

Story: Lhan ist noch ein kleines Mädchen, als einige Killer angeführt von Phruek (Toni Rakkaen) in ihr Dorf kommen, ihre Eltern töten und sie mitnehmen wollen. Sie hat nämlich einen überaus seltenen Bluttyp, der von einem todkranken Milliardär gebraucht wird. Doch bevor das Mädchen gekidnappt wird, tauchen Po (Chai Chartayodom Hiranyasthiti) und seine Männer auf, die das Mädchen retten. Lhan wächst bei den Männern auf, die eigentlich Assassinen sind. Über die Jahre freundet sich Lhan (Baifern Pimchanok Luevisadpaibul) mit Phran (Tor Thanapob Leeratanakachorn), dem Sohn ihres Retters, und M (Porsche Sivakorn Adulsuttikul) an, der ebenfalls ein Waisenkind ist und zum Auftragsmörder ausgebildet wird. Lhan darf das Hauptquartier der Assassinen nicht verlassen, weil Phruek immer noch nach ihr sucht. Lhan weiß davon und ihrem seltenen Blut aber nichts. Sie träumt lediglich davon, Rache an dem Mörder ihrer Eltern zu nehmen. Eines Tages, als die Assassinen wegen eines Auftrags außer Haus sind, führt Pran das Mädchen, in das er verliebt ist, heimlich aus. Lhan ist begeistert und die beiden verbringen eine schöne Zeit. Allerdings realisieren sie nicht, dass Phruek das Mädchen auf der Straße wegen einer Narbe wiedererkennt. Er heuert einige Killer an, um mit diesen gemeinsam das Hauptquartier der Assassinen zu stürmen ...

Kritik: "My Dearest Assassin" ist einer jener Filme, bei denen es wichtig ist, mit welchen Erwartungen man herangeht. Ich habe einen harten Actionstreifen erwartet, während andere, vermutlich auch dank des Titels, eher einem Romantikdrama entgegensehen könnten. Vermutlich hat auch Netflix einige Probleme bei der Vermarktung gehabt, denn in der Tat wird keiner aus den genannten Gruppen mit dem Resultat wirklich zufrieden sein können. Das ist auch der Grund, warum das Publikum so gespalten bei diesem Film ist. Ich versuche zunächst, neutral an diese Kritik heranzugehen, um zum Schluss noch mein eher persönliches Fazit hinzuzufügen. Das erste, was auffällt, sind die Hochglanzbilder, die den typischen Netflix-Look haben. Das bedeutet, dass einige der Szenen, die eher an einen B-Movie erinnern würden, nicht direkt als solche rüberkommen. Vielleicht ist das aber auch ein wenig unfair, da man dem Regisseur durchaus attestieren kann, dass er sein Handwerk versteht. Es ist auch nicht sein erstes Werk.

Vielleicht ist das Problem dann eher beim Drehbuch zu verorten? Schließlich dreht sich der Plot um ein Mädchen, das eine sehr seltene Blutgruppe hat und deshalb von einem Milliardär gebraucht wird. Vertreten wird dieser von einer Frau, die im Hintergrund alles regelt und dafür ganz international mit schlechtem Englisch Aufträge verteilt. Auch im weiteren Verlauf passiert nichts, was wirklich mehr liefert als der klassische B-Action-Movie. Dabei versucht das Drehbuch tatsächlich, den Charakteren und ihren Gefühlen mehr Raum zu geben. Hätte hier also der Fokus gelegen, hätte man den Rest verzeihen können. Aber gerade bei den Persönlichkeiten der Geschichte zeigen sich die größten Schwächen. Baifern Pimchanok Luevisadpaibul spielt Lhan und man sieht sofort, dass sie eine gute Schauspielerin ist. Das reicht aber nicht, dass wir uns für das Mädchen interessieren könnten. Es gibt ein angedeutetes Liebesdreieck, welches nicht richtig verfolgt wird, dann ist da die eigentliche Romanze, die äußerst flach umgesetzt ist, doch am frustrierendsten ist, dass Lhan keinen richtigen Charakter hat. Wir wissen eigentlich gar nichts über sie.

