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Original Title:
Isabella

Hong Kong 2006

Genre:
Drama

Director:
Pang Ho-Cheung

Cast:
Chapman To
Isabella Leong
Anthony Wong
Derek Tsang
Shawn Yue
Steven Cheung
Josie Ho
J.J. Jia
Wan Yeung Ming


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Isabella

Story: Es ist Sommer 1999, kurz bevor Macau an China zurückgegeben wird. Da die Politiker bei der Übergabe gut dastehen wollen, wird verstärkt gegen die alles dominierende Korruption vorgegangen. Shing (Chapman To) ist einer der vielen Polizisten gegen die ermittelt wird. Vorübergehend vom Dienst suspendiert lebt er in einem heruntergekommenen Apartment und vergnügt sich jeden Tag mit einer anderen Prostituierten. Eines Morgens jedoch findet er die junge Yan (Isabella Leong) in seiner Wohnung vor. Diese erzählt ihm dann sobald, dass sie seine Tochter ist, von der er nicht mal wusste, dass er sie hat!
Yan tritt in Shings Leben da ihre Mutter vor kurzem an Lungenkrebs gestorben ist, sie ihre Miete nicht bezahlen kann und nun aus ihrer Wohnung ausgesperrt ist. Außerdem sucht sie nach ihrem Hund Isabella. Shing hilft Yan tatsächlich und sorgt fortan für sie. Die zwei kommen sich immer näher und es entsteht langsam eine Vater-Tochter Beziehung. Shing und Yan verbringen einige schöne Wochen miteinander, wobei sich Shing wieder an seine erste Freundin, Yans Mutter, erinnert fühlt. Doch Shing weiß, dass ihm das Gefängnis droht. Soll er mit seiner Tochter das Land verlassen? Und hat er tatsächlich mit ihr die Nacht verbracht?

Kritik: "Isabella" ist ein charakterorientiertes Drama über die Liebe in seinen verschiedenen Formen, Verlust und Reue. Aufmerksamkeit erregte der Film als er 2006 bei den Berliner Filmfestspielen den Silbernen Bären für die beste Filmmusik bekam. Absolut zurecht, denn Peter Kam ("Perhaps Love") schafft einen sehr eingängigen Soundtrack, der die Stimmung des Films immer perfekt einfängt und absichtlich gerne mal etwas mehr im Vordergrund der Szenen steht als es für einen Film normalerweise üblich ist.
Davon abgesehen ist "Isabella" tatsächlich aber auch für sich genommen ein kleines Highlight in der Rubrik "ruhiges Hong Kong Drama". Regisseur Pang Ho-Cheung hat sich mit Filmen wie "Men Suddenly in Black" oder "Beyond our Ken" schon einen sehr guten Namen gemacht, beweist mit seinem neuen Werk aber noch mehr Feingefühl und geht wesentlich ernster an die Materie. Heraus kommt ein Drama, wie man es von der ehemaligen britischen Kronkolonie schon lange nicht mehr gesehen hat.

Pang spielt gerne mit dem Zuschauer und so beherbergen schon die ersten Minuten einige schöne Twists und Schocks. Shing könnte mit seiner Tochter geschlafen haben, aber warum hat diese dies nicht verhindert, wenn sie wusste, dass er sein Vater ist. Viele Antworten bekommen wir erst später geliefert oder schon vorher ohne es zuerst zu ahnen. Es gibt einige Zeitsprünge und Rückblenden im Film und so ergeben einige Szenen wie die billig wirkende Anmache Shings ganz am Anfang, erst später einen Sinn und erweisen sich als wichtig für die Story. Diese muss dann eben auch an dieser Stelle einmal besonders gelobt werden, denn normalerweise machen es sich Filmemacher bei Dramen leicht und setzen nur auf die Charakterentwicklung, wobei die Story an sich dann relativ minimalistisch bleibt. Nicht jedoch hier, denn sogar gegen Ende gibt es noch einige Offenbarungen mit denen wir so nicht gerechnet hätten und die somit die Spannung immer aufrecht erhalten können.

Sofort ins Auge springend ist die grandiose Cinematographie von Charlie Lam, der schon für "Jiang Hu" eine tolle Leistung hingelegt hat, hier aber sogar das Kunststück vollbringt die verrotteten Wände und heruntergekommenen Zimmer in einem künstlerisch glanzvollen Licht erstrahlen zu lassen. Die Aufnahmen in den Straßen Macaus zeigen zwar auch die Armut, aber sind doch immer mit einem Leuchten unterlegt, das die nicht zu leugnende Schönheit der Stadt betont. Warmes Licht, sich windende und zum Spaziergang einladende Straßen und eine von den Portugiesen beeinflusste Architektur prägen die wundervollen Außenaufnahmen. Regisseur Pang weiß genau, wie er die Bilder in seinen Film zu integrieren hat und so bekommt man fast schon ein nostalgisches Gefühl, als wenn man schönen alten Zeiten hinterhertrauern müsste. Kein Wunder, dass man hier Pang oft mit Wong Kar-Wai vergleicht, denn er erreicht die gleiche Klasse ohne auf seinen eigenen Stil verzichten zu müssen. Pang beweist sich als einer der ganz großen Filmemacher, von dem wir in Zukunft hoffentlich noch mehr dieser Art zu sehen bekommen.

