

Story: In den 90ern arbeitet sich Im Dae-soo (Lee Sung-min) dank seiner Untergebenen Soon-tae (Jo Woo-jin), der nebenbei der Gang als Koch die nötige Energie liefert, Kang-pyo (Jung Kyung-ho) und Pan-ho (Park Ji-hwan) zum Chef hoch. Über zehn Jahre später sitzt Kang-pyo im Gefängnis und Soon-tae will, auch auf den Druck seiner Frau (Hwang Woo-seul-hye), sein Restaurant nun hauptberuflich führen und das Gangsterdasein an den Nagel hängen. Das kommt zu einem für Dae-soo denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn der Organisation geht es sehr schlecht und keine Bank will ihm mehr Geld leihen. Dennoch akzeptiert er Soon-taes Kündigung. Am nächsten Tag wird der Boss aber erhängt aufgefunden. Wegen der Umstände muss man von einem Selbstmord ausgehen und nun sucht die Gang verzweifelt nach einem Nachfolger. Es wird eine Sitzung von Kim In-sool (Oh Dal-soo) einberufen, der sich bisher auch sonst im Hintergrund um alles gekümmert hat, und man will einen Nachfolger bestimmen. Es bleiben dafür nur Soon-tae, der sofort ablehnt, weil er eigentlich schon ausgestiegen ist, und Pan-ho, der sich nichts sehnlicher vorstellen kann, aber von allen als unfähig und zu hitzköpfig angesehen wird. Fairerweise will man eine Wahl darüber entscheiden lassen. Soon-tae setzt alles daran, dass für seinen "Rivalen" gestimmt wird, aber dieser schafft es, durch sein Auftreten etliche Stimmen zu verlieren. Soon-tae gewinnt die Wahl, da kommt gerade noch rechtzeitig Kang-pyo aus dem Gefängnis frei und ist nun ein weiterer Kandidat. Er hat im Gefängnis aber das Tanzen als große Leidenschaft kennengelernt und sagt dankend ab. Nun bleibt es doch an Soon-tae die Gang zu führen und das genau dann, als die Triaden auftauchen, bei denen man noch Schulden hat ...

Kritik: Bei der Vielzahl an koreanischen Gangsterdramen dürfte bei den meisten schon eine gewisse Übersättigung eingetreten sein. Mittlerweile dürften die meisten Aspekte und Themen dieser Filme zu Klischees verkommen sein, die niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Das hat sich auch Regisseur Ra Hee-chan gedacht, der mit "Going by the Book" bereits eine herausragende Komödie auf die Beine gestellt hat. Unglücklicherweise mangelt es seinem neuesten Film aber an einem sauber geschriebenen Drehbuch. Die Prämisse ist aber faszinierend und kann einen sofort abholen. Was wäre, wenn der Machtkampf in einer Gangsterorganisation sich einmal darum drehen würde, dass niemand der nächste Boss werden will? Das funktioniert wie zu erwarten ziemlich gut und der Slapstick-Anteil hält sich in Grenzen. Die absurden Begebenheiten, die sich aus der Prämisse ergeben, schaffen die eigentlichen humoristischen Szenen, sodass man kein übertriebenes Schauspiel und peinliche Momente befürchten muss. Das ist alles sehr vielversprechend, leider kann "Boss" aber nicht alles aus seinen Charakteren herausholen, was nötig gewesen wäre, um den Film bis zum Ende mitnehmend zu gestalten.

In Anbetracht dessen, dass sich die Einleitung relativ lang gestaltet, vewundert es letztlich, dass der Film selbst mit seinen ca. 97 Minuten recht kurz ausfällt. Die Gangstergeschichte orientiert sich an der bekannten Story des Genres und nimmt damit ebenfalls schon fast epische Züge an. Das wird durch eine gewisse Eile bei den Charakterzeichnungen und der zu späten Vorstellung des eigentlichen Antagonisten jedoch unterwandert. Bei den Mängeln hinsichtlich der Charaktere kann Kang-pyo angeführt werden. Jung Kyung-ho ("Manhole") stiehlt mit seiner Darbietung immer wieder den anderen die Schau, aber er wird recht spät aus dem Gefängnis entlassen und hätte zudem noch ein paar mehr Szenen verdient. Jo Woo-jin ("Mantis") wirkt manchmal auch etwas zu reserviert in seiner Rolle. Er soll die Basis für den trockenen Humor liefern, aber in den Szenen des Kochs mit seiner Frau zeigt sich, dass mehr möglich gewesen wäre, denn zwischen den Ehepartnern entspinnt sich eine schöne Chemie. Park Ji-hwan ("Handsome Guys") liefert dagegen eine etwas comichafte Darstellung des sich selbst überschätzenden Möchtegern-Gangsterbosses ab, aber sie passt in den Film wie die Faust aufs Auge.

