

Story: Ein junger Mann (Kazunari Ninomiya) ist auf dem Weg zu seinem Nebenjob und steht in der Bahn. Wie alle anderen schaut auch er nur auf sein Handy. Selbst als das Baby einer Mutter weint und sie deshalb von einem der Fahrgäste angeschrien wird, kümmert er sich genauso wenig wie die anderen darum. Zudem ruft noch seine Ex-Freundin an, die er wegdrückt. Als er aus der Bahn steigt, ruft sie erneut an. Sie teilt ihm mit, dass sie im Krankenhaus ist und herausgefunden hat, dass sie schwanger ist. Nun möchte sie wissen, was ihr Ex-Freund denkt. Dieser hat Probleme sich zu entscheiden, will jedoch ins Krankenhaus kommen. Gerade als seine Ex-Freundin ihm sagen will, was sie denkt, bricht das Telefonat ab. Der junge Mann ist im Untergrund unterwegs zum Ausgang, allerdings scheint er sich verlaufen zu haben. Schließlich realisiert er, dass sich der Gang in einer Endlosschleife wiederholt und immer wieder der gleiche Mann (Yamato Kochi) an ihm vorbeiläuft. Als er ihn anspricht reagiert dieser überdies nicht. Ein anderes Mal grinst er ihn nur wie ein Wahnsinniger an. Letzten Endes fällt dem jungen Mann eine Infotafel an der Wand auf. Man soll geradeaus weitergehen, sofern alles normal ist, bei einer Anomalie soll man jedoch umkehren. Nachdem sich der junge Mann die Dinge in dem Gang gemerkt hat, kommt er tatsächlich auch langsam voran. Er startet bei Ausgang 0 und sieht nach und nach ein Schild mit aufsteigender Ausgangsnummer. Die Anomalien sind jedoch ziemlich gefährlich und dann taucht auch noch ein Junge auf ...

Kritik: Zunächst muss ich vorausschicken, dass ich das Spiel des Entwicklers Kotake Create nicht gespielt habe. Grund dafür, dass ich nicht einmal von der Existenz dieses Spiels wusste, ist wohl, dass es sich um einen Walking Simulator handelt und die Kritiken eher mittelmäßig ausfielen, wobei vor allem die kurze Spielzeit ein Problem darzustellen scheint. Die Grundidee basiert auf dem Spiel, das jedes Grundschulkind schon gespielt hat: Man muss die Unterschiede in zwei Bildern finden. Ein nicht zu verachtendes Problem aus dem Computerspiel findet sich auch in der Filmadaption wieder. So scheint es sich zwar um einen Horrorfilm zu handeln, echter Grusel stellt sich aber nur selten ein. Dabei gibt es sogar ein paar Szenen, die in dieser Hinsicht den richtigen Ton treffen können, sodass man sich gerne mehr davon gewünscht hätte. "Exit 8" eher ein psychologischer Thriller und scheint sich hinsichtlich seiner Geschichte durchaus über seine eigene Identität im Klaren zu sein. Aus diesem Grund handelt es sich um ein Werk, bei dem das Medium Film vielleicht sogar die bessere Wahl für die zu erzählende Geschichte ist.

Zu absolut niemandes Überraschung muss man sich damit abfinden, dass es einige Wiederholungen gibt, schließlich befinden wir uns in einer Schleife, auch wenn es diesmal keine Zeitschleife wie in beispielsweise "River" ist, sondern eine, die mit der Lokalität zu tun hat. Und wer sich mit dem Untergrundsystem in Tokio auseinandergesetzt hat, wird auch schnell verstehen, warum dieses als Schauplatz gewählt wurde. Die erste halbe Stunde, die Einleitung einmal abgerechnet, bekommt man den Eindruck, dass das Tempo etwas zu schnell nachlässt und die Wiederholungen kaum noch Überraschungen bereithalten. Glücklicherweise wechselt der Film aber auch einmal die Perspektive und bringt einen Jungen ins Spiel, um unsere Aufmerksamkeit weiter zu fesseln. Irgendwie hätte ich mir aber trotzdem gewünscht, dass mit der Grundidee des Spiels noch etwas mehr getan wird. Vom Zuschauer wird kaum verlangt, dass er selbst aktiv wird, denn an den wenigen Stellen, an denen wir etwas erkennen, was unser Protagonist nicht sieht, ist dies so offensichtlich eingefangen, dass man sich kaum besonders aufmerksam oder intelligent vorkommen kann.

