

Story: Lee Kang-soo (Kang Ha-neul) wird eines Tages mit Drogen betäubt und von der Polizei für Drogenkonsum verhaftet. Niemand glaubt ihm, dass er das Opfer ist und er kommt ins Gefängnis. Der ehrgeizige Staatsanwalt Ku Kwan-hee (Yoo Hae-jin) sucht derweil nach einer Möglichkeit aufzusteigen und da kommt ihm Kang-soo gerade recht. Dieser soll im Gefängnis die Ohren offenhalten, da einer seiner Zellengenossen eine größere Drogenoperation leitet. Kang-soo beschafft Namen und Orte, wofür er im Gegenzug aus der Haft entlassen wird. Zukünftig arbeitet er weiter für den Staatsanwalt und handelt Deals zwischen verhafteten Dealern oder Drogenkonsumenten und der Justiz aus, um an die Hintermänner zu gelangen. Staatsanwalt Ku legt daher eine steile Karriere hin. Doch sein größter Erfolg soll Jo Hoon (Ryu Kyung-soo) werden. Dieser ist der Sohn eines Präsidentschaftskandidaten und nimmt an Drogenpartys teil. Oh Sang-jae (Park Hae-joon) arbeitet am gleichen Fall. Die aufsteigende Schauspielerin Soo-jin (Chae Won-bin) wurde beim Drogenkonsum erwischt und im Austausch dafür, dass der Fall unter den Tisch fällt, soll sie Jo Hoon ans Messer liefern. Durch Kang-soo ist der Staatsanwalt dem Detective aber immer einen Schritt voraus, sodass Sang-jae leer ausgeht. Dann bekommt Staatsanwalt Ku aber ein Angebot, das er nur schwer ausschlagen kann ...

Kritik: Die Einleitung von "Yadang: The Snitch" ist ziemlich over-the-top und man erwartet anschließend einen abgedrehten, unterhaltsamen Heist-Movie, bis dann jedoch drei Jahre in die Vergangenheit gesprungen wird. Hier zeigen sich die eigentlichen Farben des Thrillers und die fallen um einiges düsterer aus. Am besten weiß zu gefallen, wie sich die Charaktere im Laufe des Films ändern und damit auch unsere Sympathien. Kang-soo war für mich in den ersten Minuten nur schwer erträglich, aber das Bild, das man von ihm hat, ändert sich stark, nachdem wir seine Anfänge gesehen haben und es zu einem Schlüsselerlebnis kommt, das einen starken Einfluss auf seinen Charakter hat. Darüber hinaus ist die Geschichte erstaunlich komplex, ohne verworren zu wirken. Normalerweise wird in solchen Thrillern mit etlichen Namen um sich geworfen und es gibt zahllose Parteien, deren Ziele man im Auge behalten muss. In "Yadang" gibt es das auch, aber die Geschichte ist so sicher strukturiert, dass man niemals die Orientierung verliert. Letzten Endes hat mich an dem Film vor allem überzeugt, dass er Substanz besitzt und weiß, welche Geschichte er erzählen möchte, auch wenn das zunächst nicht den Anschein machen mag.

Im Fokus der Ereignisse steht augenscheinlich die Beziehung zwischen Kang-soo und dem Staatsanwalt. Schnell trennen sich deren Wege aber, was leider einen kleinen Bruch bedeutet. Es wäre schön gewesen, wäre das bruderschaftliche (?) Verhältnis der beiden noch etwas genauer ausgeleuchtet worden. Yoo Hae-jin ("The Night Owl") spielt sehr überzeugend einen Staatsanwalt, der überaus ambitioniert ist und bei dem man sich schon früh fragt, ob er seinen Informanten nicht schlicht ausnutzt. Seinen Machthunger kann man geradezu auf dem Bildschirm wachsen sehen. Interessanter ist aber tatsächlich
Kang Ha-neul ("Wall to Wall"), da er einen Informanten, eigentlichen einen "Broker", spielt, der sich von ganz unten hocharbeitet, um dann einen tiefen Fall überstehen zu müssen. Kangs Charakter muss ein paar Schicksalsschläge erleiden, die ihm sogar einen kleinen Sprachfehler geben. Kang-soo ist als Held faszinierend, ich hätte nur gerne eine etwas geglättetere Präsentation der Veränderungen in seinem Leben gesehen. Es gibt nämlich doch die eine oder andere Bruchstelle; Lücken müssen vom Zuschauer selbst ausgefüllt werden.

