AsianMovieWeb logo
Sister - Filmposter
Original Title:
Si-seu-teo

South Korea 2024

Genre:
Thriller

Director:
Jin Seong-moon

Cast:
Jung Ji-so
Lee Soo-hyuk
Cha Joo-young
Yeom Ji-young
Jung Ji-woo


Search AsianMovieWeb


Sister

Sister - Film Screenshot 1

Story: Hae-ran (Jung Ji-so) braucht Geld, um die Operation ihrer Schwester zu bezahlen. Glücklicherweise hat sie bei ihrer Arbeit Tae-su (Lee Soo-hyuk) kennengelernt, der ihren Vater ausfindig gemacht hat. Hae-Ran ist eine illegale Einwandererin, deren Mutter gestorben ist und die daher ihren Vater sucht. Tae-su findet für sie heraus, dass ihr Vater der Chef einer großen Firma ist. Dieser will von seiner außerehelichen Tochter nichts wissen und so beschließen Hae-ran und Tae-su, der früher für den Firmenchef gearbeitet hat, Geld zu erpressen. Die zwei kidnappen So-jin (Cha Joo-young), die Tochter des Chefs, und fesseln sie in einem weit abseits gelegenen, baufälligen Gebäude. Hae-ran und Tae-su wollen ein Video aufnehmen, in dem So-jin ihren Vater darum bittet, Lösegeld zu bezahlen, jedoch weigert sich die Frau. Also müssen die Kidnapper zeigen, dass sie es ernst meinen. Hae-ran ist alles andere als begeistert von dem Vorgehen, zumal Tae-su nicht nur der Entführten gegenüber gewalttätig wird. Aber solange sie eine Chance sieht, ihrer Schwester die lebensrettende Operation zu bezahlen, sieht sie über alles hinweg. Bis sie mit So-jin ins Gespräch kommt und sie anfängt zu zweifeln, ob die Dinge wirklich so liegen, wie es Tae-su ihr weismachen will ...

Filmroll Sister - Film Screenshot 2 Sister - Film Screenshot 3 Filmroll
Sister - Film Screenshot 4

Kritik: Ich bin ein Fan von Thrillern und Horrorfilmen, die in einer kleinen Lokalität spielen und somit ihren eigenen Mikrokosmos abbilden. Der Grund dürfte sein, dass es selbst einem halbwegs fähigen Regisseur möglich ist, mit diesem "Bühnenbild" eine dichte Atmosphäre zu kreieren, ja, vielleicht sogar die Intensität eines guten Theaterstücks zu kopieren. "Sister" hat also schon einmal gute Ausgangsvoraussetzungen, packend zu sein, und teilweise kann Spannung auch wirklich aufkommen - nur eben nicht so frequent, wie es für einen gelungenen Thriller nötig wäre. Hauptverursacher der Probleme sind die bekannten Klischees des Genres. Charaktere verhalten sich überaus dumm, die Frauen werden als zum Himmel schreiend hilflos dargestellt, und wenn man ehrlich ist, ist aus der Prämisse selbst auch bald die Luft raus. Selbst die obligatorischen Wendungen können einen da nicht wieder ins Boot holen. Alles in allem bleibt aber ein gewisser Spannungsfaktor, sodass man den Streifen nicht als misslungen abstempeln kann.

Sister - Film Screenshot 5

Korea ist mittlerweile bei seinen Geschichten darauf angewiesen, sich auch aus anderen Ländern Inspiration zu holen, weshalb es heutzutage nicht wenige koreanische Remakes gibt. Das kann im Thriller-Genre recht erfolgreich ausfallen, wie im Falle von "The Vanished" oder fällt eben wie "Sister" in die Kategorie eines "Door Lock", zu dem sich hier gewisse Parallelen ziehen lassen: Die Klischees des Genres werden auf erschreckend unverblümte Weise im Akkord abgearbeitet und gerade die Protagonistin ist manchmal unerträglich, weil sie sich wie das Vorzeigeopfer verhält. "Sister" ist ein Remake des britischen Thrillers "The Disappearance of Alice Creed", der insgesamt bei den Kritikern positiv abgeschnitten hat. Und man muss sich unweigerlich fragen, ob das Original einige der Stereotypen umschifft haben könnte, die im Remake derart stark ins Auge springen. Zumindest haben wir nämlich zunächst eine interessante Abwandlung. Unser Opfer ist genau genommen nicht alleine und könnte eine Verbündete haben.

