln droht, besonders als sie unwillentlich dem Gangster hilft. Sie leistet ebenso wie Louis Koo ("The White Storm", "Accident") eine sehr intensive Darstellung ab. Alle Charaktere bewegen sich extrem zielgerichtet und geben dem Film damit viel Dynamik. Der Bösewicht, gespielt von Wallace Chung, darf seine überragende Intelligenz zur Schau stellen und kümmert sich kaum darum, dass er eventuell nicht mehr lange zu leben hat, sollte er sich keiner Operation unterziehen. Für ihn geht es hier um einen geistigen Wettstreit, den er gewinnen muss.

Three - Film Screenshot 7

Im Endeffekt dreht sich in "Three" alles um die Hybris, die Illusion, dass man alles perfekt unter seiner Kontrolle hat. Es gibt zu viele Variablen im Leben, als dass man wirklich alles planen könnte. Dementsprechend ist es faszinierend zu sehen, wie die verschiedenen Charaktere damit umgehen, dass ihnen die Dinge langsam aber sicher entgleiten. Wer aber stets die Kontrolle behält, ist Regisseur Johnnie To. Auch wenn das Huschen der Personen über die Krankenhausflure später chaotisch anmuten mag, der Zuschauer behält stets den Überblick, wer wo ist und aus welchem Grund. Denn To lässt alles präzise gesteuert auf ein wunderbares Finale zulaufen. Dieses besteht aus einer fantastischen Schießerei, in der die Kamera sich durch ein in Zeitlupe ablaufendes Geschehen bewegt, wobei To seine Darsteller sogar selbst in Zeitlupe schauspielern lässt. Das mag nicht immer perfekt aussehen, aber es wirkt umso intensiver, da To in der Kreation seiner eigenen künstlichen Welt etwas Einmaliges und Faszinierendes schafft.

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Three - Film Screenshot 10

Die vielen Widescreen-Shots, die gewohnt polierten Bilder und die dichte Atmosphäre zeigen, dass Johnnie To ein Meister seines Fachs ist. Und "Three" würde ein weiteres seiner Meisterwerke darstellen, wenn es nicht gegen Ende ein paar Stolpersteine auf dem Weg geben würde. Mit seinen 87 Minuten ist der Film recht kurz und das scheint unnötig, da gegen Ende ein paar mehr Minuten nicht geschadet hätten. Alles wirkt etwas übereilt. Daneben wirkt auch der Sinneswandel einer der Protagonisten eigenartig und ein paar der Spezialeffekte können auch nicht ganz überzeugen. Ein tieferer Einblick in die Psyche der Charaktere hätte auch nicht geschadet. Das alles gibt unglücklicherweise Abzüge. Es ändert aber nichts daran, dass Johnnie To erneut einen Thriller auf die Leinwand bringt, bei dessen dichter Atmosphäre und geistreicher Storyentwicklung man nur gebannt auf den Bildschirm starren kann.

(Autor: Manfred Selzer)
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