

Story: Mi-seon (Han So-hee) hat ihren letzten Tag als Bardame. Mit dem Geld, das sie bisher verdient hat, indem sie Männern Alkohol einschenkt und sich mit ihnen unterhält, hat sie einen Blumenladen gekauft. Ihre Freundin Do-kyung (Jeon Jong-seo) chauffiert derweil Betrunkene der Bar, in der Mi-seon arbeitet, nach Hause. Mi-seon erfährt, dass die Bar gerade von Seok-go (Lee Jae-kyoon) übernommen wurde. Bei diesem handelt es sich um einen kaltblütigen Gangster, der gerne auch mal Leute verschwinden lässt. Da bekommen die Mädchen der Bar die Nachricht, dass ihr voriger Boss Selbstmord begangen hat, nachdem herausgekommen ist, dass er einen Immobilienscam betrieben hat. Das Problem ist, dass auch die Mädchen inklusive Mi-seon auf den Schwindel hereingefallen sind und nun mit einem Berg Schulden dastehen. Do-kyung hat von einem Bekannten gehört, dass die Ehefrau von Seok-go öfters einen Gigolo aufsucht. Über diesen kann Do-kyung in Erfahrung bringen, dass Seok-go 700.000 Dollar auf neu gekauftem Grundstück vergraben haben soll. Mi-seon und Do-kyung machen sich daran, den genauen Ort herauszufinden, was ihnen tatsächlich gelingt. Als sie dort graben, finden sie aber nicht nur die 700.000 Dollar, die ihnen eigentlich zustehen, da sie um das Geld betrogen wurden, sondern mehrere Millionen in Goldbarren. Damit fangen die Probleme aber erst wirklich an ...

Kritik: Bereits der Beginn von "Project Y" hat mich etwas verwundert die Stirn runzeln lassen. Ich bin in der Erwartung in den Film eingestiegen, dass es sich hierbei um einen Crime-Thriller handelt, vielleicht mit ein wenig mehr Fokus auf Drama. Ein film noir mit ruhigen Tönen wäre auch in Ordnung gewesen, aber stattdessen konnte ich bis zum Schluss nicht richtig einschätzen, welche Identität Lee Hwans Werk für sich beanspruchen will. Oft glaubt man den Anstrich eines Art-House-Streifens vorzufinden, doch dafür sind die Bilder zu poliert und die Geschichte zu flach. Tatsächlich gibt es allerdings ein paar Momente, in denen die Charaktere stärker in den Vordergrund rücken und die Dynamik und die enge Verbindung der beiden Protagonistinnen herausgearbeitet wird. Demgegenüber steht aber ein klischeehafter Bösewicht und ein unstrukturierter Aufbau des Drehbuchs, das bei der Schaffung von Höhen und Tiefen völlig versagt. Zwar mag der Streifen an sich nie ernsthaft langweilig werden, aber ein richtiges Interesse entwickeln wir an den Charakteren nicht. Dabei hätte genau da eine mögliche Stärke des Films liegen können.

Zunächst braucht es aber eine Weile, bis der Film ins Rollen kommt. Selbst nach der Hälfte der Laufzeit war ich mir noch nicht sicher, ob nun alles an seinem Platz ist und die Geschichte erst richtig losgeht oder das eigentlich alles ist, was passieren wird. Und tatsächlich ist das gar nicht so leicht zu beurteilen. Denn genau genommen, sind die Rollen bereits verteilt, wir haben eine Ahnung davon, wie der Bösewicht so tickt - nämlich böse, wirklich mehr gibt es da nicht - und auch die Freundschaft zwischen den beiden Frauen ist etabliert. Allerdings kommt dann noch die Mutter ins Spiel, die zugegebenermaßen das Drama ein wenig Tiefe gewinnen und die Umstände für die Protagonistinnen insgesamt etwas komplexer werden lässt. Trotzdem kann man nicht wirklich behaupten, dass sie gut überlegt in den Film integriert ist. Ist sie eine verantwortungslose Mutter, die ihre Töchter ausnutzt, oder verbirgt sich hinter ihrem Verhalten mehr? Für einen kurzen Augenblick hat man das Interesse des Zuschauers geweckt, um es sogleich wieder abflachen zu lassen.

