

Story: Lee Jeong-hwan (Cho Jung-seok) ist alleinerziehender Vater und kümmert sich mit ganzem Herzen um seine fünfzehnjährige Tochter Soo-ah (Choi Yu-ri), die das Tanzen liebt. Ihr Vater albert gerne mit ihr herum, doch eines Tages werden sie Zeuge, wie eine Nachbarin verrückt wird und ihren Ehemann beißt. Kurz darauf attackiert sie auch Jeong-hwan und seine Tochter. Die beiden fliehen und bekommen über die Nachrichten mit, dass eine Art Zombie-Virus ausgebrochen ist. Die Stadt ist im Ausnahmezustand und das Militär rückt an. Jeong-hwan will zu seiner Mutter Bam-soon (Lee Jung-eun) aufs Land, aber Soo-ah wird auf der Flucht gebissen und verwandelt sich in einen Zombie. Der Vater weigert sich, seine Tochter, wie von der Regierung verlangt, zu melden und versteckt sie bei seiner Mutter. Diese ist zuerst gar nicht begeistert davon, bringt es aber auch nicht über das Herz, ihre Enkelin zu erlösen. Einige Monate später ist das Virus im Land unter Kontrolle und der Alltag hat wieder Einzug gehalten. Nur nicht bei Jeong-hwan, der sich in den Kopf gesetzt hat, seine Zombie-Tochter wie einen seiner Tiger im Zoo "zu erziehen". Sein Freund Dong-bae (Yoon Kyung-ho) erfährt auch von Soo-ahs Zustand, unterstützt aber schließlich Jeong-hwan, da es Hoffnung auf eine Heilung durch einen Pharmakonzern gibt. Der Vater glaubt immer wieder, seine Tochter in dem Zombie zu erkennen und tatsächlich wird sie weniger aggressiv. Doch schon bald wartet die nächste Hürde auf Jeong-hwan und zwar in Form seiner wiederauftauchenden alten Jugendliebe Yeon-hwa (Cho Yeo-jeong), die Zombies hasst und sogar eine Weile lang gejagt hat ...

Kritik: "Ach nee ... Nicht schon wieder ein Zombiestreifen." So oder so ähnlich dürfte es mittlerweile in den Köpfen der meisten aussehen, wenn sie von einem Film wie "My Daughter is a Zombie" hören, auch wenn der Titel einen Hinweis geben dürfte, dass man nicht den typischen Horrorfilm zu sehen bekommt, sondern eher eine Komödie. Nach ein paar Minuten hatte ich dann den Eindruck, dass man hier eine ziemlich slapstickhafte Komödie abgeliefert hat, die nur ein kleines Publikum für sich gewinnen dürfte. Die Tochter liebt das Tanzen und der Vater tanzt gleich mit, weil das früher auch seine Leidenschaft war. Und kommt es dann zur Zombieapokalypse arbeitet man sich halt mit einem Zombietanz durch die Horde. Kein glänzender Beginn, der mich sofort abgeholt hätte, aber ich bin froh, dass ich am Ball geblieben bin, denn der Film hat tatsächlich noch so einige Überraschungen auf Lager, die alle sehr positiv zu bewerten sind. Da wäre vor allem zu nennen, dass einem die Charaktere wider Erwarten doch noch ans Herz wachsen und Zombies nach dem eigentlichen Aufhänger auch keine Rolle mehr spielen, da die Infektion zurückgedrängt wird und wir uns wieder in einer recht normalen Realität wiederfinden.

Für den Vater unserer Geschichte ist aber nichts normal, denn er muss sich anfangs mit der moralischen Frage auseinandersetzen, ob er seine Tochter von ihrem Dasein als Untote erlösen soll oder nicht. Um klassische Zombies geht es aber anscheinend gar nicht. Denn zumindest Soo-ah behält ihre Körperwärme bei und kann sogar ein Fieber entwickeln. Auch Menschenfleisch ist nicht unbedingt nötig, Kutteln tun es für sie auch (keine Ahnung, was ekliger ist ...). Viel faszinierender ist allerdings, dass sich alte Gewohnheiten und Erinnerungen nicht gänzlich verloren haben. Durch das Virus wird mehr oder minder das Gehirn ausgeschaltet, aber, so die Theorie, durch ausreichend Wiederholungen lassen sich Muster antrainieren und so könnte Jeong-hwan vielleicht seiner Tochter nicht nur beibringen, niemanden mehr zu beißen, sondern sie könnte auch wieder zum Menschsein finden. Wir erfahren, dass das Virus bei steigender Gehirnaktivität schwächer wird und zudem arbeitet ein Pharmaunternehmen an einem Heilmittel, sodass es zweifellos noch Hoffnung gibt.

