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Summer's Camera - Filmposter
Original Title:
Yeo-reum-eui ka-me-ra

South Korea 2025

Genre:
Drama, Romance

Director:
Divine Sung

Cast:
Kim Si-a
Yu Ga-eun
Kwak Min-gyu
Lee Eun-sol
Bae Yeong-ran
Choi Ji-hoon
Nam Myung-ryul
Song Jeong-hoon
Lee Soo-mi
Kim Seon-woo


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Summer's Camera

Summer's Camera - Film Screenshot 1

Story: Yeo-reum (Kim Si-a) hat vor einem Jahr ihren Vater verloren und verarbeitet den Schicksalsschlag immer noch. Ihr Vater hat im Leben nichts lieber gemacht, als zu fotografieren, und er hat seiner Tochter ebenfalls beigebracht, mit analogen Kameras Bilder zu schießen. Seit dem Tod ihres Vaters hat Yeo-reum jedoch damit aufgehört. Nun versucht sie, wieder damit anzufangen, und hat die Kamera ihres Vaters immer dabei, in dem immer noch ein Film liegt, den ihr Vater noch während seiner Schulzeit eingelegt hat. Vier Bilder können noch gemacht werden und eines Tages taucht vor Yeo-reum wie aus dem Nichts ihr perfektes Motiv auf: Yeon-woo (Yu Ga-eun). Das Mädchen ist in der Fußballmannschaft der Schule und Yeo-reum hat sofort Interesse an ihr. Durch ihre Freundin Min-jeong (Lee Eun-sol) erfährt die Schülerin, dass Yeon-woo sich tatsächlich für Mädchen interessiert. Yeo-reum wird klar, dass ihre Gefühle romantischer Natur sind und auch die Fußballerin scheint Interesse an ihr zu haben. Als Yeo-reum dann den Film in der Kamera entwickeln lässt, sieht sie ein paar alte Bilder ihres Vaters und auf einem ist auch ein Junge zu sehen. Das Mädchen findet das eigenartig, da ihr Vater nie Personen aufgenommen hat. Auch wenn zwanzig Jahre vergangen sind, kann Yeo-reum den Mann ausfindig machen, da auf einem der Fotos ein Namensschild zu sehen ist: Ma-roo (Kwak Min-gyu). Ma-roo führt jetzt einen Friseurladen und als das Mädchen ihm vom Tod ihres Vaters erzählt, ist dieser am Boden zerstört. Yeo-reum muss sich fragen, welche Beziehung dieser Mann zu ihrem Vater gehabt hatte ...

Filmroll Summer's Camera - Film Screenshot 2 Summer's Camera - Film Screenshot 3 Filmroll
Summer's Camera - Film Screenshot 4

Kritik: Nachdem ich in letzter Zeit einige Blockbuster gesichtet hatte, wurde es wieder Zeit, den kleineren Filmen eine Plattform zu geben. "Summer's Camera" ist solch ein Film, der wegen seiner Präsenz auf etlichen Filmfestivals aber auch einiges an Werbung bekommen hat. Und man kann auch gleich sehen, warum. Zunächst seien erstmal die Bedenken genannt, die ich hatte. In Korea ist Homosexualität verglichen mit der Perspektive der westlichen Welt immer noch ein Tabuthema. Dementsprechend hatte ich befürchtet, die Art, wie das Thema betrachtet wird, könnte etwas aus der Zeit gefallen wirken - Familie und Freunde, die aufgrund der sexuellen Orientierung ausgrenzen, ein schwerfälliges Drama, das den sozialen Druck beleuchtet usw. Zu meiner großen Überraschung ist der Film aber äußerst positiv gestimmt und geht mit dem Thema sehr natürlich und lebensbejahend um. Dafür schon einmal ein Daumen nach oben. Weiterhin hilft es, dass aus der Perspektive einer Teenagerin die Geschichte erzählt wird. Alles wirkt rein und unverdorben, Yeo-reum findet schlicht heraus, wer sie eigentlich ist und das schränkt sie eben nicht nur auf ihre sexuelle Orientierung ein, etwas, das bei der ganzen Regenbogen-Thematik leider nur allzu oft der Fall ist. "Summer's Camera" hat mich damit also bereits für sich gewinnen können.

Summer's Camera - Film Screenshot 5

Leider muss ich aber auch etwas kritischere Töne anschlagen, denn auch wenn es sich hier klar um ein Drama handelt, in dem ein kleiner Ausschnitt aus einem Leben betrachtet wird und das Erwachsenwerden eines Mädchens, die ihren Vater verloren hat und langsam entdeckt, wer sie ist, im Vordergrund steht, bleibt der Film hinter seinem Potenzial zurück. Ein Beispiel wäre die titelgebende Kamera. Es mag sein, dass damit auch Yeo-reum selbst gemeint ist (ihr Name bedeutet übrigens "Sommer"), schließlich hört sie immer wieder das Knippsen einer Kamera in ihrem Kopf, wenn sie etwas Schönes sieht, das etwas in ihr auslöst - wie eben die Fußballerin -, aber Fotos spielen auch eine wichtige Rollen in dem Film. Diese wirken oft außer Fokus geraten, zumindest bei denen des Vaters, um etwas Kunstvolles zu imitieren, aber als Vehikel der Geschichte wirken sie zu zaghaft eingesetzt. Es ist eigenartig schön, das glänzende Papier von Fotoabzügen zu sehen, das Haptische gibt dem Medium nochmal eine besondere Note, doch das allein ist nicht genug.

