

Story: Yoshie (Masami Nagasawa) und Tadahiko (Koji Seto) sind verheiratet und haben eine kleine Tochter namens Mei (Totoka Honda). Während Mei mit den Kindern aus der Nachbarschaft bei Yoshie Verstecken spielen, geht die Mutter kurz einkaufen. Als sie zurückkommt, ist aber niemand mehr im Haus. Die Nachbarskinder sind wieder bei ihren Eltern und niemand weiß, wo Mei ist, da sie beim Versteckspiel nicht gefunden wurde. Es wird eine Vermisstenanzeige aufgegeben, bis schließlich Meis Leiche entdeckt wird. Yoshie ist am Boden zerstört, nimmt Tabletten und geht zu einer Selbsthilfegruppe. Jedoch kann ihr nichts helfen. Bis sie eines Tages auf einem Flohmarkt eine antike Puppe findet. Sie behandelt sie wie ihre eigene Tochter und Tadahiko lässt sie trotz seiner Bedenken die Puppe weiter wie einen Menschen behandeln, da die Ärzte ihm versichern, dass dies seiner Frau tatsächlich helfen könnte. Kurze Zeit später wird Yoshie schwanger und die kleine Mai kommt zur Welt. Der Mutter geht es wieder besser und sie verbannt die Puppe in den Wandschrank. Fünf Jahre später findet Mai (Aoi Ikemura) die Puppe und möchte mit ihr spielen. Bald sind die zwei unzertrennlich und Mai behauptet, dass die Puppe Aya heißt und mit ihr redet. Yoshie denkt sich zunächst nichts dabei, bis sie eigenartige Dinge im Haus erlebt, die sie langsam glauben lassen, dass die Puppe ein Eigenleben entwickelt hat. Ihr Ehemann vermutet dagegen, dass seine Frau wieder einen Rückfall erlitten hat.

Kritik: Es ist schon sehr vorsichtig formuliert, wenn ich schreibe, dass ich recht überrascht war zu lesen, Shinobu Yaguchi sei der Mann hinter der Kamera. Der Regisseur ist nämlich normalerweise für sehr lebhafte Komödien wie das fantastische "Swing Girls" oder vor sechs Jahren "Dance with Me" bekannt. Hier haben wir einen waschechten Horrorstreifen, der allerdings großen Wert auf Drama und gruselige Szenen legt und damit nicht vergleichbar mit modernen Vertretern des Genres und ihren zahllosen billigen Schreckmomenten ist. Vielmehr fühlt man sich an Klassiker wie Hideo Nakatas "Ring" erinnert. Letzten Endes kann der Film nicht umhin, als ein paar Genreklischees zu bedienen, aber die Art, wie sich die Geschichte Zeit nimmt, um Fahrt aufzunehmen, ist sehr angenehm. Die Charaktere bekommen somit Raum, sich in der Geschichte zu verankern und ein gutes Fundament aufzubauen, sodass uns die unweigerlichen Entwicklungen samt Suche nach der Wahrheit und den Hintergründen um die Puppe nicht gleichgültig oder nur Mittel zum Zweck für ein paar Schocker sind. Besonders das Drama zu Anfang kann erstaunlich mitnehmen.

Lob verdient vor allem Masami Nagasawa ("The Parades"), die das Trauma um den Verlust der Tochter mit überraschender Tiefe vermitteln kann. Sie ist auch der Grund, warum Koji Seto als Ehemann recht flach wirkt, ein Umstand, der gerade zum Ende hin, als er weiter in den Vordergrund rückt, negativ auffällt. Der Ehemann stellt, wie es für Horrorfilme gang und gäbe ist, lediglich ein Zahnrad im Getriebe dar, das die Geschichte am Laufen halten muss. Glücklicherweise baut der Film aber hauptsächlich auf der Beziehung zwischen Yoshie und Mai auf. Bald genug gibt es aber ein paar Szenen, die einem eine unangenehme Gänsehaut geben können. Immer wieder sehen wir sozusagen aus dem Augenwinkel ein Kind vorbeieilen, nur um dann Mai ganz woanders zu sehen. Klar, dass damit gespielt werden muss, die Puppe könnte ein Eigenleben haben, aber ein wenig zu oft wiederholen sich dennoch einige jener Szenen, zumal dem Zuschauer selbstverständlich von Beginn an klar ist, dass es sich um eine Puppe handelt, die von einem bösen Geist beseelt ist. Das Genre wird hier letztlich nicht neu erfunden. Angenehm fällt aber wie gesagt auf, dass man sich mit unnötigen Schreckmomenten, getragen von einem ansteigenden Soundtrack, stark zurückhält.

