

Story: Kwon Se-jeong (Jun Ji-hyun) wird von ihrem Ex-Ehemann Han Gyoo-seong (Go Soo) auf die Vorstellung einer Biotech-Firma mitgenommen, wo sie einen neuen Job bekommen soll. Der CEO der Firma stellt vor, wie es in Zukunft möglich sein kann, dass sich Menschen untereinander ohne Worte verständigen können, ähnlich wie es Ameisen und bestimmte Pilzarten vermögen. Nach der Vorstellung wird der CEO von der Polizei darüber informiert, dass eine Terrordrohung von dem früheren Angestellten Seo Young-chul (Koo Hyo-hwan) eingegangen ist. Tatsächlich sucht Young-chul kurz darauf seinen ehemaligen Chef in dessen Büro auf und spritzt ihm eine rätselhafte Flüssigkeit. Anschließend hat der CEO alle Menschlichkeit verloren und steckt andere in dem Gebäude durch einen Biss mit dem Virus an. Sehr schnell sind fast alle in dem Gebäude mit dem Virus infiziert. Die Polizei hat das Gebäude abgeriegelt und neben ein paar Schülern, einem Polizisten, dem Sicherheitsmann Choi (Ji Chang-wook) und seiner Schwester (Kim Shin-rok) gibt es nur noch wenige weitere Überlebende. Se-jeong findet bald heraus, dass die Infizierten eine Art Schwarmintelligenz aufweisen. Jede neue Erfahrung, die jene Untoten bei der Jagd machen, teilen sie sogleich untereinander. Se-jeong ist im Bereich Biotechnik Professorin und hat daher ein paar mögliche Taktiken, wie sie den Infizierten entkommen können. Am wichtigsten ist es aber, Young-chul zu finden, da dieser das Gegenmittel für den Virus in sich trägt. Der Schwarm wird aber mit jeder Minute intelligenter ...

Kritik: Der Trailer zu "Colony" hat einige visuell beeindruckende Bilder abliefern können. Die Aussicht, Zombies mal abseits der bekannten Klischees, als eine Art Schwarm agieren zu sehen, hat auf jeden Fall Neugier wecken können. Ein wenig blieb bei mir aber die Befürchtung, dass der Trailer schon die besten Szenen vorweggenommen haben könnte und Regisseur Yeon Sang-ho nicht an die Erwartungen der Kritiker anzuknüpfen vermag. Leider hat sich das zumindest für mich bewahrheitet. Sieht man sich die meisten Zuschauermeinungen an, scheint mal wohl recht zufrieden mit dem Endprodukt zu sein, und es hängt tatsächlich stark von den Erwartungen ab, wie glücklich man nach dem Abspann ist. Aber genau genommen legt sich der Regisseur selbst einige Steine in den Weg. Als B-Movie mit beeindruckendem Budget - denn so fühlt sich der Film an - kann "Colony" durchaus gefallen. Aber da der Regisseur auch beabsichtigt, seiner Geschichte mehr Tiefe zu verleihen, muss sich sein Film auch daran messen, ob ihm dies gelingt. Und da ist ein klares Nein die Antwort.

Mit "Train to Busan" hat Yeon Sang-ho immer noch einen gewissen Kultstatus für sich beansprucht. Daher scheint man gerne darüber hinwegzusehen, dass er mit der mittelmäßigen Quasi-Fortsetzung "Peninsula" bereits enttäuscht hat. Dazu kommt die allgemeine Zombieermüdung, da fast jede Geschichte schon erzählt worden scheint. Yeon nimmt sich dementsprechend ein paar interessante Versatzstücke wie Pilze als Basis für den Zombievirus, große Scharen an Untoten, die sich auch gerne gegenseitig mal als Leiter missbrauchen, und Schwarmintelligenz - womit er "The Last of Us", "World War Z" und "Pluribus" auf wenig subtile Weise miteinander vermischt. Bereits zu Beginn hat man schon die Befürchtung, dass das kaum auf gewinnbringende Weise umgesetzt wird, denn zunächst haben wir den in Ungnade gefallenen Wissenschaftler, der mit einem Virus, welcher seine potentielle Gefahr selbstverständlich durch grell-grüne Farbe signalisieren muss, Rache an seinem ehemaligen Chef nimmt und in seinem Omnipotenz-Wahn die ganze Welt vernichten will.

