

Story: In einem Fischerdorf steht seit Generationen ein Tempel, in dem eine Walfigur aus Ambra verehrt wird. Vor 200 Jahren soll das seeuntüchtige Schiff einiger Fischer von einem Wal an Land gebracht worden sein. Seither wird der Wal, der sich dafür aufgeopfert hat, verehrt. Tam (Quang Tuan) ist der Nachfolger des Tempelwächters und ist wie alle im Dorf äußerst erfreut, als sein Bruder Tuan (Ma Ran Do) zum großen Fest, bei welchem dem Wal gedankt wird, aus der Großstadt ins Fischerdorf kommt. Man trinkt gelassen und hat einen schönen Abend, bis am nächsten Morgen die Ernüchterung einsetzt. Die wertvolle Ambra-Figur ist verschwunden und mit ihr auch Tuan. Tam und sein Freund Hoang (Tram Minh Hoang) fahren daher nach Saigon und versuchen Tuan ausfinding zu machen. Sie starten auf dem hiesigen Fischmarkt und bekommen von der Verkäuferin Ut Linh (Nguyen Thao) die Adresse von Tuan, während sie ihr gleichzeitig helfen, als sie von einigen Gangstern erpresst wird. Tam und Hoang finden heraus, dass die Geschäfte für Tuan überhaupt nicht gut liefen und er tief in Schulden steckt. Er hat sich von den falschen Leuten Geld geliehen und ist nun so verzweifelt, dass er die Ambra-Figur gestohlen hat, um sie zu verkaufen. Er schuldet ausgerechnet den gleichen Leuten Geld, mit denen sich Tam bereits auf dem Fischmarkt angelegt hat und so scheint das ganze nicht friedlich geregelt werden zu können ...

Kritik: Ich kann wohl an einer Hand abzählen, wie viele vietnamesische Filme ich bisher gesehen habe. Zuletzt "Furies", ein Actionstreifen, mit dem eigentlich gut gezeigt wurde, dass das Land Action durchaus kann, aber wirklich viel hat sich bisher nicht auf mein Radar verirrt. Bis ich durch Zufall von dem eigentümlich betitelten "Fish, Fists and Ambergris" gehört habe. Eine Zeitreise in die 80er, in denen Klamauk noch Spaß gemacht hat, ganz im Stile eines Jackie Chans, inklusive knochenbrecherischer Stunts? Hört sich auf jeden Fall nach meinem Geschmack an. Und tatsächlich kann ich bereits vorweg schicken, dass diese Actionkomödie gerade beim Humor exakt die richtigen Noten trifft. Es ist die Art von Slapstick, die bereits bei "Kung Fu Hustle" funktioniert hat und der Film macht auch keinen Hehl daraus, woher er seine Inspiration nimmt, da es einige schöne Querverweise gibt. Bei der Action versucht man sich dann bei Jackie Chan und den brutalen Stunts eines "Ong Bak" zu orientieren, was letztlich einfach ein ungemein unterhaltsames Chaos kreiert.

Genau genommen hat man sich aus dem thailändischen Tony Jaa-Streifen sogar die Prämisse genommen, die damit also völlig vernachlässigbar wäre, wenn sie nicht in einem Fundament der Zusammengehörigkeit und Bruderschaft gegründet wäre. Diese erreicht nämlich auf dramatischer Ebene mehr, als man erwartet hätte. Das schließt nicht nur, wie naheliegend ist, die Geschichte der beiden Brüder ein, sondern die Gemeinschaft des ganzen Fischerdorfes, in dem man sich gegenseitig unterstützt und jeder trotz seiner rauen Seiten sehr herzlich ist. Gleich zu Anfang bekommen wir bei einem gemeinsamen Essen und Umtrunk allerlei Blödsinn, bei dem sich schon der Humor des Streifens abzeichnet. Die Dialoge sind sympathisch geschrieben, Sticheleien lassen uns auf humoristische Weise etwas über die Charaktere erfahren - nichtsdestotrotz bleiben die Personen natürlich eher grob gezeichnet - und so wartet man hier eben nicht auf die nächste Actionsequenz und langweilt sich in den Zwischenphasen, sondern kann dank des Humors die ganze Zeit über Spaß haben.

