

Story: Wu Xiaobao (Bao Bei'er) soll für einen Raubüberfall auf einen Geldtransporter einige Waffen herstellen. Er wird gegen seinen Willen in den Überfall einbezogen und als man nach erfolgreicher Tat im gemeinsamen Versteck sitzt und das gestohlene Geld aufgeteilt werden soll, hintergeht der Anführer der Gruppe seine Komplizen und fängt an, diese umzubringen. Nicht jedoch, ohne dass diese sich wehren würden. Die Polizei ist den Dieben ebenfalls auf den Fersen. Xiaobao schafft es, irgendwie lebend aus dem Gemetzel herauszukommen, ebenfalls Wu Shengli (Philip Ng), der allerdings von der Polizei gefasst wird. Detective Jiang (Wu Yue) glaubt, dass es in dem Fall noch eine sechste Person gibt, aber Wu hält dicht.
Acht Jahre später kommt Wu nach guter Führung aus dem Gefängnis. Dank des technlogischen Fortschritts innerhalb der DNA-Analyse weiß Jiang mittlerweile, dass er recht hatte und es tatsächlich noch einen weiteren Räuber gab. Der Detective erhofft sich, von Wu zu diesem geführt zu werden. Xiaobao hat derweil einen kleinen DVD-Laden eröffnet, nicht zuletzt mithilfe seiner Freundin, die bald seine Frau werden soll. Dafür muss er aber erstmal dessen Vater für sich gewinnen. Bei diesem handelt es sich ausgerechnet um den Securiy Angestellten Lao Zhao (Yuen Biao), der bei dem Überfall vor acht Jahren von der Gruppe um Xiaobao verletzt wurde. Zu allem Überfluss taucht dann noch Wu bei ihm auf und möchte von ihm Waffen für einen neuen Überfall bekommen. Xiaobao scheint seinem alten Leben nicht entkommen zu können ...

Kritik: Man kommt heutzutage um Streamingdienste wie iQIYI nicht mehr herum, wenn man Old School Hong Kong Action der vergangenen Tage im neuen Gewand sehen will. "The Sixth Robber" ist ein Film, der daher all jene ansprechen wird, die die tolle Energie dieser Actionstreifen vermissen. Ganz klar bedeutet das aber auch, dass wir einen gewissen B-Movie-Charme erwarten müssen, und man darf auch nicht vergessen, dass es kein Hong Kong Kino mehr gibt und die chinesische Zensurbehörde keine Antihelden in der gleichen Form wie früher erlaubt. Das macht alles etwas vorhersehbar, aber die Geschichte und die Entwicklungen sind ohnehin nicht die Stärke dieses Films. Regisseur Huo Suiqiang macht eigentlich genau das, was ihm schon in "Blind War" Lob eingebracht hat: Knallharte Action, die durch schöne Sets und gute Ideen punktet. Damit wird keine Kino- oder Streamingdienstgeschichte geschrieben, aber es kann einfach eine Menge Spaß machen, lässt man sich darauf ein.

Ein großes Problem des Streifens sind aber die Charaktere. Gleich zu Beginn wird uns nach dem eigentlichen Raubüberfall eine ziemlich beeindruckende Actionsequenz mit Andy On im größeren Cameo präsentiert, in der wir uns erstmal orientieren müssen, wer der eigentliche Held der Geschichte sein soll. Gut, so wirklich schwierig ist das nicht, denn Xiaobao ist ein körperlich allen anderen unterlegener Kerl, der in die ganze Sache irgendwie hineingezogen wurde und nur noch lebt, weil der Gott des Glücks seine schützende Hand über ihn hält. Ja, das wird nicht nur spaßeshalber angesprochen, sondern es gibt ein paar Szenen, die wären ohne diesen kleinen Hinweis so unglaubwürdig gewesen, dass man dem Film vielleicht keine echte Chance gegeben hätte. Nach der Einleitung, in der Xiaobao in Notwehr schon zum Mörder wird, gibt es einen Zeitsprung von acht Jahren und wir sehen, dass der ehemalige Gangster ein ehrliches Leben führt. Er wird dabei betrogen, sodass sein DVD-Laden kurz vor dem Ruin steht, aber er hat eine tolle Frau - niemals wird klar, was sie in ihm sieht - und die ist auch noch schwanger. Da "The Sixth Robber" sich aber an HK-Streifen der alten Tage orientiert, erwartet uns natürlich noch der eine oder andere Schicksalsschlag.

