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Original Title:
Hak bak do

Hong Kong 2006

Genre:
Crime, Drama

Director:
Herman Yau

Cast:
Nick Cheung
Anthony Wong
Francis Ng
Derek Tsang
Rain Li
Johnny Chen
Poon Yuen-Leung
Frankie Chin
Pauline Yam
Chik King-Man
Raymond Tsang
Eddie Pang


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On the Edge

Story: Harry (Nick Cheung) arbeitet schon seit acht Jahren undercover. Nachdem er vier Jahre lang Beweise gegen seinen Boss Dark (Francis Ng) gesammelt hat, schlägt die Polizei zu und bringt diesen hinter Gitter. Für Harry bedeutet dies, dass er endlich wieder als normaler Polizist arbeiten kann. Er muss allerdings herausfinden, dass seine Kollegen ihm nicht vertrauen und ihn immer noch zu den Gangstern zählen, die er verraten hat.
Seine ehemaligen Freunde in der Triadenorganisation, allen voran Mini B (Derek Tsang), hat er verloren, und selbst seine frühere Freundin Cat (Rain Li) will nichts mehr von ihm wissen. Überdies bekommt Harry auch noch den taffen Cop Lung (Anthony Wong) zur Seite gestellt, der es mit den Regeln nicht so genau nimmt und gerne mal handgreiflich wird. Harry trifft auf Streife ehemalige Freunde wieder und muss diese nun auf der anderen Seite des Gesetzes stehend, wie Gangster behandeln, was für seinen Partner Lung als Freibrief dient diese misshandeln zu dürfen. Immer mehr muss Harry einsehen, dass er nicht weiß wo er jetzt in der Welt steht. Er wird von seinen Kollegen nicht als Cop akzeptiert, die Abteilung für Innere Angelegenheiten beschattet ihn, und er hat all seine Freunde verloren. In einer Identitätskrise steckend, wird Harry dann auch noch von Tung (Johnny Chen) reingelegt, der Darks Platz einnehmen will.

Kritik: Herman Yau schafft mit seiner Rückkehr zu den guten alten HK-Zeiten ein interessantes Drama, das leider aber zu oft verspricht, auch ein Action-Thriller zu sein. "On the Edge" ist aber keineswegs so unterhaltsam, wie man es sich gewünscht hätte und so bleibt der interessante Grundplot mitsamt einiger schöner schauspielerischer Darbietungen das Einzige was einem nach dem Film in Erinnerung bleiben wird. Yaus Werk bleibt damit klar hinter dem zurück was dieses Drama hätte werden können, was ohne Zweifel auch an seiner schlichten Regie und einem etwas strukturlosen Script liegt. Wie erstaunlich wenig emotional mitnehmend der Film ist wird gerade nach dem Antiklimax-artigen Finale offensichtlich. Yaus Blick auf die Welt der Gangster und das Drama eines Undercover-Polizisten erweist sich als zu distanziert und unterkühlt erzählt um den Zuschauer wirklich bis zum Schluss bei Laune halten zu können. Dennoch sind die Ambitionen des Regisseurs nicht zu verkennen und zumindest teilweise hat er auch Erfolg einen Film zu schaffen, der sich nahtlos in das einreiht, was das Hong Kong Kino früher ausgemacht und erfolgreich gemacht hat.

Der Plot mag sich ein wenig nach "Infernal Affairs" anhören, aber Undercover-Storys hatten bei HK-Filmen schon immer Hochkonjunktur. Diesmal konzentriert man sich aber auf das Leben nach erfolgreich abgeschlossener Undercover-Operation. Unser Held Harry muss herausfinden, dass er nicht mehr wirklich ein Polizist ist, zumindest wenn es nach seinen Kollegen geht. Er ist ein Außenseiter unter seinen Kollegen und wird nicht einmal zu den gemeinsamen Besprechungen zugelassen. Für Harry ist das umso härter als dass er große Opfer bringen musste um wieder zur Polizei zurückkehren zu dürfen. Seine Freunde nennen ihn einen Verräter und selbst seine Freundin wendet sich von ihm ab. Rain Li, die Cat spielt, hat zwar einige emotionale Szenen mit Nick Cheung, aber gerade in diesen wird offenbar wie wenig der Film auf dieser Ebene bieten kann. Irgendwie fehlt es diesen Szenen an irgendetwas. Vielleicht ist auch Nick Cheungs etwas melancholisches Schauspiel Schuld daran.

