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Pavane - Filmposter
Original Title:
Pa-ban-neu

South Korea 2026

Genre:
Drama, Romance

Director:
Lee Jong-pil

Cast:
Go Ah-sung
Moon Sang-min
Byun Yo-han
Lee E-dam
Han Yoo-eun
Seo Yi-ra
Kwon Do-gyun
Shin Jung-geun


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Pavane

Pavane - Film Screenshot 1

Story: Gyeong-rok (Moon Sang-min) hat einen Nebenjob in einem Parkhaus angenommen und lebt in den Tag hinein. Sein Vater ist ein Schauspieler, der ihn und seine Mutter alleine gelassen hat, nachdem er berühmt geworden ist, und seitdem findet Gyeong-rok an nichts mehr Freude im Leben. Damit zieht in auch sein Kollege Yo-han (Byun Yo-han) auf, der ihn als seinen neuen Freund auserkoren hat. Gyeong-roks Sicht auf die Welt ändert sich aber, als er die unscheinbare Mi-jeong (Go Ah-sung) kennenlernt. Sie arbeitet im Lager des gleichen Gebäudes wie er und wird von den Kollegen ausgeschlossen, weil sie in sich gekehrt und wenig sympathisch ist. Gyeong-rok will sie aber näher kennenlernen, da er sie äußerst faszinierend findet. Yo-han bietet sich als Vermittler an, da sein Freund alles andere als bewandert in romantischen Dingen ist. Mi-jeong versteht zunächst gar nicht, was der junge Mann von ihr will. Sie kann sich nicht vorstellen, dass er ernsthaft Interesse an ihr haben könnte. Yo-han warnt überdies, dass er ihr auf keinen Fall den Eindruck machen darf, er wäre aus Mitleid nett zu ihr. Im Endeffekt kümmert sich Gyeong-rok um nichts davon und will einfach nur Mi-jeong näherkommen. Es dauert eine Weile, bis sie auftaut, aber der junge Mann findet dank ihr endlich sein Lächeln wieder. Doch keine Liebe hält ewig, wie Yo-han immer wieder betont, und die ersten Stolpersteine lassen nicht lange auf sich warten, als Gyeong-rok seinem Traum des Tanzens folgen will.

Filmroll Pavane - Film Screenshot 2 Pavane - Film Screenshot 3 Filmroll
Pavane - Film Screenshot 4

Kritik: "Pavane" ist nicht der typische Romantikstreifen, das erkennt man schon daran, dass die Atmosphäre etwas melancholischer und auf Drama ausgerichtet ist. Das hat dann auch mein Interesse an dem Film geweckt, da ein weiterer Romantikstreifen mit guter Laune und bunten Farben eine weitaus höhere Wahrscheinlichkeit aufweist, sich in Genre-Klischees zu verlieren. "Pavane" beschreitet einen anderen Weg ... bis er die falsche Abzweigung nimmt und genau auf jenem stark ausgetreteten Pfad landet. Und plötzlich springen auch die anderen Probleme des Dramas stärker ins Auge. Das größte davon ist, dass die Charaktere keineswegs so tiefgründig geschrieben sind, wie man uns weismachen will. Dazu kommt - oder man kann es auch als Folge dessen betrachten - die fehlende Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren. Warum der Film dennoch keine Katastrophe ist, liegt an den ernsten und erwachsenen Themen, die in ein paar Momenten mit dem nötigen Gewicht behandelt werden, wenn es auch zumeist nur in kurzen Dialogen ist.

Pavane - Film Screenshot 5

Schauen wir uns zuerst Gyeong-rok an, gespielt von Moon Sang-min (bisher nur in Drama-Serien wie "My Name" zu sehen). Er bekommt eine kleine Hintergrundgeschichte spendiert, die zu Beginn umrissen wird, später dann aber in wohl nur einer Szene nochmal kurz aufgegriffen wird. Er teilt uns zwar manchmal seine Gedanken mit, indem er sie an Mi-jeong richtet, und so erfahren wir, dass für ihn alle Menschen irgendwie "nicht echt" wirken, bis er seine Liebe gefunden hat, aber das war es dann auch schon. Es ist niemals wirklich offensichtlich, welches Leid ihn plagt. Bei Mi-jeong dagegen ist ziemlich klar, dass sie früher und auch heute noch gemobbt wird. Go Ah-sung, die auch international aus "Snowpiercer" bekannt ist, bemüht sich, ihrer Rolle etwas mehr zu geben, aber da ist nichts. Mi-jeong kommt mit zerzaustem Haar und ungepflegter Haut auf die Arbeit und zeigt auch mit ihrer gebückten Körperhaltung, dass sie anders als die bei Chanel und Gucci arbeitenden Kolleginnen ist. Dass alleine (und eventuell ihr Luftpiano, das sie in einer Szene spielt) reichen für Gyeong-rok aber anscheinend, um sie als jemanden, der nicht "fake" ist, zu lieben. Viel zu wenig.