Ein Beispiel für den Witz der Dialoge und die sich entwickelnden Beziehungen ist, als Tam, unser ehrenhafter, ernster, eher stiller Held, sich mit Ut Linh konfrontiert sieht, die ein Auge auf ihn geworfen hat. Gute Freunde nennen sich in Vietnam dann schonmal Schwester oder Bruder, aber das Mädchen meint, Tams Brüder könne sie doch gleich Schwägerin nennen, worauf es Hoang durchzuckt, weil er wegen dieser Peinlichkeit eine Gänsehaut bekommt. Solche Szenen, die auf dem Papier eher schwierig umzusetzen wirken, treffen in "Fish, Fists and Ambergris" jedes Mal genau ins Schwarze. Gerade auf physischer Ebene überzeugen die Slapstick-Momente und ich habe mich selbst gewundert, dass mir im Nachhinhein nicht eine Szene in Erinnerung geblieben ist, die etwas zu überdreht gewirkt hätte. Hierbei spielen natürlich auch kulturelle Erwartungen von Humor eine große Rolle, aber ich kann voller Überzeugung sagen, dass der Humor auch ein internationales Publikum abholen wird. Viel ist hier auch den Nebencharakteren zu verdanken.

Speziell in den Kämpfen obliegt es Hoang die Rolle des Clowns zu übernehmen, auch wenn er sich zweifellos verteidigen kann, wenn es darauf ankommt. Sein Kampfstil beinhaltet aber hauptsächlich die Umgebung miteinzubeziehen und auf diese Weise seine Gegner zu verspotten. Er ist aber auch nie um einen Kommentar verlegen, wenn er selbst etwas abbekommt. Neben dem Humor können die Kämpfe aber eindeutig überzeugen. Mir persönlich hat noch der letzte Schliff gefehlt, da es oft so wirkt, als würde man knochenbrecherische Stunts abliefern wollen, dabei aber eben doch ein wenig die Gesundheit der Beteiligten im Auge behalten. Das ist wohl auch besser so, aber echte "Wow"-Momente wie in "Ong Bak" gibt es hier nicht. Ein paar überraschende Sequenzen haben aber dennoch ihren Weg in den Film gefunden. Gegen Ende dreht die Choreografie auch nochmal auf. Ich muss aber bei den Kämpfen vor allem loben, dass Regisseur Duong Minh Chien immer weiß, wann es genug des Guten ist und wieder mit den Charakteren arbeitet. Das Tempo des Films ist damit eine der größten Pluspunkte des Films.

Mir hat jedoch über lange Zeit ein ernsthaft gefährlicher Bösewicht gefehlt. Tam kann einfach jeden im Kampf ausschalten. Wenigstens werden ihm auf originelle Weise auch ein paar Steine in den Weg gelegt, warum er nicht mit voller Kraft kämpfen kann, aber das ist letztlich etwas zu wenig. Als dann endlich doch ein ihm augenscheinlich überlegener Kämpfer auftaucht, ist das fast schon etwas zu spät. Trotzdem kann sich das Finale sehen lassen. Dazu kommen noch ein paar emotionale Szenen, die einem erstaunlich nahegehen, wahrscheinlich weil man die Charaktere so liebgewonnen hat. Auf zwischenmenschlicher Ebene verpasst es die Geschichte auch nicht, die komplizierte Beziehung zwischen Tam und Tuan auszubauen, wobei gerade Tuan komplexer wirkt, als typisch in einer solchen Actionkomödie ist. Das Maß an Gefühl und Humor sowie mehr als solider Action macht "Fish, Fists and Ambergris" somit zu einer äußerst unterhaltsamen Achterbahnfahrt und einem der besten Actionkomödien im Stile der Hong Kong 80er der letzten Jahre. Definitiv empfehlenswert!