Hier kommen die Charaktere ins Spiel. Denn als Anker soll uns Xiaobei dienen, der schließlich - keine große Überraschung - wieder ins Gangsterleben gerissen wird. Anstatt dass die Geschichte dies als stetige Wandlung umsetzt, passiert dies sehr plötzlich, und immer wenn wir glauben, dass der irgendwie harmlos und leicht minderbemittelt wirkende Mann eigentlich nur aus dem Zwang der Notwendigkeit heraus handelt, gibt es eine Szene, die es für den Zuschauer unmöglich macht, sich auf seine Seite zu schlagen. Würde es sich hier um die klassische Geschichte eines Killers handeln, der seinem alten Leben entsagt hat und nun gezwungen wird, wieder zu den Waffen zu greifen, hätte man eventuell verstehen können, dass er sehr abrupt komplett neue bzw. in dem Fall alte Verhaltensweisen an den Tag legt. Nichts in seinem früheren Leben hat aber darauf hingedeutet, wie rücksichtslos er sein kann. Auf Charakterebene kann der Film daher sicherlich nicht punkten. Auch Wu Yue ("Ip Man 4") in der Rolle des Detectives stellt keine Alternative dar, die uns emotional abholen könnte.

Die Polizeiarbeit ist ohnehin eigenartig geschrieben. Der leitende Detective sieht aus dem Augenwinkel Hinweise und stellt aus dem Nichts Verknüpfungen an, dass es schon übersinnlich wirkt. Als hätte er alle Informationen, die auch der Zuschauer hat. Darüber hinaus gibt es noch ein paar Sticheleien unter den Kollegen und zwischen Chef und Untergebenen, wohl mit dem erklärten Ziel, noch ein wenig Humor einzustreuen, doch nichts davon zündet. Man bekommt den Eindruck, dass der chinesische Streamingdienst nicht viel anders arbeitet als der hiesige: jeder im Publikum muss an Bord geholt werden. Besonders wichtig ist, dass zu jeder Zeit etwas passiert. Das muss hier aber nichts Negatives sein, denn der konstant hohe Adrenalinspiegel passt und auch B-Movies von damals sprangen von einer Actionszene zur nächsten. Ferner kann sich die Action wirklich sehen lassen. Der Grund dafür ist nicht nur, dass mit Yuen Biao ("Eastern Condors") einer der "Three Dragons" (die anderen beiden sind natürlich Jackie Chan und Sammo Hung) einen größeren Cameo hat und es daher ordentliches Kung Fu gibt, nein, die Art, wie die Action integriert wird, ist herausragend.

Ein Beispiel für den Ideenreichtum ist die Actionsequenz in einem Doppeldeckerbus, dessen Bremsen nicht funktonieren, weshalb die Polizei Vorkehrungen trifft, um ihn abzubremsen, gleichzeitig aber die Insassen während der Fahrt retten will, während Detective und Bösewicht - Deep Ng darf erneut nicht fehlen - auf Leben und Tod kämpfen. Bei all den schönen und vor allem überraschend brutalen Actionszenen wirkt das eigentliche Finale etwas antiklimaktisch. Vor allem kann das Drama, das bei dem Versuch, den Protagonisten als tragische Persönlichkeit herauszuarbeiten, kläglich scheitern muss, nur enttäuschen. Das überaus "chinesische" Ende der Geschichte gewinnt ebenfalls keine Preise. Es sollte also bereits seit den ersten Zeilen dieser Kritik klar sein, dass "The Sixth Robber" für ganz bestimmte Filmliebhaber gedacht ist und Action-Fans ohne große Story-Ansprüche hervorragend unterhalten wird, dass der Film leider aber auch in die Kategorie "guilty pleasure" fällt.
