

Story: Im Yeong-gyoo (Kwon Hae-hyo) ist blind, aber ein lebendes Kulturgut Koreas, da er wunderschöne Namenstempel herstellen kann. Sein Sohn Dong-hwan (Park Jeong-min) wird eines Tages seinen Laden übernehmen und kümmert sich um die Werbung. Momentan wird Yeong-gyoo von der Journalistin Su-jin (Han Ji-hyun) interviewt, die aus der Geschichte und den Widrigkeiten, die der Mann erlebt hat, eine mitnehmende Reportage stricken will. Doch als Dong-hwan einen Anruf bekommt, in dem ihm mitgeteilt wird, dass die Leiche seiner Mutter gefunden wurde, wittert die Journalistin eine weitaus spannendere Story. Dong-hwan kennt seine Mutter nämlich gar nicht, da sie kurz nach seiner Geburt von zuhause davongerannt ist. Nun stellt sich heraus, dass sie vor 40 Jahren gestorben ist. Die Journalistin findet alte Arbeitskollegen von Yeong-hee (Shin Hyun-been), Dong-hwans Mutter, und diese erzählen, dass die Frau keine Feinde hatte, aber ungemein hässlich aussah. Schließlich rutscht einem der früheren Kollegen heraus, dass es einen Zwischenfall mit dem Chef der Firma gab. Weiter ins Detail wollen sie aber nicht gehen. Su-jin findet jedoch die Adresse einer weiteren Kollegin heraus, die in die Angelegenheit damals verwickelt war. Diese berichtet, dass sie vom Chef vergewaltigt worden war und Yeong-hee ihr helfen wollte, indem sie den Chef damit konfrontierte. Könnte der damalige Chef also Yeong-hee getötet haben?

Kritik: "The Ugly" ist einer jener Filme, die ihr Herz am rechten Fleck haben und eigentlich eine interessante Geschichte erzählen wollen. Bei der Umsetzung der Geschichte wandelt der Film aber leider viel zu sehr an der Oberfläche. Dabei gibt es hier genug Aspekte, die einer weiteren Erörterung bedürften. So ist der Titel des Films "The Ugly" bzw. im Original "Gesicht": Ist damit die Hässlichkeit unserer Gesellschaft gemeint bzw. das Gesicht, das wir im Alltag zeigen, um gut dazustehen? Das wird schon viel früher als erwartet beantwortet, jedoch geht der Regisseur damit so um, als würde er es nur andeuten und am Schluss spektakulär auflösen. Im Endeffekt hat damit auch das Finale und die "Auflösung" nicht die erwartete große Wirkung auf den Zuschauer. Gelungen ist auf der anderen Seite aber die Amosphäre des Streifens, die oft genug an einen Thriller einnert. Und so bleiben wir auch mit Interesse am Ball, wenn es darum geht, die genauen Hintergründe um den Tod der Mutter aufzuklären.

Es ist schwierig, einen genauen Eindruck von der Gefühlswelt des Vaters zu bekommen. Das ist vielleicht auch nur verständlich, da seine Frau ihn vor vierzig Jahren verlassen hat, er seinen Sohn alleine großziehen musste und seine Gefühle zu seiner Frau nur ambivalent sein können. Als aber klar wird, dass sie unter Umständen gar nicht davongelaufen ist, sondern Opfer eines Mordes wurde, erwartet man doch ein wenig mehr Reaktion von ihm. Der Sohn wiederum hat natürlich keinen emotionalen Bezug zu seiner Mutter, kümmert sich aber um die Beerdigung und wird dann mit der Familie seiner Mutter konfrontiert, die er zum ersten Mal im Leben sieht. Warum sind diese plötzlich gekommen? Um sich zu versichern, dass Dong-hwan nichts von dem Geld will, dass seine Großmutter hinterlassen hat. Ja, es wird schnell ein klares Bild kreiert, dass der Sohn kein wirkliches Glück mit seiner Familie hat. Auch wenn er uns nur sehr subtil an den Vorgängen in sich teilhaben lässt, können wir immerhin ein wenig Mitleid mit ihm haben, denn da ist auch noch die Journalistin, die sein zufällig während der Reportage zutage getretenes Familiendrama noch etwas ausschlachten will.

