

Story: Byeon Hyeok-joon (Lee Jae-wook) ist dreißig Jahre alt und hat immer noch keinen richtigen Job. Dazu kommt noch, dass er eine große Summe Geld beim Handeln mit Aktien verloren hat; Geld, das er von seiner Mutter bekommen hat. Er sieht für sich keinen Ausweg mehr und will sich das Leben nehmen. Als er schon von einer Brücke gesprungen ist und sich im letzten Moment am Geländer festhält, entdeckt er einen Flyer. Die "Spider"-Agentur vergibt Aushilfsjobs, bei denen ein Vielfaches des normalen Gehalts gezahlt wird. Als Hyeok-joon dort ankommt, scheint ihm alles etwas eigenartig. Der Chef der Agentur (Lee Jae-wook) klärt ihn darüber auf, dass sein erster Job in einem 24-Stunden-Laden ist und er nichts über seinen Job erzählen darf, sonst würde eine hohe Strafgebühr fällig. Hyeok-joon willigt ein, denn er ist verzweifelt, doch was ihn in seinem ersten Job erwartet, geht über alles hinaus, was er sich jemals hätte vorstellen können. Der Horror, den er dort erlebt, lässt ihn nicht mal ansatzweise daran denken, noch einen weiteren Job anzunehmen. Als der Agenturchef ihm jedoch das Gehalt für den nächsten Job nennt, wird er schwach ... Hyeok-joons Schwester Yeon-joo (Go Min-si) ist dahintergekommen, dass ihr Bruder hohe Schulden hat, aber bittet ihn trotzdem darum, ihr etwas Geld zu geben, weil sie ein Jobinterview hat. Bald kommt aber auch sie in Kontakt mit der Spider-Agentur und nervlich scheint sie mit dem, was sie bei den Aushilfsjobs zu sehen bekommt, wesentlich besser als ihr Bruder zurechtzukommen.

Kritik: Hat sich da ernsthaft eine Serie auf Netflix verirrt, die sich ein bisschen mehr traut? Horror, Thriller, Drama und sogar Comedy, die in den Mixer gesteckt wurden? Es hat sicherlich nicht geschadet, dass der Streaming-Service zu Halloween oft alles mögliche zusammensucht, was thematisch ein wenig passt, aber "Dead-End Job" wirkt von Anfang an wie eine Serie, die etwas ausprobieren will und auch eine Vision hat. Und genau hier zeigt sich die größte Lüge zum Finale hin. Denn so sehr mir die Serie vor allem in den ersten Folgen gefallen hat, desto enttäuschter war ich zum Ende hin. Bei der Rahmenerzählung, welche die verschiedenen Episoden zusammenhalten sollte, zeigt sich nämlich, dass die Macher keineswegs eine Idee hatten, wohin sie genau die Reise von Hyeok-joon steuern wollen. Und da die Serie auch Augenmerk auf die Charaktere und ihre Vergangenheit legen will, muss ebenso bemäkelt werden, dass hier erstaunlich wenig Energie und Innovation in die Umsetzung geflossen ist. Vielmehr hat man das Gefühl, als hätte man auf den letzten Drücker alles noch irgendwie miteinander aufs Nötigste verbinden wollen. Einen runden Abschluss darf man daher nicht erwarten.

Trotz dieser sehr kritischen Worte will ich mich doch wieder den positiven Aspekten zuwenden - für's Erste. Denn die Liebe zum Detail lässt sich in vielen Bereichen erkennen. Da wäre der im Pixel-Look gehaltene Anspann, der schon einige Szenen aus der Serie vorausgreift, ohne dass man sich dessen gewahr ist, und sicherlich nicht zu erwarten gewesen wäre - in Zeiten, in denen man einfach auf "Überspringen" klicken kann, ist so ein Anspann ein toller Bonus. Zudem sind da das hervorragende Makeup und einige gute Effekte. Zugegeben, das CGI wirkt nicht immer auf höchstem Niveau, aber doch immerhin glaubwürdig, und die "Monster" sind ebenso einfallsreich. Gleich die erste Folge kann auch mit ein paar wirklich gruseligen Momenten aufwarten, der Pantomime und anschließende Clown sind sicherlich nichts für jene, die diese Berufe ohnehin schon gruselig finden, und darüber hinaus hat man bei der Folge mit der Milchauslieferung den Eindruck, als hätten die Macher sich vom Passierschein A38 aus dem Asterix-Comic und "Inception" mit seinem drehenden Flur inspirieren lassen. Alles in allem wirklich interessante Folgen, die Lust auf mehr machen. Aber gerade an diesem Punkt kommt langsam die Frage auf, wohin das alles führen soll. Schließlich hat man etliche Fragen in den Raum geworfen und hofft als Zuschauer, auf diese auch Antworten zu erhalten.

