

Story: Tsai Bat Tong ist eine gemeinnützige Stiftung, deren CFO Yeung To (Simon Yam) sich bei einer Veranstaltung erhängt. Der Anwalt Ma Ying-fung (Aaron Kwok), der momentan mit Gewissensbissen zu kämpfen hat, weil das Opfer eines dank ihm freigesprochenen Vergewaltigers Selbstmord begangen hat, wird von Detective Or (Francis Ng) gebeten, bei der Untersuchung eines Mitarbeiters seiner Anwaltskanzlei zu helfen. Es bestehen nämlich Verbindungen zum Tod von Yeung To. Als Ma zufällig ein Notizbuch des Verstorbenen Yeung kurz in die Hände bekommt und dieses anschließend spurlos verschwindet, wittert auch der Anwalt, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht, und willigt ein, dem Detective zu helfen. Die Stiftung TBT hat mittlerweile unter Ko Sing-man (Alex Fong) damit zu kämpfen, dass anscheinend 200 Millionen HK-Dollar verschwunden sind. Niemand weiß wo das Geld ist und auch Kos rechte Hand Ku (Power Chan) kann keine Antworten liefern. Damit ist der eigentliche Boss der Firma Mr. Kah (Felix Lok), der die Stiftung zur Geldwäsche nutzt, alles andere als zufrieden. Detective Or und Ma finden derweil heraus, dass Yeung vor seinem Ableben einen Privatdetektiv beauftragt hat. Als sie diesen aufsuchen, wird er jedoch von einem Auftragsmörder getötet. Also bleibt den beiden nichts übrig als den wenigen weiteren Hinweise zu folgen, bis sie schließlich der Wahrheit tatsächlich immer näher kommen.

Kritik: Es macht sich wohl kaum noch jemand Illusionen, dass man von Alan Mak einen hervorragenden Film erwarten darf, speziell wenn er alleine und nicht mit seinem Kollegen Felix Chong wie z.B. für "Overheard 3" hinter der Kamera stand. Dennoch hatte ich ein wenig Hoffnung, da zu den Darstellern Simon Yam und Francis Ng gehören. Zunächst verspricht der Film tatsächlich auch Spannung, denn das Mysterium um den Selbstmord von Yeung To zieht sich durch eine kleine Verschwörung, Geldwäsche wird aufgedeckt und wohin die 200 Millionen verschwunden sind, wissen nicht mal die Bösewichte. Der Sprung durch mehrere Zeitebenen lässt uns ebenfalls auf eine komplexe Geschichte hoffen und dazu kommt noch ein ungleiches Duo bestehend aus desillusioniertem Anwalt und abgebrühtem Detective. So ganz konnte ich dem Braten aber selbst an diesem Punkt noch nicht trauen ... Und mit meinen Bedenken sollte ich Recht behalten. Je weiter der Film in seine augenscheinlich verwickelte Geschichte vordringt, desto ernüchternder präsentiert sich das Bild, das bleibt. Unglücklicherweise können auch die Charaktere das Ruder nicht rumreißen.

Von Anfang an bekommt man den Eindruck, als wollte "Under Current" das Hong Kong Kino der vergangenen Jahre wiederaufleben lassen und damit reiht sich Regisseur Alan Mak in eine ganze Reihe von Filmemachern, die dazu noch als Hauptdarsteller alte Stars (Durchschnittsalter über 60) an Bord holen. Diese müssen sich in eine clevere, weil verschachtelte Story einfügen, nur dass sich diese als schlicht konfus und überbordend von sich selbst vereinnahmt entpuppt. Zu Beginn mag man noch den Eindruck bekommen, dass wir von einem Hinweis zum nächsten jagen und sich gute Polizeiarbeit hinter den Entwicklungen verbirgt. Dieser Trugschluss wird jedoch bald als solcher aufgedeckt, als wir uns beispielsweise plötzlich im Goldenen Dreieck wiederfinden. Spätestens ab diesem Zeitpunkt fällt auf, dass die verschiedenen Schauplätze und diverse Szenen nur aus der Notwendigkeitkeit ins Drehbuch geschrieben wurden, dieses mit ein paar netten Szenen aufzuwerten. Wirklich zusammenhängend ist hier wenig. Damit obliegt es den Charakteren als Kitt für die einzelnen Teile herzuhalten. Das vermögen aber leider auch sie nicht.