Sehr früh kommt Dong-hwan dahinter, warum Su-jin so erpicht darauf ist, ihm zu helfen: Sie wittert eine tolle Story, die weit über den Vater als lebendes Kulturgut hinausgeht. Über die Interviews erfahren wir selbstverständlich mehr über die Mutter und welches Leben sie geführt hat. Der Erzählstil ist nicht besonders originell, aber der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist gut ausbalanciert und das Korea der Arbeiter in den 80ern ist ansprechend umgesetzt. Das Gesicht der Mutter bekommen wir allerdings nie zu sehen, da dies durch geschickte Kameraführung verborgen wird bzw. ihre Haare es verdecken. Letzten Endes schämt sie sich für ihr "monsterhaftes" Aussehen. Als Zuschauer ist es aber etwas schwierig zu glauben, dass sie schrecklich aussieht. Denn wir sehen immer mal wieder durch ihren Haarvorhang ihr unteres Gesicht oder eben auch mal den oberen Teil. Zwar nur angedeutet, aber ein Monster erkennt man da nicht. Ein Versäumnis des Regisseurs oder schon eine Art Vorausdeutung? Wie gesagt, funktioniert das, was der Regisseur sich durch dieses Vorgehen erhofft, nicht so gut, wie intendiert.

Die Journalistin ist recht unsympathisch, denn für sie scheint alles ein Spiel zu sein. Sie lässt auch auf sehr durchschaubare Art ihren Charme spielen, um von den Interviewten doch noch ein paar mehr Antworten zu bekommen. Irgendwie wirkt sie künstlich und wir erfahren nie, wie sie wirklich ist. Da passt es noch weniger, dass sie am Ende als eine der wenigen Charakteren mit Anstand und einem guten Herzen dargestellt wird. In einer der Hauptrollen sehen wir Park Jeong-min ("One Win"), der den Sohn etwas zu passiv spielt. Wir wissen nicht genau, wie wir zu ihm stehen sollen, aber das ist auch gar nicht so wichtig, wie man denkt, da der Film auch viel in der Vergangenheit unterwegs ist und dort Shin Hyun-been ("The Closet") als Mutter die meiste Arbeit verrichtet. Ich würde gerne sagen, dass sie eine herausragende Rolle spielt, aber dem ist eben nicht so. Die in die Länge gezogenen Worte aus ihrem Mund wirken manchmal, als hätte sie eine Behinderung, aber damit soll wohl einfach ihre Unsicherheit transportiert werden. Dann wiederum lässt sie sich nicht unterkriegen und kämpft für das Recht einer anderen Frau. Richtig zusammenpassen kann das nicht.

Bei genauerer Betrachtung erweist sich die Geschichte demnach als gar nicht so intelligent wie angedacht. Die Metapher, die hinter der "Hässlichkeit" steckt, ist sehr offensichtlich, die Charaktere selbst hätten einen besseren Anstrich verdient, um die Geschichte tragen zu können, und das Ende geht auch nicht so tief, wie es vom Regisseur geplant war. Dass man aber dennoch von den Ereignissen berührt werden kann, liegt an der sicheren Regie von Yeon Sang-ho. Die Atmosphäre, die er mit seinen Bildern aufbauen kann, rettet die meisten seiner Werke vor der Mittelmäßigkeit. Das hat er schon in Filmen wie "Revelations" oder Serien wie "Hellbound" bewiesen. Die düstere thriller-artige Atmosphäre, die durch die Nachforschungen der Journalistin und der Charaktere, welche allesamt etwas zu verbergen scheinen, noch dichter wird, ist ein eindeutiges Plus von "The Ugly". Für eine uneingeschränkte Empfehlung reicht das nicht, aber Liebhaber des Genres werden hier durchaus auf ihre Kosten kommen.