Ohnehin konnte ich niemals verstehen warum Cheung soviel Lob als Schauspieler bekommt. Klar, er ist nicht wirklich schlecht und da es ihm irgendwie an Charisma mangelt ist er ein besonders interessanter Darsteller, aber meistens wirken seine Darbietungen doch immer etwas distanziert und kühl. Das ist hier nicht anders, aber immerhin passt es gut in den Film und zu seiner Rolle, so dass man ihm eigentlich keinen Vorwurf machen kann. Es ist vielmehr die trockene Regie und das langsame Tempo, das einen immer wieder Abstand zu den Geschehnissen auf dem Bildschirm gewinnen lässt. Glücklicherweise ist "On the Edge" aber vollgepackt mit tollen Nebendarstellern. Anthony Wong überzeugt uns davon, dass Cops manchmal schlimmer und brutaler als Gangster sein können, ohne dass er dabei einfach zu einem Abziehbild des bösen Cops verkommt. Besonders gegen Ende darf er in seiner Rede beweisen, dass mehr hinter seinem Charakter zu stecken scheint als man zuerst angenommen hat.
Francis Ng gibt wahrscheinlich die beste schauspielerische Leistung ab. Er ist zwar ein Gangster, aber ein sehr liebenswürdiger und charismatischer. Ebenfalls nicht zu verachten ist Derek Tsang, Sohn von Eric Tsang, der hier den wahrscheinlich am vielschichtigst anmutenden Charakter spielt. Neben all diesen tollen Leistungen verblasst Nick Cheungs Darbietung dann auch nur allzu oft.

Um die Story aufzuwerten und den Film etwas spannender zu machen wird die Gegenwart immer wieder durch Zeitsprünge in die Vergangenheit erläutert. Zuerst mag man bei dem vielen Gespringe durch die Zeitebenen durcheinander kommen, aber glücklicherweise dient einem Cheungs unterschiedliche Haarfarbe immer wieder als Orientierungspunkt.
In "On the Edge" gibt es keine Schnörkel oder Spielereien. Ein direktes und einfaches Drama ist alles was wir hier bekommen, und etwas anders gehandhabt hätte das auch schnell zur Stärke des Films werden können. Aber dieses Problem scheint Regisseur Yau oft mit seinen Filmen zu haben. So bleibt einem nur die interessante Idee von Harrys Charakter, der auf einer Straße zwischen Schwarz und Weiß wandert, wobei er schließlich selbst immer mehr in Zweifel darüber gerät, wer er eigentlich ist. Besonders interessant ist ein Mord, den Harry seinem Vorgesetzten verheimlicht. Mini B wurde zum Krüppel als er Harry beschützt hat, woraufhin er den Täter erledigt. Hier zeigt sich wie gut die innere Zerrissenheit von Harrys Charakter auf den Bildschirm gebracht wurde, denn der Zuschauer selbst macht Harry für sein Stillschweigen keinen Vorwurf, obwohl der Mord selbst eigentlich äußerst brutal war.

Action wird man abgesehen von einer schönen Auto-Verfolgungsjagd gegen Ende kaum vorfinden. "On the Edge" ist ein Drama, das von seiner Grundidee intelligent ist, aber zu kühl präsentiert wird. Außerdem ist der Antiklimax irgendwie frustrierend. Was dieses Drama aussagen will ist nicht wirklich subtil verpackt, wie auch die Schrifttafel am Ende des Films zeigt. Ein Undercover-Cop zu sein ist nicht leicht und stellt einen zwischen zwei Welten. Dies muss wiederum irgendwann zu einer Identitätskrise führen, die hier anhand von Harrys Charakter und etlichen Szenen mit seinen früheren Freunden und neuen Kollegen erfolgreich präsentiert wird. Was dem Film fehlt ist einfach ein wenig mehr Action oder Thrill. Zumindest hätte man aber darauf achten können, dass das Tempo nicht so oft einsackt.
"On the Edge" ist ein ordentlicher Film, der mit Sicherheit das gewisse Etwas hat, aber auf zu vielen Gebieten nicht das liefert, was er verspricht. Wenn man sich anschaut was heutzutage für Filme aus Hong Kong kommen muss man Yau danken, dass er sich dem früheren anspruchsvollen HK-Kino zuwendet. Alleine deshalb ist der Film schon empfehlenswert. Das kleine Meisterwerk, das viele andere Filmkritiker in ihm sehen, konnte ich jedoch nicht erkennen.

(Autor: Manfred Selzer)
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