Cho Jung-seok ("Exit") spielt den Vater und soll von Anfang an locker und sympathisch daherkommen. Gerade das und die Chemie zwischen Vater und Tochter wirkten für mich aber zu aufgesetzt und daher beinahe zum Fremdschämen. Man mag es kaum denken, aber gerade wenn Soo-ah als Zombie nicht mehr kommunizieren kann, bekommt die Beziehung Farbe und Tiefe. Zwar gibt es noch genug Slapstick-Momente, bei denen man nur von hit-and-miss reden kann - einige Szenen sind dafür aber tatsächlich zum Laut-Auflachen -, aber völlig unerwartet traf mich das Drama, da dies überraschend tiefgehend ist. Eine Szene, in der Jeong-hwan im ehemaligen Zimmer seiner Tochter ist und sie sich in Gedanken vorstellt, wie sie ein Gespräch wie früher führen, kann erstaunlch nahegehen. Lobenswert ist also, dass das Drama gut eingestreut ist und nicht einfach nur ans Ende geklatscht wird, wie es für koreanische Produktionen gang und gäbe ist. Auch die Familiengeschichte ist komplexer, als man es vermuten würde, und mit der Mutter/Großmutter gibt es ebenfalls noch einen gut ausgearbeiteten Charakter, der mehr Dynamik ins Geschehen bringt.

Bei den Nebencharakteren hätte aber etwas mehr Arbeit geleistet werden müssen. Dong-bae, porträtiert von Yoon Kyung-ho ("Good News") ist der gute Freund, der vor allem als Cosplayer im Thor-Kostüm eine gute Figur abliefert, letztlich aber irgendwann zu sehr im Hintergrund verschwindet. Dann taucht da noch eine ehemalige Jugendliebe auf, gespielt von Cho Yeo-jeong ("Parasite"), was man mit dieser aber genau bezweckt hat, außer noch ein wenig Spannung in das Geschehen zu bringen, weil sie Zombies nicht ausstehen kann, bleibt ein Rätsel. Gerade an dieser Stelle zeigt sich also eine gewisse Orientierungslosigkeit. Das Drehbuch findet auch noch ein paar fadenscheinige Gründe, warum Soo-ah auf eine Schule muss, auch wenn sie eigentlich ein Zombie ist. Viele dieser Szenen scheinen lediglich ihren Weg in den fertigen Film gefunden zu haben, weil man noch den einen oder anderen Gag unterbringen wollte. Einzelne Versatzstücke hätte man problemlos herausnehmen können, ohne dass es dem Film groß geschadet hätte. Bei aller Kritik muss man aber dem Regisseur auch zugestehen, dass man niemals auf glühenden Kohlen sitzt und sich fragt, wie es denn nun weitergeht. Der Weg ist sozusagen das Ziel, selbst wenn man neugierig ist, ob und wie man auf ein Happy End zusteuern will.

Zu Beginn dachte ich auch, ich würde mit Choi Yu-ri ("Alienoid") als Zombie nicht viel anfängen können, aber von wegen - gerade in dieser Rolle kann sie Punkte sammeln, zumal es einige abstruse Szenen gibt, in denen "süß" und "zombiehaft" als Kontrast gegenübergestellt werden. Und nicht zuletzt gibt es noch eine Katze im Haushalt, die genau genommen ein Spiegelbild von Soo-ah darstellt. Süß, gemütlich aber auch animalisch und mit ihrem eigenen Kopf. Das Ende hätte für mich fast den Film an die Wand gefahren, aber Regisseur Pil Kam-sung ("Hostage: Missing Celebrity"), bekommt noch einmal auf sehr angenehme Weise die Kurve und weiß wie bereits erwähnt generell sehr gut, auf was er in welcher Szene seinen Fokus legen muss. So handelt es sich hier zwar augenscheinlich um eine Komödie, aber die dramatischen Momente sind das eigentliche Highlight. "My Daughter is a Zombie" ist damit um einiges besser, unterhaltsamer sowie mitnehmender als erwartet. Das hat durchaus eine Empfehlung verdient.