Park Hae-joons ("Humint") Rolle war ebenso eine kleine Überraschung. Er ist zuerst ein Nebencharakter, dem man nicht viel Bedeutung beimisst, doch die Entwicklungen in der Geschichte - und von denen gibt es nicht wenige - rücken ihn letztlich weiter in den Vordergrund. Man bekommt also mehr, als man erwartet, trotzdem sorgt das dafür, dass man sich dann sogar noch etwas mehr Einblick in die Persönlichkeit des Detectives gewünscht hätte. Noch extremer verhält es sich diesbezüglich bei der Schauspielerin, die als Informantin arbeiten muss. Sie wird im weiteren Verlauf wichtiger als angenommen, dementsprechend hätte man aber auch noch ein wenig mehr über sie erfahren können. Das hört sich alles sehr negativ an, aber es soll eigentlich deutlich machen, wie viel Potential noch in den Charakteren gesteckt hätte. Als Serie hätte man da sicher einige Episoden herausholen können. Man muss aber dankbar sein, dass nichts unnötig in die Länge gezogen wird und der Film mit seinen zwei Stunden genau die richtige Laufzeit hat.

Die Erwähnung von Episoden ist keineswegs willkürlich, denn man bekommt in "Yadang" recht häufig den Eindruck, man hätte hier verschiedene Episoden einer Serie vor sich. Das liegt auch daran, dass die Geschichte recht "epische" Ausmaße annimmt. Es geht um Macht, Freundschaft, Verrat und all die anderen schönen Themen, die einen blutigen Thriller ausmachen. Und in der Tat gibt es hin und wieder auch ein paar blutige Szenen. Diese stehen nie im Vordergrund, aber wenn es sein muss, kann es eben recht brutal zugehen. Auch die wenigen Actionszenen, die es gibt, können das Adrenalin nach oben treiben. Da verzeiht man es gerne, dass diese bei genauerer Betrachtung gar nicht nötig gewesen wären. Vielleicht hätte Regisseur Hwang Byeng-gug besser daran getan, eine klare Linie zu fahren und nicht zu viele Abzweiungen zu nehmen. Allerdings stört es keinesfalls so sehr wie bei ähnlichen Werken, die krampfhaft versuchen, einem möglichst breiten Pubilkum zu gefallen. "Yadang" behält seine eigene Persönlichkeit, weist dabei auch ein paar Kanten auf, die man hätte abrunden können, aber tatsächlich gewinnt der Film dadurch auch an Charakter.

Bereits zu Beginn wird großer Wert darauf gelegt, die inneren Verstrickungen zwischen den verschiedenen Parteien und das Machtgefüge bzw. die Machtbalance auszustaffieren. Es gibt diesbezüglich ständig neue Entwicklungen und auch ein paar kleine Twists. Das alles wirkt erstaunlich clever und verleiht dem Film eine durchgehend hohe Spannung. Dazu kommen noch die tollen darstellerischen Leistungen und die saubere Regie, die besonderes Augenmerk auf eine thrillerartige Atmosphäre legt. Das Ende wiederum liefert mehrere Stufen. Gerade wenn man denkt, dass es zum Finale kommt, gibt es doch noch ein wenig zu erzählen. Das eigentliche Finale ist aber äußerst zufriedenstellend, einzig den Epilog hätte man etwas kürzen können. Schlussendlich bietet "Yadang" aber alles, was einen guten Thriller ausmacht. Wäre da nicht manchmal das Episodenhafte und der Umstand, dass die interessanten Charaktere noch mehr Ausarbeitung verdient hätten, hätte der Film sogar eine noch bessere Wertung bekommen. An einer klaren Empfehlung ändert das aber nichts.