Was natürlich in einem solchen Gangsterdrama auch nicht fehlen darf, ist die Action. Speziell hier hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Im Grunde stürmen die Gangster einfach ganz genretypisch aufeinander zu und beharken sich mit allerlei Waffen. Dass mehr hätte drin sein können, zeigt Kang-pyo, der in seine Kämpfe seine Liebe zum Tanz integriert und damit seine Gegner zu unfreiwilligen Tanzpartnern macht. Hier zeigt sich in der Choreographie ein Anflug von Innovation, die man ansonsten vermisst. Das Finale ist hinsichtlich der Action auch nur nicht völlig uninteressant, weil ein nettes Chaos um sich greift, das den Geschehnissen eine gewisse Dynamik verleiht. Es bleibt aber dabei, dass man als Komödie, die das Genre durch den Kakao ziehen will, bei den handgreiflichen Auseinandersetzungen viele Gelegenheiten gehabt hätte, Humor einzubetten. Hin und wieder gibt es Ideen, die in die richtige Richtung gehen - beispielsweise Beutel mit Schweineblut unter der Kleidung -, aber alles in allem hätten die Kämpfe vor allem besser choreografiert werden müssen, um tatsächlich das Zielpublikum anzusprechen, denn das werden eben hauptsächlich solche sein, die sich normalerweise für das Genre begeistern, aber auch darüber lachen können.

"Boss" mangelt es selbstverständlich an der rauen Realität des Gangsteralltags und blutig wird es auch nicht richtig. Das hätte auch nicht funktioniert, aber damit fehlt es der Action auch an echter Härte. Kang-pyos Tanzeinlagen mit seinen Gegnern deuten an, dass die Action ziemlich überzeugend geworden wäre, wenn er in die Fußstapfen eines Jackie Chan getreten wäre. Aber damit das nicht lediglich zum Klamauk wird, muss man natürlich auch wirklich in den Kampfkünsten versiert sein. So bleibt in der Actionkomödie alles recht unspektakulär. Das macht sich besonders zum Ende hin bemerkbar. Da es in dem Film unzählige Parteien gibt, inklusive des obligatorischen, vorhersehbaren Verrats, treffen diese während des Showdowns alle aufeinander und man hat den Eindruck, dass hier etwas Episches geschehen könnte. Aber dafür lässt das Drehbuch gute Ideen vermissen und so verläuft sich letztendlich alles im Sande. Sicher: Der Film erfährt einen runden Abschluss und man kann sich recht zufrieden und mit einem kleinen Lächeln zurücklehnen, aber reicht das wirklich? Insbesondere wenn man das Potential der Geschichte betrachtet, die Gangsterwelt zu dekonstruieren und auf den Kopf zu stellen, kann man nicht umhin, als etwas enttäuscht zurückzubleiben.

Eine weitere Enttäuschung sind die Charaktere. Es gibt schlicht zu viele von ihnen, als dass es genug Raum gäbe, ihnen allen die ihnen zustehende Zeit zu widmen. Relativ spät rückt zum Beispiel auch noch ein verdeckter Ermittler in den Vordergrund - der wahrscheinlich allerschlechteste seiner Art - und auch wenn er Anlass zu einigen gelungen humoristischen Momenten gibt, wissen wir über ihn genauso wenig wie über den Helden der Geschichte. Bei letzterem hätte man aber davon ausgehen dürfen, dass er ein paar mehr Ecken und Kanten erfährt. Wenigstens kann "Boss" aber bei seinem Humor ein paar Punkte gewinnen. Es gibt zwar nie Momente, in denen man laut auflachen muss, aber dämlichen Slapstick muss man auch nicht befürchten. Das alles mag sich etwas mittelmäßig anhören und so ist es auch, obwohl immer wieder hervorbricht, dass diese Gangsterkomödie mehr hätte sein können. Vielleicht hätte auch gar nicht so viel dazu gefehlt. Ein wenig Feinschliff beim Drehbuch, gerade in Bezug auf die Charaktere, sodass die Personen untereinander die gleiche Intensität an Chemie auszeichnet wie unser Held und seine Frau, und schon hätte man sich involvierter gefühlt. Wunderlich ist in diesem Zusammenhang, dass man sich nicht einfach mehr Zeit dafür genommen hat, denn "Boss" fühlt sich tatsächlich zu kurz für die Geschichte an, die erzählt werden sollte.