Von einem Drama, das von seinen Charakteren lebt sollte man natürlich keine schnell geschnittenen Szenen erwarten, und so muten die Bilder allesamt mit Bedacht und Sorgfalt komponiert an. Wer sich nicht wirklich für Dramen dieser Art erwärmen kann, der wird das Tempo wohl an manchen Stellen als etwas zu langsam empfinden, doch gerade hier erweist sich "Isabella" eigentlich als nicht ganz so bedächtig erzählt wie manch anderes Werk.
Interessanterweise mangelt es dem Film trotz aller Glaubwürdigkeit und Tiefgang nicht an einigen äußerst witzigen Szenen. Diese ordnen sich aber vollkommen dem restlichen Stil des Films unter und können so unterhalten ohne vom eigentlich Wichtigen abzulenken.

Die schauspielerischen Leistungen können wirklich überraschen. Von Chapman To, der hier seine erste richtige Hauptrolle hat, ist man ja eher die lustige Nebenrolle gewohnt. Umso erstaunlicher ist es, dass er die Rolle von Shing mit einer erstaunlichen Glaubwürdigkeit und Subtilität erfüllt. Sein Minenspiel mag zwar oft etwas hölzern wirken, aber darüber sieht man gerne hinweg, da seine Porträtierung des korrupten Polizisten, der gezwungen ist mit seiner neuen Tochter zurechtzukommen und sich dabei durch seine Beziehung zu ihr zum besseren Menschen wandelt, ansonsten tadellos ist.
Absolut beeindruckend ist allerdings die Darstellung von Isabella Leong. Noch eine dieser gutaussehenden Canto-Postars, könnte man zuerst meinen. Doch Leong beweist mindestens so viel schauspielerisches Talent wie Fiona Sit, wenn nicht sogar ein gutes Maß mehr. Anscheinend bekommen viele der HK-Stars einfach nicht die Chance wirklich zu zeigen, was in ihnen steckt. Pang dagegen baut förmlich auf die Leistungen seiner Darsteller und wird nicht enttäuscht. Leongs Charakter ist sehr vielschichtig und sie meistert es mit Bravour kindliche Frechheit, Zorn, Trauer und ihre äußerst erwachsene Seite zu einer einzigen glaubwürdigen Persönlichkeit zusammenschmelzen zu lassen.
Darüberhinaus ist die Chemie zwischen Leong und To zu jeder Zeit gelungen und schafft so das Fundament für dieses außergewöhnliche Beziehungsdrama.

In ein paar Nebenrollen sind wieder einmal bekannte Gesichter zu sehen. Das reicht von dem kleinen Cameo von Shawn Yue, zu der eher platten Darstellung Derek Tsangs des fürsorglichen Freundes von Yan, bis zu der beeindruckenden Leistung von Anthony Wong als Shings Vorgesetzter mit einem Faible für gutes Essen. Wong beweist einmal mehr, dass er ein Meister darin ist anderen die Show zu stehlen und das obwohl er eigentlich immer nur mit vollem Mund mehr oder weniger am sinnlosen Quasseln ist.
Ein wenig irritierend mögen die ab und an eingeblendeten Texte sein, die einen eigentlich nur darüber aufklären, dass einige korrupte Polizisten gefasst wurden. Dennoch bekommt man so auf interessante Art und Weise das Gefühl, dass sich die Schlinge um Shings Hals immer enger zieht. Zum Glück wirkt Shing äußerst menschlich und sympathisch, so dass wir uns trotz seiner zuweilen schlechten Charaktereigenschaften tatsächlich für sein Schicksal interessieren.

Am Ende wachsen die Charaktere an ihrer Beziehung und werden tatsächlich zu besseren Menschen. Der Zuschauer begleitet sie gerne auf dieser Reise, da Pangs Film nicht nur trübsinnig und dramatisch ist, sondern eben auch eine gewisse Wärme und Zuversicht ausstrahlt. Der Regisseur lässt dabei absichtlich die Frage im Raum stehen, ob es sich bei der Beziehung der beiden um eine normale Vater-Tochter Beziehung oder doch eben um eine Liebesbeziehung handelt, so dass man den Film schlussendlich auf zwei verschiedenen Ebenen betrachten kann, wozu auch einige der Twists animieren. "Isabella" ist gerade deshalb ein Film, den man noch lange in Erinnerung behalten wird und der einen wirklich berühren kann.

(Autor: Manfred Selzer)
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