Ehrlich gesagt, erfahren wir gar nicht so viel über unseren Protagonisten, wie man meinen würde. Er trauert immer noch seinem Vater hinterher, hat unter seinen Schulden zu leiden und nimmt aus lauter Verzweiflung fragwürdige Jobs an. Es wird aber leider schnell klar, dass er eigentlich überhaupt nicht gut darin ist und immer wieder nur dank Glück gerade so zurechtkommt. Häufig steht er einfach nur hilflos rum, überlebt irgendwie und hat nicht mal seinen Job richtig erledigt - wird aber trotzdem bezahlt? Nicht alles ergibt hier Sinn und in dieser Hinsicht wird es später auch noch schlimmer. Lee Jae-wook ("Death's Game") ist in seiner Rolle aber recht gut und transportiert Verzweiflung und Verletzlichkeit in guter Dosis. Gerade als "Dead-End Job" nach drei Episoden etwas abfallen will, betritt die Schwester die Bühne. Sie bringt frischen Wind ins Spiel, da sie es um einiges mehr drauf hat als ihr Bruder. Ihre No-Bullshit-Einstellung lässt sie nicht mal einige der Gefahren und den Horror richtig wahrnehmen, aber selbst als sie ihn nicht mehr leugnen kann, geht sie souverän damit um. Go Min-si ("The Witch - Subversion") macht ihren Charakter zum heimlichen Star der Serie. Doch auch Lee Hee-jun ("Bogota: City of the Lost") überzeugt als rätselhafter Inhaber der Spider-Agentur. Ist er Freund oder Feind?

"Dead-End Job" hat ein recht flottes Tempo, das sich auch in den 35-40 Minuten Laufzeit pro Folge widerspiegelt. Wie bereits erwähnt, sind die einzelnen Jobs gut in Szene gesetzt und bieten auch einen gewissen schwarzen Humor, was besonders deshalb angenehm ist, weil zugleich auch echte Missstände in der Nebenjob-Kultur Koreas angesprochen werden. Der Spaßfaktor und auch der Grusel ist auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen, doch etwas mehr Substanz bzw. ein roter Faden muss natürlich trotzdem her. Und da versagt die Serie leider. Natürlich wird die Vergangenheit um den Vater wieder aufgegriffen, Hyeok-joon und seine Schwester treten auch zusammen in den Vordergrund und wir haben immer noch die Fragezeichen um den Agentur-Inhaber und vor allem die Frau, die für faires Arbeitsrecht kämpft und unseren Helden immer wieder mit Rat zur Seite steht, über dem Kopf schweben. Genau hier erweist sich die Auflösung aber als sehr ernüchternd. Wir bekommen Antworten, die genau genommen keine sind und auch nach dem Finale weiß man nicht genau, wer jetzt genau was und warum gemacht hat. Wie nicht anders zu erwarten, wird auch eine Fortsetzung angeteasert, aber echtes Interesse daran ist bei mir nicht aufgekommen. Diese könnte schwerlich wieder von vorne mit verschiedenen Jobs anfangen - obwohl der Weg dafür geebnet wäre -, da man mehr über die größere Mythologie wissen möchte.

Ohne zu spoilern, kann bereits gesagt werden, dass es neben unserer eine andere Welt gibt, die immer mal wieder an bestimmten Knotenpunkten in die Realität durchsickert. Das wird schon recht klar am Anfang kommuniziert. Aber welche Rolle dabei die Agentur genau spielt, was die mysteriöse Frau bezweckt, all das sind Fragen, bei denen man uns weismachen will, sie würden teilweise beantwortet - tatsächlich bekommen wir jedoch gar nichts. Ich bin mit den Jahren immer vorsichtiger bei dieser Art von Fragen über Fragen, die sich auftürmen, ohne dass echte Antworten in Aussicht sind, geworden, weil am Ende Fantheorien häufig viel innovativer als die offizielle Auflösung ausfallen. Während ich also zu Beginn bei den einzelnen, in sich abgeschlossenen Folgen recht begeistert war und mir mehr zu den Charakteren und der alles umspannenden Hauptstory gewünscht habe, fiel die Serie qualitativ extrem ab, als sie versucht hat, genau diese Wünsche zu bedienen. Ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, dass eine eventuell zweite Staffel es besser machen kann, aber ich würde mich gerne eines Besseren belehren lassen. Denn "Dead-End Job" hat Potential, auch dank der Darsteller, konnte diesem aber mit seinem wirren Finale und der generellen Geschichte nicht gerecht werden. Gerade dieser Serie wollte ich wegen einiger innovativer Ideen nicht wieder ein "guter Durchschnitt" als Wertung geben, aber das trifft es leider am besten ...
