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The Woman in the White Car - Filmposter
Original Title:
Ha-yan cha-reul tan yeo-ja

South Korea 2025

Genre:
Mystery, Thriller

Director:
Christine Ko Hye-jin

Cast:
Jung Ryeo-won
Lee Jung-eun
Kim Jung-min
Jang Jin-hee
Kang Jung-woo


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The Woman in the White Car

The Woman in the White Car - Film Screenshot 1

Story: Do-kyeong (Jung Ryeo-won) taucht im Krankenhaus einer Kleinstadt mit einer verletzten Frau auf. Sie hat sie mit Mühe und Not in einem Wagen selbst ins Krankenhaus gebracht und ist völlig desorientiert. Die Polizei wird gerufen und Hyeon-joo (Lee Jung-eun) nimmt mit ihrem Partner die Ermittlungen auf. Die verletzte Frau wird momentan operiert und auch Do-kyeong scheint leicht verletzt zu sein, weigert sich aber, sich behandeln zu lassen - primär, weil sie noch unter Schock steht. Sie will zu ihrer Schwester Mi-kyeong, bei welcher es sich augenscheinlich um die schwerverletzte Frau handelt. Nachdem die Polizistin die verwirrte Frau beruhigt hat, erfährt sie von dieser, dass ihre Schwester und ihr neuer Freund Jeong-man (Kang Jung-woo) sie aufgesucht haben. Dabei wurde Do-kyeong Zeugin, wie ihre Schwester von Jeong-man misshandelt wurde. Als Mi-kyeong fliehen wollte, stach der Freund mit einem Messer zu. Mi-kyeong konnte ihren Freund gerade noch mit einem Stein außer Gefecht setzen, bevor sie ohnmächtig wurde. Einiges an der Geschichte scheint aber nicht ganz zusammenzupassen, was daran liegen mag, dass Do-kyeong Medikamente nimmt und psychisch nicht gesund ist. Nun sucht die Polizistin nach Jeong-man, kann diesen aber nicht finden. Dafür stellt sich heraus, dass es sich bei der Schwerverletzten nicht um die Schwester, sondern die Frau Eun-soo (Kim Jung-min) handelt. Die tatsächliche Schwester Mi-kyeong (Jang Jin-hee) ist dagegen ebenso wenig auffindbar. Es scheint so, als müsste sich Hyeon-joo in dem Fall durch einige Lügen kämpfen, bis sie zur Wahrheit vordringt.

Filmroll The Woman in the White Car - Film Screenshot 2 The Woman in the White Car - Film Screenshot 3 Filmroll
The Woman in the White Car - Film Screenshot 4

Kritik: Der Auftakt des ungewöhnlich betitelten "The Woman in the White Car" ist vielversprechend. Nicht nur, dass wir sogleich in ein großes Mysterium hineingeworfen werden, sondern die Atmosphäre kann dank seiner verschneiten Kleinstadt und den wenigen Charakteren, die den Bildschirm miteinander teilen, etwas dicht Gedrücktes und beinahe Gemütliches kreieren. Zumindest bis es zur ersten Darstellung von Gewalt kommt. Ebenso kann Do-kyeong mit ihrer Schizophrenie eine gewisse Unruhe in den Film tragen, da wir nie sicher sein können, ob einer ihrer hysterischen Anfälle ansteht oder wir sie in einem entspannteren Moment erwischen, in dem sie uns mehr über die Vorgänge erzählt. Überhaupt weiß der Thriller mit unzähligen Überraschungen aufzuwarten und bietet erkennbare Widersprüche in den Aussagen, womit man sich selbst nach der x-ten Version der Geschehnisse sicher ist, dass da noch mehr sein muss. Während sich die Geschichte entfaltet und dazu noch einige kleine Nebenplots verbaut, behält man zu jeder Zeit den Überblick und rätselt fieberhaft mit, wie denn nun die Wahrheit aussehen mag.

The Woman in the White Car - Film Screenshot 5

Ich muss zugeben, dass ich etwas skeptisch war, als ich die erste Iteration der Geschichte gesehen habe. Der Mann prügelt seine Freundin, dass es selbst beim Zuschauer körperliches Unbehagen auslöst, der andere mehr oder weniger wichtige Mann ist ein junger Polizist, der noch grün hinter den Ohren ist. Da der Film von einer Frau gedreht wurde, kam in mir die Befürchtung auf, die einzigen Männer - es gibt noch einen misshandelnden Vater - würden als grausam oder dämlich dargestellt, während die Frauen Superheldinnen sind. Aber genau die Problematik, die Hollywood in den letzten Jahren einfach nicht umhin kann, jedes Mal aufs Neue zu kreieren - eine Protagonistin, die schlicht großartig ist, weil sie eine Frau ist -, vermeidet dieser koreanische Thriller. In erster Linie sind die Frauen hier Menschen, die an ihren Problemen und dem ihnen zugefügten Leid wachsen. Ja, dabei sind sie auch ganz klar Frauen, da sie etwas offensichtlicher mit ihren Narben kämpfen und diese nicht in sich hineinfressen, aber auch hier gibt es Ausnahmen, denn die Polizistin trägt in der Tat im Stillen ihr Trauma mit sich. Es ändert nichs daran, dass die Männer hier generell nicht gut wegkommen, aber die Geschichten der Frauen sind glaubwürdig umgesetzt, weshalb man darüber hinwegsehen kann, zumal es eben auch unter ihnen grausame Individuen gibt.

