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Original Title:
Lanse damen

Taiwan, France 2002

Genre:
Drama, Romance, Comedy

Director:
Yee Chin-yen

Cast:
Guey Lun-mei
Chen Bo-lin
Liang Shu-hui
Joanna Chou


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Blue Gate Crossing

Story: Meng Kerou (Guey Lun-mei) und Lin Yuezhen (Liang Shu-hui) sind die besten Freundinnen. Die zwei Mädchen haben mit dem typischen Alltag in der Schule zu kämpfen und zumindest Yuezhen unterhält sich auch gerne mal über Jungs. Einen von ihnen mag sie besonders, den Schwimmer Zhang Shihao (Chen Bo-lin). Doch sie ist zu schüchtern um ihn anzusprechen und so schickt sie ihre Freundin vor um ihn auszufragen, ob er eine Freundin hat.
Shihao glaubt, dass Kerou sich ihre Freundin nur ausgedacht hat und sie in Wirklichkeit selbst an ihm interessiert ist. Sein Eindruck verstärkt sich als er einen Liebesbrief von Yuezhen bekommt, den diese allerdings mit Kerous Namen unterschrieben hat. Shihao beginnt Interesse an Kerou zu haben und geht schließlich mit ihr aus. Aber diese verhält sich äußerst kühl und abweisend. Dennoch werden die beiden sowas wie Freunde und schließlich erzählt Kerou ihm ihr Geheimnis: Sie glaubt, dass sie Frauen mag. Im Speziellen Yuezhen, doch diese weiß davon nichts.
Kerou ist von ihren Gefühlen verwirrt und sie hat nicht den Mut ihrer Freundin ihre Gefühle zu offenbaren. Darüber hinaus scheint Shihao immer nocht nicht das Interesse an ihr verloren zu haben. Aber was ist mit den Gefühlen ihrer Freundin und welchen Weg wird Kerou letztendlich einschlagen?

Kritik: "Blue Gate Crossing" ist eines jener Dramen, die einen mit ihrer Simplizität begeistern können. Regisseur Yee Chin-yen schafft einen außerordentlichen Film über das Erwachsenwerden und die Homosexualität, ohne dass letzteres Thema zu sehr in den Vordergrund tritt oder dem Werk im gesamten einen zu schweren Unterton gibt. Stattdessen erzählt Yee seine Geschichte mit viel Bedacht und legt mehr Wert auf die Charaktere, sowie deren Entwicklung und Heranreifen im Laufe des Films. Dennoch wird die Konfusion Kerous bzgl. ihrer sexuellen Orientierung mit Fingerspitzengefühl und sehr subtil in den Film eingearbeitet. Auf diese Weise wirkt die Geschichte nicht annähernd so altbekannt wie sie hätte werden können, sondern verzaubert uns mit glaubwürdigen Charakteren und deren Problemen.

Mit ruhigen, einfachen und dennoch wunderschönen Bildern zeichnet uns Yee ein beeindruckendes Bild von Taipei und seinen Straßen, entführt uns in die Schule, eine leere Aula oder ein Schwimmbad. Die Settings sind alle sehr schön, doch der Fokus liegt wie gesagt auf den einzelnen Personen und nicht auf den Umgebungen.
Meng Kerou wirkt leicht jungenhaft und kühl, ist aber äußerst selbstsicher. Während ihre Freundin Yuezhen immer ein Spiel spielt bei dem sie die Augen schließt und erzählt wie sie sich in der Zukunft mit einem Ehemann/Freund sieht, kann Kerou nichts sehen, wenn sie an ihre Zukunft denkt. Diese Szene hat eine wichtige Bedeutung, denn sie spiegelt Kerous Unsicherheit bzgl. ihrer sexuellen Orientierung wider.

Für ihre Freundin spricht Kerou den Schwimmer Shihao an und die beiden lernen sich besser kennen. Für den Zuschauer ist es bisher nicht wirklich zu durchschauen, dass Kerou mehr an Mädchen als an Jungen interessiert zu sein scheint. Wir denken uns eher, dass Kerou nichts mit Shihao anfängt und sich ihm gegenüber so abweisend verhält, weil sie nicht ihre Freundschaft mit Yuezhen zerstören will. Doch "Blue Gate Crossing" macht es sich keinesfalls so einfach eine typische Dreiecksbeziehungsstory zu erzählen, sondern bietet mehr Subtilität. So fragt man sich dann schließlich warum die beiden dann dennoch fast schon miteinander ausgehen und vor allen Dingen warum Kerou ihren "Freund" fragt, ob er sie küssen will. Die Fragezeichen werden noch größer als sie die selbe Frage ihrem Sportlehrer stellt, aber schlussendlich macht dann alles einen Sinn.

