

Story: Ahn Geo-wool (Kyung Soo-jin) ist arbeitslos und kümmert sich um die Kinder ihres Bruders Doo-on (Kyung Soo-jin), einem erfolgreichen Anwalt. Da sie mit den Kindern aber immer wieder in der Nachbarschaft auf Jagd nach Falschparkern geht, hat Doo-on bald die Nase voll und möchte nicht mehr, dass seine Schwester bei ihm wohnt. Sie kommt also vorübergehend in einem Apartment unter, nur ist das Problem, dass ihr der Hausmeister (Jung Hee-tae) sogleich mitteilt, niemand würde hier lange durchhalten. Und tatsächlich: Um vier Uhr nachts fängt im ganzen Haus ein ohrenbetäubender Lärm an. Die Quelle ist nicht direkt auszumachen, da die Zwischenflure das Geräusch weiterleiten und verstärken. Da niemand in der Nacht schlafen kann, sind die Bewohner schon halb verrückt, einer von ihnen, Kyeong-seok (Ko Kyu-pil) will sich sogar das Leben nehmen. Geo-wool kann das verhindern und hat ihre Bestimmung gefunden. Sie muss den Übeltäter ausfindig machen. Nachdem sie einige Bewohner als Täter ausgeschlossen hat, will sie mit diesen die Quelle des Geräusches verorten. Dafür will sie auf den verschiedenen Etagen Lärmmessungen vornehmen. Doch ihre Pläne werden immer wieder durchkreuzt und so muss sie sich fragen, ob es nicht vielleicht einen Spion in den eigenen Reihen gibt.

Kritik: In Südkorea sind Immobilien als Anlage so wichtig, dass kleinste Probleme im Haus mit großen Kopfschmerzen einhergehen, da durch diese der Wert der Immobilie fallen könnte. Unerklärliche Geräusche in einem Apartmentkomplex sind daher ein so populäres Thema, dass in den letzten paar Jahren gleich zwei größere Filme dazu herauskamen: "Wall to Wall" und "Noise". Regisseur Lee Roo-da möchte das Mysterium um eigenartige Geräusche jedoch mit Comedy verbinden und das gelingt ihm zum Teil sogar ganz ordentlich, dank einer symapathischen Heldin, die gleich zu Beginn als der Albtraum jedes Nachbarn vorgestellt wird, weil sie überall ihre Nase hineinsteckt und damit Chaos stiftet. Es dürfte also offensichtlich sein, dass bei ihr nicht unbedingt alle Schrauben festsitzen, aber sie ist ein herzensguter Mensch und will das Leben ihrer Mitmenschen verbessern. Neben all den absurden Szenen, die sich daraus entwickeln und das Fundament des Unterhaltungswerts ausmachen, wird mit mäßigem Erfolg auch etwas Drama verbaut. Dafür reicht die Tiefe der Charaktere aber nicht aus.

Genau genommen werden direkt zum Auftakt schon alle Familienmitglieder rund um Geo-wool vorgestellt. Der eine Bruder arbeitet bei der Polizei, während der andere ein Anwalt ist. Somit muss sich die Schwester natürlich ebenso der Verbesserung unserer Gesellschaft widmen. Selbstverständlich fragt man sich, warum sie keinem Job nachgeht und sich ständig ungefragt in das Leben anderer einmischt, aber eine kleine Wendung offenbart uns später das Trauma, das sie mit sich herumträgt. Ein wenig Drama darf in einem koreanischen Film nicht fehlen und auch wenn ein paar Szenen tatsächlich nahegehen können, ist das nicht bei allen der Fall und man muss fragen, ob es denn unbedingt nötig war, diese ansonsten eher leichtgängige Komödie mit dieser Thematik zu belasten. Die Kritik liegt auch darin begründet, dass die Charaktere nicht besonders ausgefeilt sind. Nicht mal unsere durchaus liebenswerte Protagonistin kann echte Tiefe erkennen lassen und im Großen und Ganzen ist das auch gar nicht das Ziel des Streifens. Beim Drama muss der Versuch, Substanz hinzuzügen, also gezwungenermaßen scheitern.

