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Yolo - Filmposter
Original Title:
Rè là guntàng

China 2024

Genre:
Drama, Comedy

Director:
Jia Ling

Cast:
Jia Ling
Lei Jiayin
Zhang Xiaofei
Zhao Haiyan
Zhang Qi
Xu Jun Cong
Bu Yu


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Yolo

Yolo - Film Screenshot 1

Story: Du Leying (Jia Ling) ist 32 Jahre alt, lebt bei ihren Eltern und hat sich aus dem gesellschaftlichen Leben so gut wie zurückgezogen. Sie ist unzufrieden mit ihrem Leben und ihr ungesunder Lebensstil hat dafür gesorgt, dass sie übergewichtig ist. Am liebsten würde sie den ganzen Tag im Bett bleiben, doch ihre Schwester Ledan (Zhang Xiaofei) will die Wohnung, welche Leying von ihren Großeltern bekommen hat, von ihr überschrieben bekommen, damit ihre Tochter ein besseres Leben haben kann. Ihre Cousine Doudou (Yang Zi) bittet sie überdies darum, bei einer Fernsehshow mitzumachen, in der das Leben von Menschen begleitet wird, die endlich einen Job finden wollen. Als Leying dann auch noch erfährt, dass ihr Freund sie mit ihrer besten Freundin betrogen hat, zieht sie aus und jobbt in einem Restaurant. Sie hat zwar weiterhin keine Perspektive, aber durch Zufall lernt sie den Box-Trainer Hao Kun (Lei Jiayin) kennen, der in der Box-Schule, für die er arbeitet, kein hohes Ansehen genießt, weil er kaum neue Mitglieder anwirbt. Leying verliebt sich in den Trainer und schreibt sich tatsächlich in einen Boxkurs ein. Das Leben meint es aber weiterhin nicht gut mit ihr und schon bald wird sie erneut betrogen. Die Frau ist kurz davor alles hinzuwerfen, beschließt dann aber eine radikale Änderung in ihrem Leben vorzunehmen und nimmt das Boxen ernst ...

Filmroll Yolo - Film Screenshot 2 Yolo - Film Screenshot 3 Filmroll
Yolo - Film Screenshot 4

Kritik: Ursprünglich hatte ich "Yolo" auf meiner Liste, weil ein Boxdrama mit einer weiblichen Hauptdarstellerin immer interessant ist, zumal der Film auch mehr in Richtung Comedy geht. Dann habe ich herausgefunden, dass es sich um ein Remake bzw. eine Neuinterpretation von "100 Yen Love" handelt, ein Film, der sein Herz am absolut rechten Fleck hat und sehr empfehlenswert ist. Irgendwie ist der Film aber wieder von meinem Radar verschwunden und erst dank sozialer Medien wieder darauf aufgetaucht. Dort stand die ungeheure Wandlung der Protagonistin und Regisseurin Jia Ling im Vordergrund. Diese hat speziell in China zu einer Kontroverse geführt, auf die ich noch näher eingehen werde. Letzten Endes stellt sich aber die Frage, wie denn nun der Film ist. Und da lässt sich klar sagen, dass auch "Yolo" mit seiner Botschaft punkten kann und sich Zeit nimmt, der Prämisse ein ordentliches Fundament zu verleihen. Das Remake ist zudem einem breiteren Publikum zugänglicher als das Original, selbst wenn man nicht behaupten kann, dass es dadurch besser ist. Wahrscheinlich, gerade weil der Unterhaltungsfaktor so viele wie möglich mit ins Boot holen möchte.

Yolo - Film Screenshot 5

Wir haben unsere klassische "Verliererin" im Fokus der Geschichte, oder schlicht jemanden, der nicht bereit oder in der Lage ist, nach den Regeln und unter dem Druck der modernen Gesellschaft zu schuften, ohne dabei sein eigenes Leben führen zu dürfen - eine alternative Lebensführung, die sich in China unter Jugendlichen immer weiter verbreitet. Leyings Problem ist nur, dass ihre Entscheidung, zuhause in den Tag hineinzuleben, sie mindestens genauso unglücklich macht. Später erfahren wir auch genauer, warum sie diesen Lebensweg gewählt hat. Sie ist ein schüchterner und sehr netter Mensch, hilft immer wieder anderen, nur um ausgenutzt oder hintergangen zu werden. Die Umstände haben sie also in ihre prekäre Situation gebracht. Darstellerin Jia Ling war schon zuvor nicht als dünn zu bezeichnen und hat für ihren Film sogar extra noch 20 kg zugenommen, da sie die mentale Reise mit dem Charakter unternehmen wollte. Einer der Kritikpunkte innerhalb der oben angerissenen Kontroverse war, dass die im Film gezeigte Gewichtsabnahme der Botschaft des Films, sich selbst lieben zu lernen, entgegensteht. Dem muss ich aber widersprechen, denn in "Yolo" geht es vor allem darum, sich ein Ziel zu setzen und dieses knallhart zu verfolgen, weil man nur so am Ende als Gewinner dastehen kann. Das Medium Film lebt von seiner Visualität. Was liegt also näher, als diese Reise durch eine körperliche Transformation zu veranschaulichen?