Obwohl eigentlich nicht viel im Leben dieser Teenager passiert, sind es doch gerade die Kleinigkeiten, die für die Heranwachsenden zu ernsthaften Problemen werden. Außerdem ist da dann ja noch Kerous eventuelle sexuelle Orientierung, die jeglichen gesellschaftlichen Normen widerspricht. Doch obwohl Regisseur Yee tiefgründige Charaktere schafft, besitzt sein Film einen ungewohnt leichtfüßigen, ja manchmal sogar fröhlichen Unterton. Das mag den Film ein wenig seiner Tiefe berauben, macht ihn dafür aber auch besser verdaulich.
Am herausragendsten sind natürlich die schauspielerischen Leistungen von Guey Lun-mei, die Kerou spielt. Ihre Unsicherheit, die sie hinter einer Maske aus Eis versteckt scheint immer wieder durch und dennoch wirkt sie nicht so kühl, dass man nicht mit ihr sympathisieren könnte. Chen Bo-lin gibt als Freund Shihao eine ebenfalls sehr überzeugende Darstellung ab, denn auch er versteckt unter seiner Oberfläche seine Verletzlichkeit und Unsicherheit. Nur Yuezhen bleibt leider viel zu flach und wirkt manchmal sogar wie ein Stereotyp der besten Freundin.

Gerade in den Dialogen treten die Stärken des Films deutlich hervor, denn diese sind eigentlich nicht besonders tiefsinnig, sondern stechen vor allen Dingen durch ihren repetierenden Charakter hervor. Das lässt die Dialoge sehr echt wirken und beraubt den Film jeglicher unglaubwürdiger Perfektion im Gesprochenen, wie man es so oft in Dramen zu sehen bekommt. Wenn die Charaktere miteinander Worte wechseln, dann hat man das Gefühl, dass es sich hier um reale Menschen handelt.
Der iterative Stil findet sich auch in den Szenen und Schauplätzen selbst wieder. Manche Szenen kehren fast 1 zu 1 wieder, doch dann natürlich in einem anderen Kontext. Was schnell langweilig hätte werden können erweist sich hier komischerweise als sehr gelungener Kunstgriff.
Wenn "Blue Gate Crossing" Schwächen hat, dann ist es der Mangel an wirklichen Problemen. In der Schule scheint es keine zu geben, Kerous "Problem" scheint keine wirklich schlimmen Konsequenzen zu haben und so wirkt der Film manchmal etwas zu leichtherzig und lebensbejahend. Immerhin wird man dafür mit ein wenig Humor entschädigt, doch geht dem Werk dadurch etwas an Integrität verloren.

Die Bedeutung des Titels spiegelt auch die Essenz des Films wider. Als das "Blue Gate" (Originaltitel des Films) wird das Tor der Schule bezeichnet, die die Protagonisten hier besuchen. Der Film zeigt uns wie sie es langsam durchschreiten und dabei die Grenze zum Erwachsenwerden überschreiten. Dies tritt besonders stark zur Geltung, wenn man sich im Kontrast Lin Yuezhen ansieht, die sich in dem Film fast überhaupt nicht weiterentwickelt.
"Blue Gate Crossing" ist ein Film über das Erwachsenwerden und die erste Liebe. Yee verliert sich niemals in Klischees und auch wenn sein Werk nichts für jene ist, die auf simple Unterhaltung stehen, so ist das Endprodukt doch erstaunlich herzerwärmend. Besonders das Ende, welches von ewigen Nörglern wegen seines versöhnlichen Charakters bzgl. Kerous sexueller Orientierung einige Kritik abbekommen könnte, kann mit seiner letzten Szene und dem Monolog noch einmal richtig bewegen und entlässt uns mit einem Lächeln in den Abspann. Immer genau dann wenn ein Film dies schafft, weiß man, dass es sich bei diesem um einen besonderen handelt.

(Autor: Manfred Selzer)
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