Summer's Camera - Film Screenshot 6

Die Idee an sich ist faszinierend. Yeo-reum entdeckt ihre Sexualität, was wie bereits erwähnt von allen um sie herum entspannt aufgenommen wird. Selbst die Beziehung ihres Vaters zu einem anderen Mann, die sehr schnell zutage tritt, wird ganz unaufgeregt, beinahe schon antiklimaktisch präsentiert. Hier spiegelt sich Yeo-reums Leben in dem ihres Vaters wider und sie findet Trost und Verständnis bei Ma-roo. Der Friseursalon wird zu ihrem geheimen Rückzugsort, an dem sie verstanden wird. Von ihrer Mutter erfahren wir nicht viel, sie taucht ein paar Mal kurz auf und es ist offensichtlich, dass sie ihren Schmerz über den Verlust des Ehemannes noch verarbeiten muss. Die Tochter ist auch erwachsen genug, um Verständnis dafür zu haben, was aber eben nicht bedeutet, dass sie alleine zurechtkommt. Sie sucht aber ihren Weg, die Widrigkeiten des Lebens zu bewältigen. Speziell im Umgang mit der Vergangenheit, den kurzen Flashbacks, in denen man den Vater immer nur von hinten sieht, als könne Yeo-reum noch nicht die Kraft aufbringen, sich an sein Gesicht zu erinnern, gibt es ein paar kritische Worte zu verlieren.

Summer's Camera - Film Screenshot 7

Es ist nicht so, dass man über Fotocollagen oder irgendetwas Billiges hätte arbeiten müssen, um die Rückblenden etwas interessanter zu gestalten, und "Summer's Camera" ist auch kein Drama, dem große Enthüllungen oder Stil über Substanz gut gestanden hätte, aber es bleibt der Eindruck, dass man nur an der Oberfläche gekratzt hat. Natürlich ist das auch der Laufzeit von gerade mal etwas über 80 Minuten geschuldet. Allerdings darf man auch dankbar sein, dass der Film sich nicht unnötig in die Länge zieht, was bei langsam erzählten Dramen allzu häufig modus operandi ist. Zum Friseur hätte man sich jedenfalls weitaus mehr Hintergrund gewünscht, auch wenn verständlich ist, dass Regisseurin Divine Sung in ihrem Debüt nicht gleich alles mit komplexen Charakteren überladen wollte und sich stattdessen auf Yeo-reum konzentriert. Die Nebencharaktere, auch die Fußballerin, sind aber dankenswerterweise interessant genug, dass man gerne mehr über sie gewusst hätte. Es reicht aber letztlich, dass die Entwicklungen glaubwürdig bleiben, gerade in der Beziehung zwischen den beiden Mädchen, die - zum Teil gewollt - von verlegenen Momenten durchzogen ist, welche aus just jenem Grund nur allzu real wirken.

Filmroll Summer's Camera - Film Screenshot 8 Summer's Camera - Film Screenshot 9 Filmroll

Summer's Camera - Film Screenshot 10

Kim Sin-ah ("Kill Bok-Soon") gibt als Protagonistin eine hervorragende Darstellung ab. Sie wirkt zwar zuweilen zurückhaltend und passiv, aber nicht auf die typische Indie-Drama-Art. Sie steckt voller Leben, Neugier und Tatendrang, was man zunächst gar nicht vermuten mag. Damit kann die Geschichte weitaus nähergehen, als man annehmen würde. Im Kern geht es hier schließlich nur um einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Leben und auf melodramatische Szenen wird verzichtet. Visuell bekommt man auch gar nicht den Eindruck, ein Indiedrama vor sich zu haben, aber das ist heute auch nur noch selten der Fall. Etwas negativ fällt die Wahl von Songs bzw. der Soundtrack auf, da dieser zu heiter ausfällt. "Summer's Camera" ist eindeutig ein lebensbejahendes Drama, das erstaunlich unaufgeregt Sexualität und Verlust behandelt und gerade damit in einer Zeit, in der alles belehrend und mit dem Vorschlaghammer erzählt wird, positiv punkten kann. Genau aus jenem Grund bin ich auch gewillt, bei meiner Bewertung etwas freundlicher zu sein, auch wenn man im Hinterkopf behalten muss, dass es sich bei diesem Film im Kern um ein Indie-Drama handelt und er damit nicht jedem zu empfehlen ist.

(Autor: Manfred Selzer)
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