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Original Title:
Bou ying

Hong Kong 2011

Genre:
Thriller, Drama

Director:
Law Wing Cheong

Cast:
Anthony Wong
Richie Ren
Janice Man
Maggie Cheung Ho Yee
Candy Lo
Lei Lam
Charlie Cho
Elena Kong
Wong Yat Yat


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Punished

Story: Der Industriemagnat Wong (Anthony Wong) hat schon seit einiger Weile Probleme mit seiner drogensüchtigen Tochter Daisy (Janice Man). Seitdem ihre Mutter gestorben ist und er erneut geheiratet hat, rebelliert sie ohne Unterlass gegen ihn und seine neue Frau (Maggie Cheung Ho Yee), die sie nicht leiden kann. Als Daisy dann gekidappt wird, ist sich Wong zuerst sicher, dass das nur ein weiterer Versuch ist, Geld von ihm zu bekommen. Er bezahlt das Lösegeld, springt mit den Entführern am Telefon aber nicht sehr höflich um, was zur Folge hat, dass Wong seine Tochter tot auffindet. Der Industriemagnat ist am Boden zerstört und schwört, alle töten zu lassen, die an der Entführung beteiligt waren. Für diesen Job heuert er seinen langjährigen Bodyguard Chor (Richie Ren) an. Je mehr sich der blutige Rachefeldzug Chors seinem Ende nähert, desto mehr plagen Wong auch eigene Schuldgefühle. Die Hintermänner ausfindig zu machen und zu bestrafen, ist nur ein Teil der Rache, um den Tod seiner Tochter zu sühnen, gleichzeitig muss er auch mit seinen eigenen Gefühlen umzugehen lernen.

Kritik: "Punished" ist ein von Johnnie To produzierter Milkyway-Streifen, der seine eindeutigen Stärken und Schwächen hat. Die Stärke des Films, neben dem tollen Soundtrack von Guy Zerafa und Dave Klotz, ist, dass der Schwerpunkt des Rachethrillers auf den Emotionen der Betroffenen liegt. Anthony Wong kann hervorragende Leistung bringen und auch der oftmals an den Rand gedrängte Richie Ren bekommt Gelegenheit, seinen Charakter etwas dreidimensionaler auszubauen. Die Schwäche zeigt sich dann aber in einem lediglich durchschnittlichen Drehbuch, das uns große Neuerung in dem Genre versagt. Wer sich also erhofft, neue Aspekte zur Rachethematik hinzugefügt zu sehen, wird enttäuscht werden. "Punished" ist kein "I Saw the Devil", sondern wesentlich unspektakulärer. Das zeigt sich auch in der Regie von Law Wing Cheong ("Tactical Unit: Comrades in Arms"), die fast immer nur solide bleibt, obwohl wir in ein paar wenigen Szenen zu sehen bekommen, dass der Schüler Johnnie Tos weitaus mehr leisten könnte. "Punished" bleibt aber ein eigentlich durchaus gelungener Beitrag zum Genre, der an ein paar Stellen erahnen lässt, das er hätte mehr sein können.

Eine gewisse Frustration bleibt aus genannten Gründen beim Schauen des Films vorhanden, aber das Ende stimmt doch versöhnlich genug, um das vergessen zu lassen. Außerdem ist löblich, dass in diesem Thriller kaum Schießereien vorzufinden sind, sondern der Fokus mehr auf dem Drama liegt. Das ist mal eine andere Herangehensweise eines düsteren Hong Kong Thrillers und das ist auch das, was den Film am Laufen hält. Die Struktur des Films selbst ist nämlich etwas fragwürdig geraten. Die diversen Rückblenden, das ewige Vor- und Zurückspringen in den Zeitebenen, um die Hintergründe des Kidnappings zu zeigen, zerstören die Spannung des Films und man erkennt gleich, dass auf diese Art eine äußerst unspektakuläre Geschichte etwas interessanter erzählt werden sollte. Das gelingt aber nicht wirklich. Das bringt uns dann auch nochmal zu der Schwäche des Films, denn normalerweise sind die Milkyway-Drehbuchschreiber dafür bekannt, gute Storys abzuliefern. Chi Keung Fung ist aber eher für seine seichten Plots wie die zu "Sparrow" oder "Legendary Assassin" bekannt und das macht sich auch hier bemerkbar.