Ein kleines Highlight des Films ist Francis Ng ("Crisis Negotiators"), bei dem man sich immer wieder fragt, welche Eigenheiten er seiner Figur diesmal verleihen mag. Er enttäuscht nicht, auch wenn das Drehbuch selbst ihm kaum etwas mitgibt. Aaron Kwok ("The White Storm 3") ist schlicht Aaron Kwok bzw. spielt erneut einen unterkühlten Helden, der das Herz am rechten Fleck hat, nur nicht so leicht zeigen kann, dass er tatsächlich eines hat. Dafür bekommt seine Rolle aber eine Taekwondo-Klasse aus kleinen Kindern, denen er auch noch zeigt, wie man ein guter Mensch wird, indem er sie zu ehrenamtlicher Arbeit zwingt. Unser Held wird auch noch durch ein Trauma gequält, dieses wird aber so unüberlegt während der Geschichte in Form von Rückblenden hervorgekramt, dass man sich fragt, was man damit erreichen will. Aber das ist nur eines der vielen Fragmente des Drehbuchs, bei denen man erwartet, dass sie noch irgendwie zusammengeführt werden oder anderweitig einen Zweck erfüllen. Fehlanzeige.

Der Bösewicht erweist sich übrigens auch nur als ein kleineres Rad, als wir vermutet haben. Alex Fong darf aber speziell in einer Szene sein schauspielerisches Talent zeigen und damit einmal mehr beweisen, dass es durchaus einzelne Szenen in "Under Current" gibt, die spannend umgesetzt sind und Atmosphäre aufbauen können. Damit wird aber nur umso schmerzhafter offensichtlich, wie ungeschickt das alles zusammengeknüpft ist. Wir machen auch hin und wieder mal ein paar Zeitsprünge, womit der Zuschauer natürlich mehr weiß als die Ermittler, dennoch schafft Alan Mak es, den Eindruck zu hinterlassen, als würde das keinem wirklichen Zweck dienen. Wenigstens könnte man meinen, dass man nach und nach herausfindet, was eigentlich passiert ist, aber das ist weder spannend umgesetzt, noch wird es angemessen über den Film verteilt. Davon abgesehen gibt es auch unzählige Nebengeschichten mit verschiedenen Charakteren, die kein Gewicht besitzen. Der Anwalt hat einen Mentor, mit dem er sich zerstreitet, der Detective tritt gegen Ende zu lange in den Hintergrund und dann versucht man auch noch auf Biegen und Brechen einen actiongeladenen Showdown auf die Beine zu stellen.

Immerhin muss positiv angemerkt werden, dass die Action nicht langweilt. Der "Taekwondo"-Endkampf mit Aaron Kwoks digital angeheftetem Gesicht ist nicht schlecht, das kann man vom CGI, speziell den Explosionen, aber nicht sagen. Dazu kommt noch, dass es zwar ein Finale gibt, dieses aber letztendlich doch irgendwie ... antiklimaktisch ausfällt. Wie bereits angemerkt erweist sich dazu die Geschichte als erstaunlich flach. In Zeiten, in denen herauskommt, dass NGOs, die gegen Rassismus vorgehen sollen, Rassisten finanzieren, damit sie selbst eine Daseinsberechtigung behalten, scheint die Story von "Under Current" äußerst aktuell. Daraus wird aber nichts gemacht, das über "NGOs können optimale Geldwäsche-Anlagen sein" hinausgeht - das wusste nun wirklich jeder halbwegs intelligente Zuschauer schon vorher. Damit bleibt am Schluss leider gar nicht mehr so viel, das den Film empfehlenswert machen würde. Ja, es gibt ein paar unterhaltsame Szenen und man wird sich die gesamte Zeit wenig langweilen. Doch das Potenzial, nicht zuletzt auch dank der Darsteller, wäre so viel höher gewesen, weshalb man hier leider nur ein "Finger weg" als Fazit geben kann.