Sister - Film Screenshot 6

Hae-ran macht von Anfang an nicht den Eindruck, dass sie der typische Entführer und Erpresser ist. Das machen ihre Nachrichten an ihre Schwester, die dringend eine teure Operation benötigt, sehr deutlich. Anders verhält es sich da bei Tae-su. Er hat die Entführung zwar auch nur für seinen Sohn durchgeführt, aber weitere Erklärungen gibt es nicht und es ist offensichtlich, dass ihm das Ganze viel zu viel Spaß macht, als dass man ihn für einen guten Kerl halten könnte. Die Fronten sind also schnell geklärt und weitere Entwicklungen kommen deshalb ohne Überraschungen aus, auch wenn man uns die eine oder andere Information als augenöffnend verkaufen will. Lediglich durch ein paar Details, die zutage treten, kann ein wenig Neugier erzeugt werden. Interessanter ist da schon das Opfer So-jin. Mit ihr sollte man selbstverständlich Mitleid haben, aber da die Erzählperspektive aus Hae-rans Sicht ist, wirkt So-jin sogar zuweilen recht unsympathisch, obwohl ihre hysterischen Anfälle und ihre Angst nur allzu nachvollziehbar sind.

Sister - Film Screenshot 7

Darstellerisch kann Cha Joo-Young als So-jin aber eindeutig die beste Leistung erbringen. Auch körperlich kann sie ihre Ausnahmesituation gut darstellen. Sie ist verschwitzt, ihr Gesicht voller Tränen und Rotz, während sie sich hin und wieder verzweifelt mit Händen und Füßen wehrt. Lee Soo-hyuk ("Pipeline") kommt die Rolle des eindimensionalen Bösewichts zu. Er schlägt, tritt und wirft Frauen durch den Raum, womit er zweifellos unseren Hass schüren kann, aber mehr als den widerwärtigen Kontrollfreak kann er nicht darstellen. Wahrscheinlich sollte man von Jung Ji-so als eigentliche Protagonistin am meisten enttäuscht sein, aber irgendwie war mir ihr Charakter schlichtweg egal. Sie hätte jedoch mit ihren Gewissensbissen den eigentlichen Motor der Geschichte darstellen müssen. Es wird nun aber Zeit, die angesprochenen Klischees näher zu beleuchten. Das ungemein dumme Verhalten ist nicht nur auf die Frauen beschränkt, auch Tae-su trifft einige Entscheidungen, bei denen man sich nur an die Stirn greifen kann. Die Frauen in "Sister" haben bei mir allerdings für den einen oder anderen Aufreger gesorgt, weil sie körperlich derart unterlegen sind.

Filmroll Sister - Film Screenshot 8 Sister - Film Screenshot 9 Filmroll

Sister - Film Screenshot 10

Nun ist es eben so, dass Frauen in den allermeisten Fällen Männern körperlich unterlegen sind, es fragt sich nur, was man daraus macht. Das Gehirn einschalten und eine Strategie verfolgen, bei der man sich nicht geradeheraus körperlich mit einem Mann misst? Scheint logisch, nicht aber für unsere zwei Protagonistinnen. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft mir der Mund offen stand, als ich Hae-ran habe rennen sehen und dabei dachte, dass ihre Körperbewegungen ganz klar eine schnelle Fortbewegung suggerieren, sie tatsächlich aber kaum einen Meter vom Fleck kommt! Leichtes Spiel für den Mann, der auch in handgreiflichen Auseinandersetzungen wie Hulk wirkt, obwohl Lee Soo-hyuk nun wirklich schmächtig gebaut ist. Ja, das ist alles Teil des Genres und das Finale mag dadurch auch besonders zufriedenstellend sein, aber ich kann darüber nur die Augen verdrehen. Letzten Endes ist "Sister" somit einer jener Thriller, die Genrefans Spannung bieten können, aber einfach ein Sandkorn unter etlichen weiteren am Strand darstellt. Die vielversprechende Prämisse hat mich jedenfalls bereuen lassen, nicht das anscheinend bessere Original für den Abend gewählt zu haben.

(Autor: Manfred Selzer)
rating
Film kaufen:

Sister - Yesasia Yesasia Logo