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Original Title:
Chong lai

China, France, Hungary 2009

Genre:
Drama

Director:
Chao Wang

Cast:
Li Naiwen
Yan Bingyan
Wang Jianing
Jiao Gang
Wang Juan


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Memory of Love

Story: Der Arzt Li Xun (Li Naiwen) ist seit ein paar Jahren mit He Sizhu (Yan Bingyan) verheiratet. Als die beiden auf einer Party von Lis Freund und Kollegen Qian Cheng (Wang Jianing) sind, der offenbart, dass er bald heiraten wird, betrinkt sich Li und wird anschließend von seiner Frau nach Hause gebracht, die dann selbst noch einmal wegfährt. Am nächsten Morgen erfährt Li im Krankenhaus, dass seine Frau in einen Autounfall verwickelt war, zusammen mit einem anderen Mann, dem Tanzlehrer Chen Mo (Jiao Gang). Obwohl es in Lis Ehe schon seit einiger Zeit nicht wirklich optimal lief, ist er über die Untreue seiner Frau schockiert. Darüber hinaus leidet Sizhu nun an Gedächtnisverlust und hat die letzten drei Jahre vergessen. Sie ist frisch verliebt in Li, doch dieser und sein Freund Qian sind sich darüber im Klaren, dass sie Sizhu langsam wieder an die Ereignisse der letzten Jahre heranführen müssen, damit sie ihr Gedächtnis wiedererlangt. Dazu gehört auch den Tanzlehrer zu konfrontieren, selbst wenn das bedeuten sollte, dass sich Sizhu erneut für ihn entscheiden sollte und Li, der seine Frau immer noch liebt, Abschied von ihr nehmen muss.

Kritik: "Memory of Love" ist ganz eindeutig Arthouse-Kino und zwar leider von der Sorte, die Kritiker blindlings ihre Bewunderung aussprechen lässt, weil sie anscheinend nicht in der Lage sind, zwischen wahren Meisterwerken des Genres und solchen Filmen, die nur versuchen wie Kunstkino auszusehen, unterscheiden können. Vielleicht mangelt es mir aber auch einfach an Verständnis bezüglich der Materie. Schon zahlreiche Filme gesehen und Kritiken über diese verfasst zu haben, ist vielleicht nicht genug. Wer weiß, irgendwann mag der Tag kommen, an dem auch ich Kunst ihr Kunstsein zugestehe und ohne Umschweife Werken mit einem gewissen Äußeren einen Daumen nach oben gebe. Doch noch ist dieser Tag nicht gekommen. Das bedeutet auch, dass ich nach wie vor daran festhalte, dass viele Kritiker anscheinend ihre positiven Bewertungen über Filme wie "Memory of Love" schreiben, weil sie befürchten, sonst als Idioten ihres Fachs angesehen zu werden. Kann es sein, dass manchen Kritikern einfach der Mut fehlt, ihre eigene Meinung zu sagen? Wie dem auch sei, das soll alles keineswegs bedeuten, dass "Memory of Love" ein wirklich schlechter Film ist.

Das größte Problem des Dramas, auf das ich gleich ohne Umwege kommen möchte, ist die Abgesondertheit von Emotion und Geschichte. Die Gefühle, die da sind, werden durch eine ungemeine Kühle und Distanz präsentiert, die es einem unmöglich machen, sich für die Charaktere zu interessieren. Mittlerweile bin ich wirklich allergisch, was das anbelangt. Genauso wie auf manipulativen Kitsch. Es ist doch keine bahnbrechende Weisheit mehr, dass in der Mitte die Wahrheit liegt! Jedenfalls verhalten sich die Charaktere hier völlig losgelöst von ihren Gefühlen. Das macht "Memory of Love" sehr anstrengend, zumal der Film auch nicht gerade mit einem schnellen Tempo oder einer großartigen Entwicklung der Geschichte für Kurzweil sorgen kann. Die Geschichte selbst ist aber keineswegs schlecht, nur hat man das Gefühl, das Thema in dem einen oder anderen Kunstfilm schon einmal gesehen zu haben. Es geht um Liebe, den Verlust von dieser, Erinnerung und was es bedeutet, Entscheidungen zu treffen.