Darstellerin Kyung Soo-jin hat ihre Erfahrung hauptsächlich in Drama-Serien gesammelt, trägt den Film aber gekonnt auf ihren Schultern. Selbst in Szenen, in denen ihr Charakter leicht etwas zu überdreht hätte wirken können, erdet sie Geo-wool, und dennoch bleibt sie ein kleiner Wirbelwind. Wenn unsere Heldin ein Problem sieht, verbeißt sie sich sofort darin - natürlich muss es später auch eine kleine Krise inklusive Selsbtzweifel geben - und schreitet zur Tat. Dass sie das Problem im Apartmentkomplex nicht alleine lösen kann, ist ihr aber durchaus bewusst und so zieht sie die Hilfe einiger anderer Bewohner heran. Diese sind alle archetypisch gehalten, manche von ihnen, wie die Teenagerin, bekommen sogar so wenig Zeit spendiert, dass man sich fragt, ob man sie nicht besser gänzlich rausgeschnitten hätte, um den anderen Personen mehr Raum zu bieten. Aber auch da wäre schlicht nicht mehr zu erzählen gewesen. Die meisten Personen fungieren auch nur als Verdächtige bzw. potentielle Verräter und es bleibt dem Publikum überlassen, zu rätseln, wer denn eigentlich und aus welchen Gründen für den Lärm verantwortlich ist.

Eine schöne Szene gibt es hinsichtlich des Mystery-Charakters, die uns rätseln lässt, wer in den eigenen Reihen ein Spion darstellen könnte. Bei den Lärmmessungen in verschiedenen Stockwerken zur gleichen Zeit haben nämlich gleich mehrere Personen aus hanebüchenen (oder auch nicht) Gründen ihre Messungen vermasselt und es bleibt am Zuschauer, sich daraus einen Reim zu machen. Ehrlich gesagt, gibt es aber keine herausragenden Überraschungen. Mit ein bisschen Nachdenken ist man den Geschehnissen tatsächlich voraus und es gibt nur hier und da mal ein Aha-Erlebnis. Das Tempo stimmt allerdings zu jeder Zeit und die Geschichte schreitet stets fort. Selbst das Drama, das minder erfolgreich eingesetzt wird, kann hinsichtlich des Tempos eine angenehme Ruhepause gönnen, bis es gewohnt flott weitergeht. Dazu hauchen selbst die oberflächlich geschriebenen Nebencharaktere dem Film Leben ein. Der Humor selbst ist gar nicht so albern, wie man vermuten würde, und tatsächlich hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle noch etwas mehr Humor gewünscht.

"The Noisy Mansion" weiß die Zeit des Zuschauers mit seinen ca. 100 Minuten nicht zu verschwenden, sofern man die leichte Unterhaltung nicht generell als Zeitverschwendung betrachtet. Der Showdown ist ebenso nicht übel und das Ende erweist sich wie zu erwarten als herzerwärmend. Man bekommt hier keine Überraschungen - leider eben auch nicht wirklich bei den Wendungen -, aber bei dem, was diese Komödie sein will, kann man auch nicht ernsthaft meckern. Auch der Humor und die Atmosphäre im Allgemeinen sind nicht so slapstickhaft, wie man es vielleicht befürchten könnte, die Charaktere hätten aber zumindest einen ansprechenderen Anstrich verdient, damit man den Film nicht gleich wieder vergisst. So bleibt uns nur Geo-wool als ungewöhnliche Heldin im Gedächtnis und selbst sie wird für jene, die dem Genre nicht sonderlich zugetan sind, den Film nicht über gutes Mittelmaß retten können. Einfach nette Abendunterhaltung - mehr nicht, aber auch nicht weniger.
