

Story: Shen Fang (Pan Binlong) ist ein Gelehrter, der sich in den Kopf gesetzt hat, gegen die Korruption in der Regierung vorzugehen und selbst alles besser zu machen als seine Kollegen. Allerdings wird er schon bald Zeuge, wie eine Stadt in den chaotischen Wirren der Politik zerstört wird. Er entkommt als einziger Überlebender, jedoch nicht, bevor alle Gräueltäter niedergemetzelt wurden. So macht im Jianghu, der Welt der Helden und Kampfkunst-Meister, schon bald das Gerücht die Runde, Shen Fang sei ein Held, der die Unschuldigen schützt. Tatsächlich hat ein Schwertkämpfer namens Luo Han (Jiang Zhengyu) Shen das Leben gerettet. Dieser ist bald wieder von dannen gezogen und die Widerstandskämpferin Sanniang (Xi Wang) hat Shen bei sich aufgenommen, da er ihr unbedingt helfen will, gegen die korrupte Regierung vorzugehen. Kommandant Yuan Hanting (Andy On) bekommt aber Shen Fang in die Finger und so gesteht er, dass die Geschichten über ihn gelogen sind und Luo Han der eigentliche Held ist. Shen soll mit einigen Soldaten Luo Han ausfindig machen, der vor Kurzem Unmengen an Silber von der Regierung gestohlen hat. Sie finden ihn schließlich in einer Taverne. Wegen eines Unwetters sind dort eine Vielzahl von Persönlichkeiten versammelt. Einige Schwertkämpfer des Jianghus sind ebenfalls darunter. Die Betreiberin der Taverne ist Sanniang - es scheint, dass sie und Shen Fang schon seit langem einen Plan geschmiedet haben, den sie nun in die Tat umsetzen ...

Kritik: Bei Filmen aus dem Wuxia-Genre muss man sich zuweilen damit anfreunden, dass die Priorität einer ansprechenden Geschichte irgendwo weit hinten auf einem der letzten Plätze angesiedelt ist. Eventuell gibt es noch den Versuch, durch zahllose Parteien und Verwandtschaftsbeziehungen, die sich in Wendungen offenbaren, ein wenig Komplexität zu heischen, aber letzten Endes muss man sich mit den Kämpfen und hoffentlich schöner Atmosphäre als einzige Stärken anfreunden. Yuen Woo-Ping hat zuletzt mit "Blades of the Guardians" bewiesen, dass das zusammen mit ein wenig Bildgewalt durchaus reichen kann. Nun kann aber niemand vom Streamingdienst iQIYI erwarten, dass ein ähnliches Budget in die Hand genommen wird. Es darf aber beruhigt werden, dass die Sets und Kostüme allesamt gelungen wirken und dem Wuxia-Streifen in der Tat ein Premium-Label anhaftet. Auch die Kämpfe können sich sehen lassen, es ist aber genau genommen so, dass diese gar nicht im Fokus stehen, sondern vielmehr die Geschichte. Das lässt sich schon alleine daran erkennen, dass der Film nicht linear erzählt wird. Stattdessen ist er in Kapitel aufgeteilt, die in der Zeit vor- und zurückspringen und uns damit Stück für Stück die wahren Hintergründe auf spannende Weise darlegen.

Der Film startet recht langsam und zeigt uns somit gleich, dass er mehr wert auf die Geschehnisse der Welt und die Hintergründe der Charaktere legt. Es ist auch gar nicht so einfach, einen Zugang zu finden. Es wird sofort klar, dass Shen Fang gar kein Wuxia-Held ist, aber man muss sich etwas gedulden, bis man seine Absichten und Ziele versteht. Erst als der Diebstahl des Silbers in den Mittelpunkt rückt, kann man sich langsam ein Bild von allem machen, und wenn sich dann die Geschehnisse in die Taverne verlagern, bekommt "A Better Jianghu" auch eine etwas dichtere Atmosphäre. Es wird ab dem Punkt zudem klar, dass hier auch ein Heist-Movie verbaut ist. Verschiedene Parteien wollen sich gegenseitig reinlegen und wer letztlich der schlauere ist, kann sich für den Zuschauer als schwierig erweisen, weil man eben den Überblick über die verschiedenen Personen behalten muss. An dieser Stelle erweist es sich als vorteilhaft, wenn man etwas Geduld beweist. Denn mit jedem Kapitel wird klarer, was eigentlich genau im Hintergrund geplant wurde und warum bestimmte Ereignisse stattfinden. Das kann erstaunlich viel Tiefe mit sich bringen, es kreiert aber auch ein nicht zu unterschätzendes Problem.