Der Horror präsentiert sich stattdessen weitaus subtiler, was zum Finale hin durch ein paar nette Überraschungen und vor allem etwas Buddhismus inklusive einiger Rituale ausstaffiert wird. Allerdings muss man hinterfragen, ob der Einschub mit dem Polizisten Yamamoto wirklich nötig war. Tetsushi Tanaka (ebenfalls in "The Parades" zu sehen) als Mönch führt die Geschichte sinnvoll weiter, auch wenn man durchaus etwas schmunzeln muss, da nicht gerade sehr geschickt Wege gefunden werden mussten, unser Ehepaar weiter im Zentrum der Geschichte stehen zu lassen. Es beginnt schon damit, dass das Paar plötzlich unglaublich neugierig wird, und involviert dann ein Ungeschick des Mönches. Nichtsdestotrotz weiß Regisseur und Drehbuchschreiber Shinobu Yaguchi seine Geschichte am Laufen und den Zuschauer bei der Stange zu halten. Das Finale hält noch einige Wendungen bereit, selbst dann, als man schon glaubt, alles wäre geklärt. Irgendwie kann man sich jedoch nicht des Eindrucks erwehren, dass eben genau das auch das typische Schema F eines Horrorstreifens ist. Wenn die letzte Szene von "Dollhouse" über den Bildschirm flimmert, weiß man, was damit gemeint ist.

Technisch gibt es hier nichts zu beanstanden. Der Regisseur weiß, wie man Grusel erzeugt, ohne dass dafür unbedingt alles dunkel und düster gehalten werden muss. Speziell einige der Szenen in der lichtdurchfluteten Wohnung wissen zu überzeugen. Daneben wird natürlich auch das Medium Fotografie und Video genutzt, um uns ein wenig Schrecken einzujagen. "Dollhouse" bombardiert uns nicht mit albtraumhaften Bildern, aber wenn es in diese Richtung geht, dann ist es recht effektiv. Einige der Szenen sowie das wahre Gesicht der Puppe hätten in den Händen eines weniger fähigen Regisseurs auch leicht lächerlich wirken können. Shinobu Yaguchi weiß aber Licht und Schatten zu seinem Werkzeug zu machen und das Maximale aus Makeup-Effekten herauszuholen. Es gelingt ihm zudem sehr gut, Atmosphäre aufzubauen, was das A und O für einen solchen Genreeintrag ist. Bereits die Einleitung erzeugt Unbehagen und innere Anspannung, als die Kinder spielen, während Yoshie einkaufen ist. Die Auflösung, wie die Tochter ums Leben gekommen ist, ist weiterhin so effektiv umgesetzt, dass man Yoshies Taumeln in den Abgrund des Wahnsinns nur allzu gut nachvollziehen kann.

Trotz einiger sehr packender Szenen - die an Schamanismus erinnernden Rituale sind zweifellos gelungen - muss angemerkt werden, dass der Wechsel des Fokus in der zweiten Hälfte von der Mutter zum Vater bzw. auf beide nicht sehr überzeugend ist. Yoshie ist das Herz der Geschichte und auch wenn sich der Regisseur zum Ende hin dessen bewusst wird und nochmal die Kurve bekommt, verliert man das Interesse an den Individuen und klebt dafür immerhin dank des Horrors angespannt vor dem Bildschirm. Umso nervender ist dann der flotte Popsong während des Abspanns - ein Phänomen japanischer Filme, das mir vor allem bei Horrorfilmen einfach nicht in den Kopf will. Das Drehbuch macht es sich außerdem manchmal etwas zu leicht - warum müssen die Eltern am Schluss beispielsweise alles selbst machen? Nicht alles wirkt rund, dafür kann das Drama gut funktionieren und der Horror ebenso. Genau genommen ist das schon mehr als die meisten Regisseure heutzutage schaffen. Daher wäre es unfair, das nicht auch anzuerkennen. "Dollhouse" ist ein guter Horrorfilm, der nicht einfach in der Masse untergeht, sondern teilweise sogar emotional nahegehen kann.