Yolo - Film Screenshot 6

Meine Kritik liegt da eher bei dem sehr plötzlichen Bruch in der Geschichte. Es braucht ungemein (oder zumindest unerwartet) lange, bis der Film an dem Punkt ankommt, auf den die meisten Zuschauer warten. Innerhalb seiner 130 Minuten kommt der Film erst in den letzten 45 Minuten dazu, uns Leying zu zeigen, wie sie alles daran setzt, ihr Leben zu ändern. Alles davor muss sich also unweigerlich wie eine unverhältnismäßig lange Einleitung anfühlen. Die Beziehung zu dem von Lei Jiayin ("A Writer's Odyssey") gespielten Coach mutet etwas unterentwickelt an, was mich allerdings weniger gestört hat, da sie fast schon Art-House-typische Züge hat. Das soll heißen, sie wirkt irgendwie ehrlich, unter geringer Hitze "gekocht" und somit ohne großes Drama. Auch Leyings Familie bekommt ein paar Charaktere spendiert, die das Bild von der "Verliererin" in der Familie abrunden. Ein wenig mehr Ausarbeitung der unterschiedlichen Personen wäre bei der langen Laufzeit des Films aber möglich gewesen. Gefallen kann dagegen der Humor, der seicht ausfällt, was mir persönlich wesentlich besser gefällt als die Slapstick-Schiene, welche die meisten chinesischen Komödien fahren. Im Großen und Ganzen durchzieht eine heitere und hoffnungsvolle Atmosphäre den Film, obwohl ernste und tragische Themen angesprochen werden.

Yolo - Film Screenshot 7

Das letzte Drittel dreht sich dann um Jia Lings Transformation. Die Darstellerin und gleichzeitige Regisseurin von "Yolo" hatte es sicherlich nicht nötig, auf diese Weise auf sich aufmerksam zu machen, da sie bereits mit "Hi, Mom" einen gigantischen Erfolg an den Kinokassen abliefern konnte. Dennoch hat sie sich an dieses Experiment gewagt, um auch auf mentaler Ebene den Wandel der Protagonistin miterleben zu können. Und gegen Ende - der Abspann gibt uns Einblick hinter die Kulissen und durchbricht zuvor ohnehin die vierte Wand - spürt man richtig den Befreiungsschlag und den Sieg, den Leying bzw. Jia Ling feiert. Die Grenze zwischen den beiden verschwimmt. Ich hätte mir aber gewünscht, dass der körperliche Wandel sich nicht nur auf eine immmerhin ausgedehnte "Rocky"-inspirierte Montage beschränkt, sondern mehr in den Film gewoben wäre. Doch selbstverständlich ist das aus logistischer Sicht kaum möglich gewesen. Der Film wurde letztlich mit einem Abstand von einem Jahr gedreht, in dem die Regisseurin/Schauspielerin 50 Kilo verloren hat und weitaus mehr an Fett, da sie sich in der Zeit beachtliche Muskeln antrainiert hat. Jia Ling zeigt hier Übungen im Gym, die die meisten Männer nicht mal hinbekommen. Ein unrealistisches Schönheitsideal, das hier laut Kritik der Medien propagiert wird? Völlig am Thema vorbei: Es geht um die Disziplin, sich und seine Wünsche zu verwirklichen und wenn das bedeutet, Boxerin zu werden und abzunehmen, dann hat Jia Ling Beachtliches geleistet, das schlichtweg den größten Respekt verdient.

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Yolo - Film Screenshot 10

Leider wird genau diese anstrengende Reise und das unweigerliche Ankommen am Ziel etwas zu ausgiebig zelebriert. Klar, der Zuschauer braucht Katharsis und es gibt ein paar schöne Ideen, wie z.B. als die trainierte Boxerin zum Ring marschiert, während sie im Spiegel neben sich ihr früheres Ich sieht, aber solche Szenen dehnen sich unnötig in die Länge. Um einiges nahegehender ist da die Reaktion von Leyings Schwester, als Leying einfach nicht aufgeben will. Jia Ling gibt als Schattenboxerin weiterhin eine gute Figur ab, aber die Kämpfe im Ring, die sehr realistisch und kaum choreographiert wirken, zeigen, dass sie Amateurin ist und in einem echten Kampf schnell die Kontrolle verliert. Wer sich jetzt ärgert, zu viel verraten bekommen zu haben, der sei beruhigt, dass man den Verlauf der Geschichte stets voraussehen kann - vom erwachsenen Ende vielleicht abgesehen -, es geht hier vielmehr um die Reise und die Bereitschaft, für sein Ziel Opfer zu bringen und sich durchzubeißen. "Yolo" manipuliert die Gefühle des Zuschauers um einiges direkter als das Original, wie sich auch in den Rückblenden gegen Ende zeigt. Deshalb kommt es nicht ganz an "100 Yen Love" heran. Es bietet aber genug Eigenheiten und eben eine beeindruckende körperliche Transformation, dass man den Film bedenkenlos empfehlen kann.

(Autor: Manfred Selzer)
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