Der Protagonist der Geschichte erledigt das Übrige. Er ist nämlich so unfähig und unaufmerksam, dass man ihn vor dem Bildschirm am liebsten anschreien würde. Was bringt es ihm, wenn er auf ermüdende Weise immer wieder aufzählt, welche Gegenstände er sieht, um bei diesen auf irgendwelche Veränderungen zu achten, wenn er stets bei den gleichen Postern und Türen bleibt, die er sich zu Anfang gemerkt hat, obwohl es noch unzählige andere Dinge gibt, die Anomalien aufweisen könnten. Er kümmert sich nicht einmal darum, wenn er offensichtlich einen Fehler gemacht hat und bei Null anfangen muss. Kazunari Ninomiya ("Killing for the Prosecution") kann in seiner Rolle nicht wirklich sympathisch daherkommen, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass unser "Held" bereits zu Beginn panisch keucht - er hat Asthma, bis er es im Laufe des Films plötzlich nicht mehr hat -, alles fallenlässt oder sich hysterisch auf den Boden wirft und schreit. Klar, der namenlose Mann soll als unsicherer Verlierertyp dargestellt werden, aber das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Während der Einleitung soll beim Zuschauer sogleich Stress hervorgerufen werden, aber das wird auf eine etwas zu manipulative Art versucht, als z.B. die wichtigsten Worte der Ex-Freundin durch die schlechte Verbindung geschluckt werden.

Ebenfalls ziemlich nervend ist der kleine Junge, der anscheinend unfähig ist, zu reden und kein Wort herausbringt, selbst wenn er eine Anomalie sieht. Gleichzeitig muss man sich wohl aber auch über die Erwachsenen aufregen, die sich nicht darum kümmern, warum der Junge einfach stumm stehenbleibt. Noch etwas, was mich fast so sehr aufgeregt hat, wie der zwanzigste Tod bei einem Boss in einem Souls-like Game (wenn wir schon beim Thema Videospiele sind): Unser Held bleibt neugierig stehen und schaut, was denn passieren mag, als er schon ganz eindeutig etwas hört, was sonst nie zu hören war. Sobald man mitbekommt, dass es sich um eine Anomalie handelt, macht man doch sofort kehrt, könnte man meinen! Und bleibt nicht einfach stehen oder schaut gar in den Raum hinter einer offenstehenden Tür hinein. Ja, es ist andererseits verständlich, dass man auf diese Weise noch etwas Horror in den Film einarbeiten will bzw. zeigen möchte, wie gefährlich dieses "Spiel" sein kann. Aber das muss auch subtiler möglich sein. So hat man nämlich kaum ein Interesse daran, unseren Helden überleben zu sehen.

Immer wieder steuert unser Protagonist seine Schritte durch die gleichen Korridore und das augenscheinlich die meiste Zeit ohne einen Schnitt. Das stimmt wiederum nicht ganz, da man immer eine gute Vermutung hat, wo der Schnitt stattgefunden hat, aber es wird so geschickt gemacht, dass über einen großen Zeitraum trotzdem der Eindruck einer endlos langen Aufnahme entsteht. Wirklich gefallen kann die Geschichte, die letztlich unerwartet in den Fokus rückt, je weiter der Film in seinen 93 Minuten dem Ende entgegenschreitet. Es gibt auch einiges zu interpretieren, so z.B. auch, warum der Junge anfangs nichts sagt. Selbstverständlich wird auch die Frage in den Raum geworfen, ob es sich um das Fegefeuer handeln könnte oder ob der Protagonist erst etwas realisieren muss, bis er aus diesem Albtraum entkommen kann. Das Ende ist dann nochmal recht geschickt, da es zwei Ausgänge für den Helden auf der Waage bereithält und man lässt uns bis zur letzten Minute schwitzen, wofür sich der Mann entscheiden wird. Letzten Endes konnte mir "Exit 8" wegen seiner minimalen, aber dann doch gewichtigen Geschichte ziemlich gut gefallen und das mag bei den ganzen genannten Mängeln überraschen. Wer jedoch hauptsächlich Horror sucht, wird den Film sicherlich etwas kritischer bewerten.