Immerhin wird das, was dem Film an Innovation fehlt, durch die zwischenmenschlichen Beziehungen wieder wettgemacht. Das Drehbuch nimmt sich Zeit, den Charakteren Hintergründe zu spendieren und sie damit lebendiger wirken zu lassen. Anthony Wong ist der strenge Boss, der auch gegenüber seiner Tochter nicht anders sein kann. Dass er eigentlich nur das Beste für sie will, ist für einen Außenstehenden offensichtlich, aber sein mangelndes Einfühlungsvermögen, lässt seine Tochter gegen ihn rebellieren, und so sind die Fronten zwischen den beiden bald sehr verhärtet. Dazu trägt auch bei, dass seine Tochter mit seiner neuen Frau nicht zurechtkommt. Ganz offensichtlich hat hier niemals ein Vater-Tochter-Gespräch stattgefunden. Dass Wong nur wenig gegen die Drogeneskapaden seiner Tochter unternimmt, ist allerdings wirklich etwas bedenklich. Wong ist aber auch ein Mann, der wegen seiner Arbeit nur wenig Zeit findet, über sich und seine Fehler zu reflektieren. So ist er dann auch dabei, bei seinem Sohn, gespielt von Anthony Wongs wirklichem Sohn Wong Yat Yat, die gleichen Fehler erneut zu begehen.

Wong ist kein perfekter Vater, nein sogar eher ein Tyrann, und so ist es gar nicht so leicht, mit ihm zu sympathisieren. Der Tod seiner Tochter ist extrem plötzlich und die Art, wie er diesen vor allen anderen geheim hält, lässt naheliegen, dass ihm mehr darum bestellt ist, sein Ansehen zu wahren, als den Tod seiner Tochter zu betrauern. Aber dem ist nicht so. Mit der Zeit holen Wong die Dämonen ein und Trauer sowie Schuldgefühle plagen ihn so stark, dass er nicht einmal mehr schlafen kann. Während wir dabei zusehen, wie Wong immer mehr innerlich stirbt, und wir damit mehr von seinen inneren Gefühlen zu sehen bekommen, steigen auch unsere Sympathien für ihn.
Chor, gespielt von Richie Ren ("Breaking News", "Accident"), ist ein auf den ersten Blick kaltherziger Profikiller, der wohl erst seit kurzem die Profession zum Bodyguard gewechselt hat. Zumindest ist man sich sicher, dass er nicht zum ersten Mal Leute aus dem Weg räumt. Aber gerade er wirkt äußerst menschlich, da er zu seinem Boss und dessen Tochter ein besonders intensives Verhältnis pflegt. Die Nebengeschichte mit seinem Sohn wäre deshalb eigentlich nicht nötig gewesen und wirkt sogar etwas deplatziert, bzw. lässt den Film überladen wirken.

Es gibt zwar nur wenige Actionszenen zu sehen und die Spannung wird wie gesagt durch die Rückblenden nach unten gedrückt, aber gerade gegen Ende, als der emotionale Gehalt des Films ansteigt, zeigen sich die Stärken der dramalastigen Geschichte. Neben dem Drama gibt es aber auch ein paar brutale Szenen, wie z.B. der, als Chor einen der Kidnapper mit einem Vorschlaghammer malträtiert. Ja, es ist wie so häufig in einem Milkyway-Film: Selbst die guten sind böse und dennoch stehen wir auf deren Seite. Wer damit kein moralisches Problem hat, für den ist "Punished" gefundenes Fressen, für alle anderen thematisiert der Film aber auch gerade diesen Umstand. Wann ist Rache ausgeschöpft, was kommt danach und ist es möglich zu verzeihen? "Punished" hätte mit seinen Zutaten mehr erreichen können, aber am Ende kann er uns doch immerhin ein wenig berühren. Milkyway-Fans dürfen deswegen bedenkenlos zuschlagen. Für Law Wing Cheong bleibt nur zu hoffen, dass er seine sich irgendwie selbst aufgezwungene Durchschnittlichkeit bald hinter sich lässt.

(Autor: Manfred Selzer)
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