Wie wenig die einzelnen Teile ineinandergreifen, kann man auch schon daran erkennen, dass uns das Schicksal der Personen trotz einiger Bemühungen relativ egal ist. Es gibt in dem Gangster-Thriller eine Szene, in der jemand auf ziemlich grausame Weise ums Leben kommt, aber es will einfach nicht nahegehen. Die Reaktion der Heldinnen kann auch nicht den gewünschten emotionalen Effekt haben. Dabei kann man Han So-hee und Jeon Jong-seo ("Ballerina") keine ernsten Vorwürfe machen. Sie bringen sich ordentlich ein, scheitern aber daran, dass ihre Charaktere nicht ausgereift genug sind. Zusammen können die Darstellerinnen aber immerhin eine gute Chemie kreieren. Insgesamt mangelt es bei ihnen aber genau an dem, womit auch das Drehbuch generell zu kämpfen hat: eine klare Richtung. Immer wieder bekommt man den Eindruck, einen düsteren Gangsterthriller zu sehen, aber dann fehlt sowohl richtige Action als auch die Spannung. Nie scheint irgendetwas auf dem Spiel zu stehen, obwohl das streng genommen überhaupt nicht stimmt. Die Spannung wird aber über den Bildschirm nicht auf den Zuschauer übertragen.

Gegen Ende wird es besonders schlimm. Da hat Regisseur Lee Hwan nämlich gar keine Ahnung mehr gehabt, wohin er eigentlich mit seinem Thriller möchte. Eine Szene wird unzusammenhängend an die nächste gereiht, auch wenn das alles auf dem Papier zumindest ein wenig Sinn ergeben haben mag. Schließlich bekommen wir sogar noch ein wenig Action, die aber weder gut eingefangen ist, noch in den Film passt, weil wir bis dahin eben nie auch nur im Ansatz auf die Idee gekommen sind, dass es sich hier um einen Actionfilm handeln könnte. Darüber hinaus sind die Protagonistinnen auch nie als Actionheldinnen in der Geschichte etabliert worden. Sie machen zwar selbst bei höherem Tempo weiterhin nicht viel, aber die intendierte Action wirkt dennoch wie ein Fremdkörper. Dazu kommt noch ein Soundtrack, der Irritationen auslöst. Er passt nicht zu einem film noir, sondern eher zu einem Art-House-Streifen, mit dem der Film die Stimmung von Hoffnungslosigkeit teilt. Dann wiederum wirkt es aber so, als hätte es der Regisseur auf ein düsteres Drama abgesehen.

Mit jeder voranschreitenden Minute hat sich bei mir der Eindruck verschärft, dass "Project Y" ein Identitätsproblem hat. Das Ende unterstreicht das nur einmal mehr. Einzelne Szenen wirken nett, aber als gesamtes Paket wird da noch lange kein Film draus. Der Film findet einfach nicht den passenden Ton für die Geschichte, die erzählt werden soll. Daneben ist nicht einmal klar, welche Geschichte hier genau erzählt werden soll. Am Ende artet es sogar in eine Rachegeschichte aus. Insgesamt wirken die Bilder zwar poliert, aber auch irgendwie billig. Als hätte man versucht, einen film noir zu emulieren, ohne die Essenz des Genres begriffen zu haben. Das ist alles besonders schade, da die beiden Darstellerinnen in einem Film dieser Art eigentlich gut aufgehoben gewesen wären. Aber alles, was sich hinter der Kamera abspielt, wirkt unausgegoren und macht "Project Y" zu einem vergessenswerten Gangsterthriller.
