Story: Choi Gon (Park Joong-hoon) war ein großer Star Ende der Achtziger, aber wie viele Sänger zu der Zeit war der gewissenhafte Umgang mit
Geld nicht seine Stärke. Auch einige Drogendelikte haben ihn immer wieder in die Schlagzeilen gebracht. Über fünfzehn Jahre später bringt sich Choi Gon
immer noch in Probleme, doch heutzutage ist seine Musik aus der Mode und so tritt er in kleinen Cafés oder Restaurants auf. Damals wie heute kümmert sich sein
Manager Min-soo (Ahn Seong-gi) aufopferungsvoll um ihn. Min-soo sorgt dafür, dass seine Schlägereien nicht allzu große Wellen schlagen und versucht ihn irgendwie
noch in dem Glauben zu lassen, dass er als Musiker noch von Belang ist. Ein Glauben, dem sich Choi gerne hingibt, auch wenn das heißt, dass Min-soo bei all
der Arbeit, die er mit ihm hat, seine Familie kaum noch zu Gesicht bekommt. Als Choi Gon eines Tages wieder in eine Schlägerei verwickelt ist, hat der Manager
niemanden mehr, der ihm helfen könnte. Einzig ein Bekannter erklärt sich bereit, den Musiker aus dem Gefängnis zu holen, wenn er dafür in der Kleinstadt
Yong-wol beim regionalen Radiosender, der in drei Monaten seine Pforten schließen soll, als Moderator arbeitet. Auch die Produzentin Kang (Choi Jeong-yoon) wird
dorthin strafversetzt. Trotz anfängerlicher Schwierigkeiten beginnt Choi sich jedoch selbst neu zu erfinden...
Kritik: "Radio Star" ist einer jener Filme, die an sich völlig unspektakulär sind und einen dennoch von Anfang an gefangen nehmen können. Um es
auf den Punkt zu bringen: Der Film besitzt Seele. Etwas, das man heutzutage leider immer seltener findet. Die Themen um Freundschaft, Loyalität und
Aufopferung sind mit einem Feingefühl transportiert, dass sie nahegehen, ohne über den üblichen Weg des Kitsches zu gehen. Aber nicht nur sein fein
ausgearbeitetes Drehbuch zeichnet dieses Comedy-Drama aus, sondern vor allem eine wunderbare Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Darüber hinaus
sorgen auch ein paar musikalische Einlagen für gute Laune sowie einige ziemlich gelungene Gags, die aber wie der Film alle auf subtiler Ebene arbeiten und
dabei niemals die emotionale Ebene vernachlässigen.
Im Grunde ist "Radio Star" ein Drama, aber keines, welches das Drama mit dem Vorschlaghammer überbringt. Darin unterscheidet sich der Film von modernen Werken
dieser Art. Sicher, es gibt einige Stellen, die den Zuschauer etwas direkter bewegen sollen, aber dabei bleibt der Film stets weit entfernt davon, ein billiges
Taschentuchdrama zu sein. Oftmals ist es sogar überraschend, welche Tiefe der Film dabei erreicht, die Werte einer engen Freundschaft zu beleuchten. Choi
Gon ist arrogant und ein Rockstar wie aus dem Bilderbuch, mit all den dazugehörigen negativen Eigenschaften. Min-soo ist dagegen ein Manager, der sein eigenes
Privatleben aufgibt, nur um für Choi Gon das Bild aufrecht zu erhalten, dass er immer noch ein Star ist. Min-soo hätte dabei leicht dienerhaft wirken können,
aber gerade im späteren Verlauf des Films zeigt sich, dass die Freundschaft keinesfalls einseitig ist.
Park Joong-hoon und Ahn Seong-gi haben bereits in einigen Filmen zusammen gespielt wie in "Nowhere to Hide". Die Chemie
zwischen den Darstellern ist großartig und die Intimität zwischen ihnen sollte nicht verwundern, sind sie doch auch in Wirklichkeit schon seit etlichen
Jahren miteinander befreundet. Leichtes Spiel also für Regisseur Lee Joon-ik, der nach seinem überaus erfolgreichen "The
King and the Clown" hier einen überraschend kleinen Film abliefert. Kein Wunder also, dass sich der Streifen zunächst an den Kinokassen schwer tat, aber
letztlich durch Mundpropaganda ein Erfolg wurde. Denn ein solch auf den ersten Blick unbedeutender Film weckt nur wenig Interesse. Aber das Herz, das in
"Radio Star" schlägt, gewinnt schlussendlich jeden Zuschauer für sich. Das liegt daran, dass wir uns ernsthaft für die Charaktere interessieren.
Damit das möglich ist, braucht es natürlich ein gutes Drehbuch. Choi Seok-hwan liefert genau dieses ab und wie der ein Jahr später ebenfalls von ihm geschriebene
und Lee Joon-ik gedrehte "The Happy Life" versprüht der Film mit seinen dreidimensionalen Charakteren und seinem
lebensbejahenden Themen einen Charme, dem man sich nicht erwehren kann. Anfangs mag Choi Gon wenig Interesse erwecken, aber sein neuer Job beim Radio zwingt
ihn, über sein Leben zu reflektieren und er realisiert, wie viel Platz seine Freundschaft zu Min-soo in seinem Leben einnimmt. Nicht zu unterschätzen ist
außerdem die Musik, die ebenso die Lebenslust weckt. Die Musik dürfte ein Publikum mittleren Alters besonders stark ansprechen, da viele koreanische 80er
Balladen untergekommen sind, die ordentlich auf der Nostalgieschiene fahren. Darsteller Park Joong-hoon darf sogar höchstpersönlich singen.
Einen Großteil seines Charmes gewinnt der Film auch durch seine Nebencharaktere. Choi Gon lernt über das Radio, seine egozentrische Lebensweise zurückzuschrauben und seine Mitmenschen mehr in den Fokus zu rücken. So bietet er Radiozuhörern die Möglichkeit, das Programm als Sprachrohr zu verwenden. Dabei lernt man einige interessante oder auch nur lustige Persönlichkeiten kennen, die den Film insgesamt bunter machen und die kleine Stadt fast zu einer Familie zusammenschrumpfen lassen, obwohl hier der Film auch etwas von seinem Fokus verliert. Vor allem einige Gags sind aber ziemlich gelungen. Diese ausgewogene Mischung aus leichtem Drama, Humor und Musik macht "Radio Star" zu einem herzerwärmenden Film, der gerade deshalb so gut ist, weil er in einem kleinen Rahmen arbeitet. Ein gut geschriebenes Drehbuch und eine großartige Chemie zwischen den Protagonisten sieht man heute leider nur noch selten.