Story: Ji-won (Ha Ji-won) ist Journalistin und wird nach einem ihrer Artikel von einem Fremden bedroht. Um
den Drohungen zu entgehen, taucht sie für's Erste unter, wobei ihr ihre Freundin Ho-jeong (Kim Yu-mi) und deren
Ehemann Chang-hoon (Choi Woo-jae) behilflich sind, die ihr ihr Zweithaus als Unterkunft zur Verfügung stellen.
Ji-won wechselt außerdem ihre Telefonnummer. Eines Tages bekommt sie jedoch einen merkwürdigen Anruf auf ihr Handy,
der zufälligerweise von der Tochter Ho-jeongs beantwortet wird. Seit jenem Tag benimmt sich die
kleine Yeong-ju (Eun Seo-woo) sehr merkwürdig.
Die merkwürdigen Anrufe hören nicht auf und Ji-won macht sich auf die Suche nach dem Anrufer. Dabei findet sie heraus,
dass die zwei Personen, die zuvor ihre Handynummer hatten beide unter mysteriösen Umständen gestorben sind. Es
scheint so, als wenn ein Geist auf einem Rachefeldzug sei, der nun Besitz von Yeong-ju genommen hat.
Langsam kommt Ji-won dahinter, dass der Geist des Mädchens Jin-hee (Choi Ji-yeon) hinter der ganzen Sache steckt.
Jin-hee hatte einen unbekannten Freund, der sie eines Tages nicht mehr sehen wollte. Doch Jin-hee hielt an ihrem
Freund fest, bis sie schließlich eines Tages spurlos verschwand. Doch was hat das alles mit Ji-won und Yeong-ju,
sowie deren Eltern zu tun?
Kritik: "Phone" orientiert sich zweifellos an dem Klassiker "Ring" von Hideo Nakata. Doch hat der Film
gegenüber etlichen anderen Klonen eindeutig den Vorteil, dass es aus Korea zum Erscheinungsdatum von "Phone"
kaum Horrorfilme mit dieser Thematik gab. Das macht den Film natürlich nicht origineller, aber zum Glück
versucht Regisseur Ahn Byeong-ki ("Nightmare") in seinem Werk auch mehr charakterorientiert an die Sache heranzugehen.
Das verlagert den Schwerpunkt etwas vom typischen Asienhorror weg, ohne auf einige gute Schocker verzichten zu
müssen, und sorgt dafür, dass der Film nicht in der Flut so vieler "Geist-des-Mädchens-mit-schwarzen-Haaren"-Horrorfilmen
untergeht. Auch wenn sich eben diesem Klischee auch bedient wird.
"Phone" hat mir wieder einmal gezeigt, dass man sich erstmal an die Machart asiatischer Filme gewöhnen muss um diese
wirklich würdigen zu können. Ich erinnere mich noch gut, wie ich den Film vor ca. 2 Jahren gesehen habe und ihn
eher langweilig und zu kompliziert fand. Vielleicht lag das auch daran, dass ich damals die verschiedenen Gesichter
nicht voneinander unterscheiden konnte? Oder wohl eher, dass ich einfach zu müde für einen solchen Film war, so dass
ich mehrmals eingeschlafen bin...
Allerdings absolut zu unrecht! "Phone" ist ein packender und intelligenter Horrorfilm, der einige schöne Überraschungen
und Twists bereithält. Darüber hinaus bietet er gute Schauspieler, eine spannende Atmosphäre und ist auch technisch
top.
Zugegeben, der Film macht es einem nicht immer leicht. Erzähltechnisch ist der Film zwar interessant, andererseits
aber auch verwirrend. Mit etlichen Rückblenden, die eben nicht immer sofort offensichtlich sind, werden die
Geschichten der einzelen Personen erzählt. Dabei lässt sich der Film auch Zeit, so dass der Fokus manchmal zu sehr auf
nur ein paar Personen liegt und man zu den anderen später kein emotionales Band mehr hat. Außerdem sind diese
Rückblenden und Traumsequenzen so oft eingebracht, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, ob eine Szene jetzt
gerade real ist, oder nicht. Ein gutes Beispiel dafür ist die Nebengeschichte um den Stalker, der Ji-won
belästigt. Die Sache ist so merkwürdig und ohne eine weitere Erwähnung abgehakt, dass man meinen könnte, dass das alles
ebenfalls nur ein Traum war.
Wer genau daran Schuld ist, dass der Film manchmal etwas zu zusammengeschnitten wirkt ist eigentlich egal, denn allzu
frustrierend ist es im Endeffekt dann doch nicht für den Zuschauer. Die meiste Zeit kann man gut den Überblick
behalten und man wird erfreulicherweise auch immer dazu angehalten genau aufzupassen.
Schauspielerisch bekommt man hier einiges geboten. Ha Ji-won gibt eine gute Darstellung ab und wurde damals
sogar von der Presse als die neue Horrorqueen bezeichnet. Naja, daraus wurde dann ja nichts, denn sie machte sich
zukünftig einen Namen mit Rom-Coms wie "100 Days with Mr. Arrogant" oder "Sex is Zero". Das ist schade, denn Ha Ji-won
besitzt ein unleugbares schauspielerisches Talent, das eben nur in intensiveren und aspruchsvolleren Rollen
wirklich zur Geltung kommen kann. Hier zeigt sie uns etwas davon. Leider ist ihr Charakter aber eben nicht immer
im Zentrum des Geschehens, so dass sie ab und zu etwas zu kurz kommt.
Kim Yu-mi ("The Doll Master") und Choi Woo-jae geben ebenfalls eine gute Show ab, doch heimlicher Star des Films ist
die kleine Eun Seo-woo. Anfangs noch das liebe, süße Mädchen wird sie ein richtiger Psychopath, deren Gesichtsausdruck
einem alleine schon das Blut in den Adern gefrieren lässt. Sie ist nicht das typische mysteriöse "Ring"-Mädchen, sondern
ein angsteinflößendes Kind, das so aussieht als würde es einem jede Sekunde an den Hals springen wollen. Die
böse, extrovertierte Art des Mädchens und deren plötzliche "Reife" hauen einen einfach um! Das ist die bis dato beste
Leistung eines Jungdarstellers, die ich gesehen habe, und das schließt eben auch solche Rollen wie die
Haley Joel Osments in "The Sixth Sense" ein!
Wie schon gesagt, ist der Film technisch top. Schöne Aufnahmen, gute Sets und eine tolle Ausleuchtung der Szenen,
sowie ein passender Soundtrack lassen einen tief in den Film eintauchen. Natürlich gibt es auch ein paar nette
Schockmomente, doch sind diese schon weit im Voraus zu erkennen. Es reicht aber allemal, dass man sich öfters im
Zimmer umschaut, ob auch wirklich niemand da ist...
Die Stärken des Films sind jedoch die gut ausgearbeiteten Charaktere und deren Motivationen und Geheimnisse. Die
Story ist gelungen und bietet einige schöne Wendungen. Das Tempo mag zwar manchmal etwas langsam sein, aber es wird
durchgehend eine spannende Atmosphäre aufrecht erhalten. Ji-wons Suche nach der Wahrheit und die Auflösung mögen
vielleicht etwas zu viele Zufälle beinhalten, doch verzeiht man das gerne, da der Film mehr mit den Charakteren
arbeitet, als nur auf billigen Horror zu setzen, wie es heutzutage gerne getan wird.
Gute, gruselige Unterhaltung, die durch eine tolle Besetzung und gute Story zu überzeugen weiß.