Pran ist das Liebesinteresse unserer Heldin. Trotz einiger bedeutungsschwangerer Dialoge haben wir mit ihm leider das gleiche Problem. M wiederum ist am Anfang von Bedeutung, gibt uns die Hoffnung auf ein Dreiergespann, das Buddy-Charme versprüht, verschwindet aber schnell in der Versenkung, um erst am Schluss wieder hervorgekramt zu werden. Dabei ist er der eigentliche Actionstar und hat auch einige der besten Szenen, wenn es um harte waffenlose Auseinandersetzungen geht. Beim Finale - und genau genommen findet dieses nach dem eigentlichen Showdown statt; man fragt sich davor sogar, was denn noch 25 Minuten passieren soll - tritt die Freundschaft zwischen den drei wieder nach vorne und das Gefühl von Hilflosigkeit, das transportiert wird, ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten, ist ein erstaunlich origineller Kniff des Drehbuchs. Das unweigerliche Drama, das auch mit der Liebesgeschichte einhergeht, will aber nicht überzeugen, weil zwar viel Zeit mit den Beziehungen verbracht wird, diese aber nirgendwo hinführen und die Charaktere zu flach bleiben, als dass wir mit ihnen fiebern könnten.

Kurz muss ich dann aber doch noch einmal auf die Schwächen des Drehbuchs eingehen. Denn es gibt unzählige Logikfehler. Warum sagt man Lhan nicht, warum sie nicht rausgehen darf? Und die paar Stunden, die sie sich dann trotzdem rausschleicht, wird sie ausgerechnet von dem einzigen Mann erkannt, der dazu in der Lage ist, und zwar nur anhand ihrer Narbe? Das ist selbst für einen Film dieser Art etwas zu viel des Guten. Eine Stärke ist, dass das Drama keinesfalls so künstlich wirkt, wie man es befürchten könnte. Um genau zu sein, ist es sogar ziemlich gut, was vor allem der Hauptdarstellerin zu verdanken ist. Umso tragischer ist es daher, dass die Romanze nicht zünden will. Gegen Ende gibt es selbstverständlich ein wenig künstlich kreiertes Drama, was der Struktur eines solchen Films geschuldet ist, aber enttäuschend ist, dass man genau da merkt, wie kalt uns die Beziehungen unter den Charakteren bzw. diese selbst lassen. Selbstverständlich spielt auch das Blut der Protagonistin noch eine Rolle. Es wird jedoch irgendwann lächerlich, dass bei jeder Verletzung gleich eine Blutspende nötig zu sein scheint ...

Verglichen mit dem letzten thailändischen Film, den ich auf Netflix gesehen habe, "Ziam", funktioniert das Drama aber gar nicht so übel und auch die Action ist um einiges besser. Das schließt nicht unbedingt die Schießereien ein, denn diese fallen zumeist recht unspektakulär aus. Da hilft es auch nicht, dass die Kamera immer wieder "direkt am Geschehen" ist und unseren Helden (natürlich wackelnd) folgt. Wenn es zum waffenlosen Kampf kommt, gibt es aber ein paar angenehme Überraschungen. Selbst Lhan darf ein paar interessante Dinge zeigen, auch wenn man in dieser Hinsicht keine Actionheldin bekommt, wie es aus Thailand noch damals in beispielsweise "Chocolate" zu erwarten war. "My Dearest Assassin" kann überdies recht brutal sein. Während das Blut bei den Schießereien traurigerweise computergeneriert ist, wird bei den Messerkämpfen meist mit Kunstblut gearbeitet. Damit werden die Prügeleien Actionfans durchaus zufriedenstellen können. Für mich haben die verschiedenen Teile des Films aber einfach nicht zusammengepasst. Ich habe die Seele vermisst. Eine persönliche Empfehlung kann ich daher nicht aussprechen, aber in Anbetracht einiger guter Action und vor allem des gut geschauspielerten Dramas, will ich bei der Wertung etwas Gnade walten lassen.