Die Nebendarsteller sind gezwungen, in kurzer Zeit einen Eindruck zu vermitteln, wen sie genau porträtieren. Das klappt meistens recht gut, selbst der etwas flache Bösewicht wird von Andy On ("Blind War") charismatisch genug dargestellt. Die Schwäche des Films ist aber, dass die Individuen dennoch lediglich umrissen bleiben. Vieles kann damit sein Potential nicht ausspielen. Shen Fang und Sanniang haben auch eine interessante Beziehung, die näher hätte beleuchtet werden können. Da dies verpasst wird, kann dieser Aspekt der Story nicht die nötige emotionale Tiefe erlangen. Daneben gibt es noch den eigentlichen Helden in Form eines klassischen Schwertkämpfers, auch wenn sein Schwert nicht sehr klassisch ausfällt. Über ihn erfahren wir eigentlich gar nichts, er bleibt eine kaum beschriebene Seite. Die Absicht dahinter ist offensichtlich und wird als Frage sogar direkt ausformuliert. Ist nicht eher Shen Fang ein Held, auch wenn er kein Schwert führen kann? Was bedeutet es überhaupt ein Held zu sein? Genau hinsichtlich dieser Fragestellung hätte ich mir aber mehr Substanz gewünscht. Es wirkt, als wäre auf der Bühne alles dafür vorbereitet, dann passiert aber nicht viel.

Eine Schwäche ist auch die Kapitelstruktur, denn obwohl es sehr gerne von mir gesehen wird, wenn eine Geschichte nicht gradlinig erzählt wird, ist es zuerst einmal schwierig, in den Film zu finden. Dazu kommt noch, dass "A Better Jianghu" auf einem Roman von Xiao Duan basiert und um einiges verdichtet wurde, was es natürlich nochmal um ein gutes Stück schwieriger gestaltet, jedem Aspekt gerecht zu werden. Ebenso muss sich der Regisseur die Frage gefallen lassen, warum er gerade einmal 97 Minuten für seinen Film veranschlagt hat. Es wirkt dadurch zwar alles ohne Längen, aber es wäre noch Raum genug für ein paar Feinheiten gewesen, sodass die Charaktere auch etwas plastischer hätten ausfallen können. Regisseur Liu Wenpu hat mit "The Butcher's Blade" bereits einen soliden Wuxia-Streifen auf die Beine gestellt. Hier wirkt alles noch ein bisschen polierter und hübscher. Gefallen kann auch, dass die Kämpfe gut über den Film verteilt sind und meist auch einen Zweck erfüllen. Nur das Finale wirkt ein wenig so, als hätte man unbedingt noch einen Kampf unterbringen müssen. Die Auseinandersetzung mit Andy On auf dem Schiff hätte dafür weiter ausgebaut werden müssen.

Die Kämpfe können zweifelsohne richtig Spaß machen. Zwar hat man hier an der Geschwindigkeitsschraube gedreht, aber dank CGI (und KI) wirkt es häufig so, als würde sich nicht alles schneller abspielen, sondern nur einzelne Personen oder Bewegungen. Durch ein paar Lichteffekte beim Aufeinandertreffen von Waffen und ähnliche Spielereien wirken die Angriffe auch um einiges epischer, beinahe wie in einem Anime - und das, ohne billig zu wirken. Billig wirkt dagegen das CGI-Blut und einige Sets wie das Schiff, das sich auf dem Wasser anscheinend überhaupt nicht bewegt. Die Simulation der Auswirkungen eines schaukelnden Meers auf ein Schiff war dann wohl zu aufwendig. Hin und wieder kann der Film auch recht brutal ausfallen. Alles in allem war ich mit dem Fundament eines Wuxia-Streifens, den Kämpfen, zufrieden, hätte mir nur einfach ein paar mehr gewünscht. Und das beeinflusst auch meine Wertung: Wer eine klassische Wuxia-Geschichte erwartet, wird hier ein wenig das typische Tempo vermissen. Stattdessen gibt es aber ein wenig Thriller im Heist-Stil, weshalb "A Better Jianghu" nie langweilig wird. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt einen recht interessanten Vertreter des Genres.
