

Story: Hornclaw (Lee Hye-young) ist eine Killerin, die Legendenstatus in ihrer Branche genießt. Mittlerweile ist sie schon ziemlich alt, doch in der Firma, die sie aufgebaut hat und die von Ryoo (Kim Mu-yeol) geleitet wird, bekommt sie immer noch die schwierigen Aufträge, weil sie ihre Arbeit äußerst sauber verrichtet. Ihr geht es dabei nicht ums Geld, sondern sie sieht sich als Ungeziefer-Vernichter. Ihre Firma befolgt deshalb einen gewissen Kodex, nur jene Aufträge anzunehmen, bei denen die Ermordeten die Welt durch ihre Abwesenheit ein Stückchen besser machen. Ryoo nimmt aber immer mehr die Zügel in die Hand und lehnt solche Aufträge wieder und wieder ab, wenn sie nicht genug Geld einbringen. Zudem will er das Team mit dem rücksichtslosen Killer Bullfight (Kim Sung-cheol) verstärken, der seine Opfer gerne erst einmal quält. Hornclaw ist dagegen, aber als sie einen ehemaligen Kollegen um die Ecke bringen muss, der seinen Auftrag vermasselt hat, taucht Bullfight als ihre Unterstützung auf. Die gealterte Killerin will sich nicht helfen lassen, erledigt ihren Auftrag, wird dabei aber schwer verletzt. Sie schafft es gerade noch vor eine Veterinärklinik, wo sie der Tierarzt Kang (Yeon Woo-jin) wieder zusammenflickt. Nach den Regeln der Firma darf Kang nicht als Zeuge am Leben gelassen werden, aber Hornclaw macht eine Ausnahme. Die Firma sieht das nicht gerne und will Bullfight darauf ansetzen, Kang von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Allerdings scheint Bullfight noch ein ganz persönliches Interesse daran zu haben, Hornclaw leiden zu sehen ...

Kritik: Die Prämisse dieses Assassinen-Streifens dürfte das Interesse so einiger Actionliebhaber geweckt haben, denn wenn sich Liam Neeson mit über 60 (dank herausragender Schnitte-pro-Sekunde-Quote) durch Actionfilme prügeln darf, warum dann nicht auch Lee Hye-young ("The Anchor")? Eine weibliche ältere Dame als Profi-Killerin lässt zudem die Hoffnung aufkommen, dass der Film auch auf dramatischer Ebene einiges zu bieten hat und sich hinsichtlich seiner Choreographie einiges hat einfallen lassen, damit Hornclaw gegen ihre männlichen und vor allem sehr viel jüngeren Widersacher eine Chance hat. Ich darf allerdings bereits vorwegnehmen, dass sich "The Old Woman with the Knife", der auf einer Romanvorlage von Gu Byeong-mo basiert, nicht allzu viel Innovation zutraut und lieber altbekannte Wege beschreitet. Zu jeder Zeit hat man das Gefühl, als könnte die Geschichte und speziell das Drama weiter in die Tiefe gehen, dann überlegt es sich der Regisseur aber doch wieder anders und bringt lieber eine "neue" Entwicklung auf den Bildschirm, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll. Emotional lässt einen das nur leider ziemlich kalt.

Dabei startet die Geschichte recht vielversprechend mit einer Rückblende, die uns zeigt, wie Hornclaw eine kaltblütige Auftragsmörderin geworden ist. Der Mann, der Mitleid mit ihr hatte und sie aufnahm, ist ein Profikiller und bildet sie schließlich aus, nachdem sie in Notwehr einen amerikanischen G.I. getötet hat, der sie vergewaltigen wollte. Ihr Mentor ist die erste Person, die ihr gezeigt hat, dass sie etwas wert ist, und selbstverständlich entwickelt sie deshalb romantische Gefühle gegenüber dem verheirateten Mann. Nun mag man erwarten, dass dieser Storystrang wieder aufgegriffen wird und uns dadurch mehr über Hornclaw und ihre innere Gefühlswelt verraten wird. Unglücklicherweise sind die weiteren Rückblenden aber zum Teil wenig nachvollziehbar über den Film verteilt und bieten kaum Mehrwert. Das ist besonders ärgerlich, da letztlich auch Bullfight ein ungewöhnliches Interesse an Hornclaw hat, sodass man sich schon denken kann, es mag da irgendein Ereignis in der Vergangenheit geben, das uns später noch an einem dramatischen Höhepunkt präsentiert wird. Und so ist es dann auch. Nur leider auch hier: Es rührt uns nicht ernsthaft.

