

Story: Buyi (Liu Fengchao) ist ein Schutzmann der Stadt, hat aber nie den Mut, sich gegen Ungerechtigkeiten aufzulehnen, ist allerdings auch nicht bereit, genauso korrupt wie viele seiner Kollegen zu werden. Als er dann wieder einmal mitansehen muss, wie ein Verbrecher, den er gefangen genommen hat, freigelassen wird, weil sein Vorgesetzter dafür einen ordentlichen Sack Geld bekommt, steht Buyi am Scheideweg. Er will eigentlich das Richtige machen, aber er will ebenso der Besitzerin eines Nudelimbisses finanziell unter die Arme greifen. Außerdem will er endlich den Respekt bekommen, den er verdient. Er geht daher zu seinem Vorgesetzten und möchte eine Position, bei der er mehr verdienen kann. Also wird er zur Bewachung einer großen Geldlieferung abgestellt, die den Flutopfern der Stadt helfen soll. Buyis Einheit wird unglücklicherweise getötet, nur er überlebt. Er schafft es, zumindest einen der Diebe zu fassen. Nun wird allerdings er verdächtigt, die geheimen Transportwege der Geldlieferung verraten zu haben. Er kommt ins Gefängnis, wird aber von Huang Shining (Shanshan Chunyu) freigelassen, der einst sein Ausbilder und Meister war. Buyi war vor zehn Jahren Teil der berühmten Eagle Hall, hat dort seine Ausbildung jedoch abgebrochen. Nun soll er die wahren Hintermänner des Raubs ausfindig machen und bekommt eine zweite Chance, seine Ausbildung abzuschließen. Doch seine Feinde lauern an Orten, die er nicht vermutet hätte ...

Kritik: Es gab schon schlechtere Zeiten für Wuxia-Enthusiasten. Mittlerweile ist man glücklicherweise davon abgekommen, Pseudo-Blockbuster auf die Leinwand zu bringen, die durch ihr schreckliches CGI eher befremdlich wirken als irgendetwas anderes. "The Butcher's Blade" ist bodenständig und bietet nur sehr selten ein wenig (unglaubwürdige) Computereffekte. Stattdessen punktet der Film mit schönen Sets, gar nicht mal so schlecht geschriebenen Charakteren und einer Geschichte, die Krimi-Elemente beinhaltet. Auch bei den Kämpfen gibt es einiges an Einfallsreichtum zu bestaunen. Mit seinen 90 Minuten weiß die Geschichte auch ohne irgendwelche Längen auszukommen und so gibt es eigentlich nur wenig, was an dem Wuxia-Streifen zu bemängeln ist, falls man sich denn für das Genre erwärmen kann. Damit wäre eigentlich schon alles Wichtige gesagt, dennoch müssen noch ein paar Punkte genannt werden, die mich leicht unglücklich gestimmt haben, da das Potential der Geschichte um einiges mehr geboten hätte.

Zunächst einmal ist es Geschmacksache, wie viel Fantasy man in einem Wuxia-Streifen möchte. Ich für meinen Teil bevorzuge Filme wie "Invincible Swordsman", in denen das Jianghu im Vordergrund steht. Doch nicht alles aus dem Genre kann und sollte auf den Romanen von Jin Yong beruhen. In "The Butcher's Blade" gibt es keine fliegenden Schwertkämpfer, nur hier und da wird ein wenig die Schwerkraft außer Kraft gesetzt. Das mag dem einen oder anderen sogar besser gefallen. Was dadurch zweifellos besser wird, sind die Kämpfe, denn diese kommen ohne übertriebenes Wire-Fu aus und bieten schöne Choreografie. Bleiben wir kurz bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen. Anfangs war ich nämlich etwas skeptisch, da es viele schnelle Schnitte gab und ich befürchtete, dass man damit Mängel bei der Choreografie oder den Fähigkeiten der Darsteller übermalen wollte. Dem ist aber nicht so, wie am Abspann auch ein kleiner Einblick hinter die Kulissen zeigt. Alle beherrschen ihr Handwerk grandios und bringen sich mit vollem Körpereinsatz ein. Und nach der Einleitung zeigt sich dann auch, dass der Film zumeist ohne eben jene superschnellen Schnitte auskommt. Die Kämpfe bekommen aber auch noch durch etwas anderes mehr Farbe.