Derweil werden uns ein paar Charaktere im Gebäude vorgestellt, in dem bald das Grauen seinen Anfang nimmt. Es gibt einige bekannte Gesichter unter der Besetzung, aber an vorderster Front steht natürlich Jun Ji-hyun ("Assassination"), die nach wieder mal einigen Jahren Leinwandabstinenz in der Hauptrolle zu sehen ist. Speziell bei ihr zeigt sich das Problem, das sich bei allen Charakteren allzu deutlich offenbart: Das Drehbuch hat keine Ahnung, was es mit den Individuen machen soll. Klar, Se-jeong ist Biotech-Expertin und kann die Überlebenden leiten, weil sie Ahnung von der Materie hat und schnell versteht, wie sie die Schwarmintelligenz täuschen kann. Das führt auch zu der einen oder anderen interessanten Szene. Davon abgesehen wissen wir über sie jedoch nicht viel als Mensch und was wir erfahren, das wird uns ganz direkt von ihrem Ex-Mann an den Kopf geworfen. Auch ihre Beziehung zu diesem ist fade und auch gar nicht von Belang, wie sich nach der Einleitung zeigt. Dazu gesellen sich unzählige weitere Personen, die beinahe genauso gut von jenen Pappaufstellern ersetzt werden könnten, die die Überlebenden nutzen, um die Zombies zu täuschen.

Vielleicht ansonsten noch erwähnenswert wäre da der Sicherheitsmann und seine im Rollstuhl sitzende Schwester. Aber auch aus denen wird nicht viel gemacht. Stattdessen gibt es jemanden, der aus Trauer und Wut zum neuen Gegenspieler wird. Die emotionale Wandlung hat aber keinerlei Vorarbeit bekommen, weshalb das äußerst plötzlich wirkt und nicht zu dem passt, was wir zuvor über den Charakter der Person erfahren haben. Dann gibt es ebenfalls eine Schülerin, die gemobbt wird, und eine weitere, die beinahe im Alleingang dafür verantwortlich ist, dass etliches schiefgeht und hin und wieder jemand in der Gruppe stirbt. Diese völlige (gewollte) Unfähigkeit sollte einfach direkt mit Ausschluss aus der Gruppe bzw. dem Tod bestraft werden. Solche Individuen als Mittel des Drehbuchs, um zum nächsten Unglück zu führen, sind schlicht frustrierend und zudem eine sehr billige Vorgehensweise. Die Schülerin ist eine Mobberin, nur am Jammern und es konfrontiert sie niemand damit, dass sie für einige Tode verantwortlich ist. Da wirkt der eigentliche Gegenspieler, porträtiert von Koo Kyo-hwan ("Escape"), fast schon wie ein netter Kerl. Um fair zu sein, handelt es sich aber auch bei dem Bösewicht um ein ganz billiges Abziehbild. Dabei hat er eigentlich sogar eine Agenda, die im Kern gar nicht so absurd ist.

Alle Kriege und Streitigkeiten basieren auf Misskommunikation. Die wäre aus der Welt geschafft, wäre die Menschheit mit einer Schwarmintelligenz ausgestattet. Hier will Regisseur und Drehbuchschreiber Yeon auf Storyebene punkten. Vince Gilligan hat aber schon in "Pluribus" gezeigt, welche philosphischen und existenziellen Aspekte in dem Thema stecken, und Yeon kratzt nicht einmal an der Oberfläche. Immerhin gibt ihm der Storyaspekt aber ein Werkzeug, die Zombies zu steuern, zumal der Bösewicht sogar durch deren Augen sehen kann. Gleichzeitig führt das zu Szenen, in denen man nur darüber staunen kann, wie unsagbar unterlegen ihm die anderen geistig sind, selbst unsere Heldin, die sich Professorin schimpft. Es tut sogar richtig weh, wie dämlich sich hier jeder verhält, aber vielleicht gehört das schlicht zum Genre. Das große Trostpflaster des Films sind natürlich die Zombies und das Ende dreht auch noch einmal ordentlich am Actionregler, wird aber ebenso (auf eigentlich schon angenehme Weise) absurd. In jenen Momenten kann man eindeutig seinen Spaß haben, auch wenn "Colony" weitaus weniger brutal ist, als man erwarten würde. Daran könnte das CGI-Blut schuld sein. Schön ist dagegen, dass die Sets zunehmend von weißem Schleim überzogen sind, welcher die fortschreitende Infektionskette veranschaulicht, und auch einige der ungewöhnlichen Verrenkungen von Körpern bieten etwas visuell Neues. Unter dem Strich bleiben aber ungemein flache Charaktere, eine B-Movie Geschichte und emotionale Distanziertheit. Insgesamt immer noch unterhaltsam, aber für mich persönlich eine der größten Enttäuschungen des Jahres.