Pavane - Film Screenshot 6

Weiterhin erfahren wir gar nichts über die Lebensumstände der Charaktere. Gerade bei Mi-jeong hat man den Kardinalfehler begangen zu erzählen, anstatt zu zeigen. Sie muss für ihre Geschwister aufkommen, weil sie keine Eltern mehr hat, und Kredithaie suchen sie immer wieder auf. Das ist dem Drehbuchschreiber aber nicht mehr wert als ein paar Zeilen Monolog. Ich wollte mich für die Charaktere interessieren, aber auf diese Weise wurde einfach zu wenig aus ihnen herausgeholt. Bezeichnend ist in dem Zusammenhang, dass es die augenscheinlich oberflächlich wirkende Kollegin Se-ra eher schaffte, meine Neugier zu wecken. Denn obwohl diese ausgenutzt und verletzt wird, zeigt sie ein gutes Herz, sodass man sich plötzlich dabei erwischt, dass man mit diesem Charakter, über den man eigentlich gar nichts erfährt, mehr Mitleid hat als mit den Helden der Geschichte. Sie scheint nämlich zumindest eine Wandlung zu unterlaufen. Ganz zu schweigen von Yo-han, der für mich weite Strecken des Films getragen hat, und das nicht nur, weil er die nötige Farbe in die Geschichte bringt. Er ist die typisch tragische Figur, die immer gutgelaunt ist, aber von Depression geplagt wird und eigentlich nur echte Freundschaft sucht.

Pavane - Film Screenshot 7

Yo-han, verkörpert von Byun Yo-han ("On the Line") wird eigentlich eher karikativ gezeichnet, seine mentale Abwärtsspirale und seine Hintergrundgeschichte werden aber immerhin in seinen Worten und seinen Fantasien deutlich. Auch Gerüchte, die in der Firma die Runde machen, lassen uns eine Idee von seiner Person bekommen. Leider wird Yo-han aber ab einem bestimmten Punkt aufs Abstellgleis gestellt und wieder hervorgekramt, wenn das Drehbuch ihn erneut braucht. Stattdessen wird sich darauf fokussiert, dass sich die beiden Liebenden voneinander entfernen, weil Gyeong-rok seinem Traum des Tanzens nachgehen will - ein Aspekt, der auch eher zusätzlich in den Topf geworfen wirkt. Das Problem ist nur, dass sich die beiden gerade erst nähergekommen sind. Es ist also noch gar keine Basis gegeben, dass sich diese Entfremdung tragisch anfühlen würde. Was bei all der Kritik den Zuschauer aber immer wieder über Wasser hält, sind ein paar schöne Ideen und die Themen. Es geht schließlich darum, dass auch eine vergangene Liebe etwas ist, das man nie verliert, wenn man sich daran mit einem Lächeln erinnern kann. Auch Verlust und Suizid werden auf eine erwachsene Art behandelt.

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Pavane - Film Screenshot 10

Das alles hätte durch bessere Ausarbeitung der Charaktere aber weitaus besser zum Tragen kommen können. Mein größter Kritikpunkt ist, dass "Pavane" überall ein bisschen mitmischen will und dem Regisseur gegen Ende einfach die Zügel aus der Hand gleiten. Beispielsweise gibt es sogar das Klischee, wie Gyeong-rok in einen Bus steigt und davonfährt, ein paar Meter weiter aber wieder aussteigt, um Mi-jeong seine Gefühle ganz deutlich zu offenbaren. Ironisch - eigentlich schon bitterböse - ist, dass das Ende wohl ganz anders ausgefallen wäre, wenn er dieses Klischee nicht bedient hätte. Das Ende konnte mich zudem gar nicht mehr abholen. Es soll hoffnungsvoll sein, hat sich aber vollkommen auf die Melodrama-Schiene begeben, während Regisseur Lee Jong-pil ("Samjin Company English Class") auch nicht weiß, wie er sinnvoll zum Abspann führen soll und damit einfach gleich mehrere Epiloge verbaut, von denen mindestens einer nicht die gewünschte Wirkung entfaltet, sondern eher peinlich ist. Ja, "Pavane" hätte das Zeug gehabt, ein melancholischer Liebesfilm mit Tiefe zu werden, aber dafür gibt es leider zu viele Baustellen, die emotionale Distanz schaffen.

(Autor: Manfred Selzer)
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