Spätestens nach dem Abspann des Films wird man sich fragen, warum der Titel denn "The Butcher's Blade" lautet. Denn diese Waffe kommt überhaupt nicht vor. Dafür gibt es aber andere originelle Waffen. Da wäre ein langes, nasses Tuch, das durch die Fähigkeiten des Kämpfers auch mal zu einem Stock werden kann (man muss ignorieren, dass hier und da ein tatsächlich unter dem Stoff verborgener Langstab offensichtlich wird ...), oder die Saiten eines Musikinstruments. Auch bei den Sets hat man sich Ideen gemacht. Es gibt einen Kampf zwischen aufgehängten Tüchern, ein anderes Mal gehen um die Kämpfenden herum Feuerwerkskörper los, was visuell sehr ansprechend ist, und wir haben einen Showdown auf einem Gerüst. Man muss also sagen, dass Martial-Arts-Enthusiasten klar auf ihre Kosten kommen. Allerdings hat mir manchmal doch irgendetwas gefehlt, auch wenn ich es nicht genau benennen kann. Vielleicht hat den Treffern manchmal der nötige Wumms gefehlt oder - eher wahrscheinlich - ich war nicht unbedingt in der Stimmung für Kämpfe. Auch das soll mal vorkommen ...

Der Film bietet ja aber zum Glück noch mehr als nur Kämpfe. Die Geschichte dreht sich um einen Schutzmann, der sich nie durchsetzen konnte und nun seine Chance sieht, Respekt zu erlangen. Er bekommt einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutet, Macht zu haben, sieht aber auch, wie diese andere korrumpiert. Er steht also im Spannungsverhältnis zweier Pole: kein Verlierer mehr zu sein und selbst Macht in den Händen zu halten; oder das Richtige zu tun, aber dabei mitanzusehen, wie er nichts wirklich ändern kann. Das ist faszinierend, es gibt nur weitaus mehr, was man daraus hätte machen können. Die Wiedervereinigung mit einem alten Freund ist beispielsweise vielversprechend, aber daraus entwickelt sich nicht viel. Das "Liebesinteresse" ist auch nur locker in den Film gewoben, die Nudelimbiss-Besitzerin hat aber keinen eigenen Charakter und ist viel zu kurz auf dem Bildschirm. Auch beim Bösewicht hätte man sich ein wenig mehr Einsicht in seinen Charakter gewünscht, zumindest bei ihm hat man aber am Ende den Eindruck, dass er seine Rolle im Rahmen der Geschichte zur Genüge ausfüllt. Insgesamt hätte man bei unserem Protagonisten aber seine innere Zerrissenheit deutlicher machen können.

Überraschend viel Mühe hat man in die Krimi-Geschichte gesteckt. Zwar kann man kritisieren, dass im Endeffekt auch nur von einem Hinweis zum nächsten gejagt wird, aber das ist immerhin schlüssig umgesetzt, lässt ein durchweg hohes Tempo zu und bietet der Geschichte ein solides Fundament, das man in dieser Form nicht in jedem Wuxia-Streifen vorfindet. Wirkliche Wendungen gibt es dafür nicht. Im Grunde sind die Charaktere dankenswerterweise nicht völlig leblos, unser Protagonist hätte zwar etwas mehr Farbe verdient, kann uns aber ordentlich durch den Film tragen. Zudem stimmt die Action. Wahrscheinlich war der Film mit genau genommen etwa 80 Minuten Laufzeit dann doch etwas zu kurz, weshalb man, nachdem alles gesagt und getan ist, nochmal eine Zusammenfassung der Geschichte angehängt hat - mitsamt einem Song, versteht sich -, was äußerst irritierend ist. Es sind solche Dinge, die mich dem Film ein paar Abzüge geben lassen. Dennoch: Fans des Genres werden hier nichts verkehrt machen können.