Eine interessante Entdeckung gibt es in dem Film dann aber doch, wenn auch schon ziemlich zu Beginn. Es stellt sich nämlich heraus, dass Sizhu zuerst die Freundin von Qian war und sich hinter dessen Rücken mit Li getroffen hat, bis sie Qian verlassen hat. Und trotzdem sind Li und Qian immer noch die besten Freunde! So etwas kommt wohl nur recht selten vor... Von dieser Unglaubwürdigkeit einmal abgesehen, dürfte es Li dann aber nicht verwundern, dass Sizhu in alte Muster verfällt und sich hinter seinem Rücken mit einem anderen Mann trifft. Das bringt uns zu einem weiteren Kritikpunkt, denn der Latin-Dancer, mit dem sich Sizhu heimlich trifft, ist eine klischeehafte, flache Persönlichkeit, die den ganzen Dreh- und Angelpunkt des Films nicht funktionieren lässt. War Sizhu einfach nur unzufrieden mit Li und es kam ihr gar nicht darauf an, mit wem sie eine Affäre anfing? Doch woher rührt diese Unzufriedenheit? Weil Li so eine kühle Persönlichkeit ist? Diese Charaktereigenschaft trifft aber auf jeden in dem Film zu! Von Qian Cheng, kumpelhaft gespielt von Wang Jianing, einmal abgesehen.

Überraschend ist auch die Beständigkeit, mit der Li seine Frau durch ihre Vergangenheit führt. Dabei entdeckt er, zumindest sagt er das in einem Voice-Over, dass er seine Frau mindestens noch genauso liebt wie früher. Sein Liebesspiel ist aber erstaunlich emotionslos und auch ansonsten scheint er mit dem Geist woanders zu sein. Nicht nur, dass er exakt das gleiche Hochzeitsfoto noch einmal anfertigen lässt, Li geht sogar so weit, dass er seiner Frau von dem Tanzlehrer erzählt und sie mit ihm konfrontiert. Man könnte doch erwarten, dass Li Zweifel kommen könnten, ob dies die richtige Entscheidung ist, wenn er seine Frau nicht verlieren will, aber hier nicht. Es scheint beinahe so, als wenn er sie schon verloren hätte. Klammert er sich dann nur noch an eine letzte Hoffnung, dass sie sich letztendlich diesmal doch für ihn entscheidet, und woran liegt es, dass er alles andere liegen lässt und mit seiner Frau durch diese Krise zu gelangen hofft?

Wegen der mangelnden Gefühle mag die Geschichte nicht so gut funktionieren, wie sie sich auf dem Papier angehört haben mag. Viel interessanter ist da schon Qian Chengs Party und seine Heirat, die in ein paar kurzen Szenen angeschnitten wird. Seine Frau scheint sehr materialistisch zu sein und ihn nicht wirklich zu lieben. Ist das die ehrlichste Form der Vermählung, die sich Qian nach seiner Enttäuschung mit Sizhu vorstellen kann? Es gibt ein paar lohnenswerte Fragen, die man im Verlauf des Films stellen kann, aber Mangel an emotionaler Involviertheit, der auch durch die HD-scharfen, von einem kühlen Blauton dominierten Bilder erzeugt wird, lässt den Film an einem unbedeutend vorbeiziehen. Mit seinen gerade mal 92 Minuten Laufzeit ist diese chinesisch-französisch-ungarische Co-Produktion glücklicherweise nicht unnötig lang geworden, Längen gibt es aber dennoch. Da es dem Drama außerdem an wirklich guten Ideen mangelt und man alles schonmal so oder so ähnlich gesehen hat, kann nur bewertet werden, inwieweit "Memory of Love" emotional berühren kann. Und darauf lautet die kühle Antwort: Fast gar nicht!

(Autor: Manfred Selzer)
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