Kim Sung-cheol ("Troll Factory") übernimmt die Rolle des Bösewichts, bei dem man sich fragen muss, warum man so einen unberechenbaren Sadisten überhaupt in eine Vereinigung aufnehmen will, die versucht, sich an so etwas wie einen Ehrenkodex zu halten. Hornclaw hat zwar die administrativen Aufgaben an Ryoo abgegeben, der seine ganz eigenen Ziele der Übernahme verfolgt, aber sie hat schließlich immer noch das Sagen. Das wirkt alles recht holprig, zumal es sehr lange dauert, bis Hornclaw sich vornimmt, vielleicht doch etwas gegen Bullfight zu unternehmen. Zuerst muss dieser geradeheraus den Veterinär bedrohen, der der Killerin das Leben gerettet hat. Eigentlich müsste sie den Tierarzt selbst aus dem Weg räumen, aber wie es nun einmal in Geschichten dieser Art ist, entwickelt unsere "Heldin" doch ein Gewissen, falls man daran noch Zweifel hatte, nachdem sie einen streunenden Hund aufgenommen hat. Es gibt einfach zu wenig, was von der Norm abweicht und Begeisterung wecken könnte. Stattdessen hofft man darauf, dass die Chemie zwischen Hornclaw und Bullfight bis zum Ende irgendwann trägt, wo es dann ein actiongeladenes Finale gibt.

In der Beziehung zwischen den beiden Killern zeigt sich leider die größte Schwäche des Streifens, da diese eigentlich die größte Stärke hätte sein müssen. Es wird hin und wieder angedeutet, dass Bullfight eine tragische Person sein könnte, das Finale begibt sich - wie für eine koreanische Produktion üblich - auf exakt diesen Pfad, fischt aber nur an der Oberfläche und lässt uns enttäuscht zurück. Es handelt sich um einen jener wenigen Filme, von denen man sich ein Remake wünschen würde, bei dem man das Augenmerk mehr auf diesen Aspekt der Geschichte legt. Es würde den Actionszenen auch mehr Tragweite verleihen. Hornclaw hat kein Gewissen, bis sie doch eines hat, Bullfight ist ein Sadist, ohne gute Eigenschaften, bis man dann doch Mitleid mit ihm haben soll? Das ist alles ziemlich faul umgesetzt, während die Idee an sich viel Potential hatte. Man kann auch nicht behaupten, dass die Szenen zwischen den beiden Killern besonders spannend sind. Es fehlt das Element der subtilen Bedrohung, des Unberechenbaren - eben genau der Dinge, die der Regisseur grundlegend im Mittelpunkt seiner Geschichte wissen will.

Min Gyoo-dong ("In my End is my Beginning") ist absolut kein Neuling seines Fachs und man sieht es auch an den polierten, teilweise atmosphärischen Bildern. Dankenswerterweise übertreibt er es in den Actionszenen auch nicht mit den Schnitten, dafür ist aber hin und wieder ein Stuntdouble zu erkennen. Irgendwo muss man eben Abstriche machen, auch wenn Darstellerin Lee körperlich für ihr Alter einiges leistet. Der Showdown liefert auch in der Tat einiges an schöner Action, speziell die Schießerei ist gelungen. Wahrscheinlich wird das Finale die meisten also versöhnlich stimmen, doch sein eigentliches Ziel, nämlich über die Action das Drama aufzugreifen und zu vertiefen, verfehlt der Streifen. "The Old Woman with the Knife" ist ein solider Film, aber auch nur genau das. Das Drama hätte viel mehr Ausarbeitung verdient, um uns abholen zu können, und die Charaktere hätten mehr Tiefe vertragen, denn noch ein paar Rückblenden gegen Ende reichen dafür schlicht nicht aus. Sicherlich keine Zeitverschwendung, aber aus der vielversprechenden Prämisse konnte der Regisseur leider nichts Außergewöhnliches formen.