The Woman in the White Car - Film Screenshot 6

Das Drehbuch wartet wie für einen Thriller üblich mit etlichen Wendungen auf, geht dabei aber geschickter vor, als man es normalerweise sieht. Das liegt daran, dass das Innenleben der Charaktere nicht zu kurz kommt und wir so sofort mit ihnen leiden können. Es mag etwas zu viel des Guten sein, dass alle drei Frauen ein tiefes Trauma mit sich tragen, aber das verbindet sie letztendlich auch. Jung Ryeo-won ("Castaway on the Moon") spielt eine erratische und hysterische Frau, die zugleich hilflos und wie eine tickende Zeitbombe wirkt. Jung kann überraschend gut kleine Nuancen darstellen, sodass man sich hin und wieder fragt, ob hinter Do-kyeongs augenscheinlichem Wahnsinn ein kühl kalkulierender Mensch steckt. In diesem Mystery-Thriller scheint nämlich alles möglich. Durch die Geschichte geleitet werden wir allerdings von der Polizistin, dargestellt von Lee Jung-eun ("Parasite"), die die Geschichte erdet und dennoch auch ihre eigenen Gefühle und Unsicherheiten einbringen kann. Sie ist eine starke Frau, die sich hart erarbeiten musste, was sie im Leben erreicht hat, und immer noch mit ihrer Beziehung zu ihrem Vater zu kämpfen hat.

The Woman in the White Car - Film Screenshot 7

Das Tempo der Geschichte ist trotz einer gewissen Gemächlichkeit als flott zu beschreiben, eben weil immer wieder neue Informationen an die Oberfläche treten und man das Gesamtbild neu zusammensetzen muss. Da wir verschiedene Versionen zu hören bekommen und man uns hin und wieder auf Ungereimtheiten aufmerksam macht, fängt man bald an, nichts für bare Münze zu nehmen und jedes Wort zu hinterfragen oder selbst nach Widersprüchen zu suchen. Das macht einen großen Teil des Spaßes aus, auch wenn man nicht erwarten darf, alle Details zusammenfügen zu können. Immer wenn man denkt, man hat eine gute Vorstellung davon, was passiert sein mag, setzt das Drehbuch nochmal einen drauf. Das geht sogar so weit, dass man glaubt, am Ende des Films angekommen zu sein, um dann zu erkennen, dass noch gut eine halbe Stunde auf uns wartet. Bei all den lobenden Worten über das gute Drehbuch stellt sich spätestens hier ein wenig Enttäuschung ein, denn es scheint, als hätte man nicht gewusst, wann genug ist, und damit leider auch die Integrität der Geschehnisse und Charaktere unnötig aufs Spiel gesetzt. Persönlich hat es mich nicht so sehr gestört, weil mich der Rest überzeugen konnte, aber es kann durchaus einen Grund darstellen, die Augen über die Geschichte zu verdrehen.

Filmroll The Woman in the White Car - Film Screenshot 8 The Woman in the White Car - Film Screenshot 9 Filmroll

The Woman in the White Car - Film Screenshot 10

Ein weiteres Manko gegen Ende ist, dass die Regisseurin Christine Ko auch ein wenig zu sehr von sich und ihrem Werk überzeugt ist, was der in die länge gezogene Epilog beweist. Hätte sie diese unschönen Kanten ausfeilen können, hätte aus "The Woman in the White Car" ein kleines Juwel werden können, denn grundlegend ist das Drehbuch intelligent und spannend geschrieben und die Individuen können ebenso eine Geschichte erzählen. Trotz dieser Probleme verdient der Mystery-Thriller aber eine klare Empfehlung und ist für mich persönlich ein kleines Juwel, einfach aus dem Grund, dass ich nicht erwartet hätte einen so guten Thriller vorzufinden. Ich hatte zuvor noch nie etwas von dem Film gehört und nur der Zufall hat ihn mir in die Hände gespielt. Dementsprechend muss ich ihn natürlich allen Fans des Genres sofort ans Herz legen. Ja, ein wenig hat man sich sicherlich an Filmen wie "Fargo" orientiert, auch wenn der Humor fehlt, aber die Atmosphäre kann dennoch punkten und über das schön geschriebene Drehbuch habe ich mich bereits genug ausgelassen. Das logische Fazit: Ansehen.

(Autor: Manfred Selzer)
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