

Story: Ryoma (Kaname Yoshizawa) kommt in die Jugendstrafanstalt und lernt dort Ikuto (Danhi Kinoshita) kennen, der wegen Raub und versuchten Mordes einsitzt. Die beiden freunden sich an, was für Ryoma große Vorteile hat, denn Ikuto ist ein großartiger Kämpfer und wird von allen gefürchtet. Ikuto wurde allerdings für ein Verbrechen eingesperrt, das er gar nicht begangen hat. Ryoma realisiert, dass er den besagten Raub begangen hat, behält das jedoch für sich. Als der MMA-Kämpfer Mikuru Asakura sie im Gefängnis aufsucht und ihnen eine Perspektive bietet, haben sich die beiden Freunde ein neues Ziel gesetzt: Sobald sie aus der Jugendstrafanstalt kommen, wollen sie das Kickboxen trainieren, um irgendwann bei "Breaking Down" anzutreten, einer Sendung, die von Mikuru geleitet wird. Die beiden Jugendlichen finden tatsächlich einen Job und trainieren jeden Tag. Ikuto, dessen Vater wegen Mordes in Untersuchungshaft sitzt, nähert sich nach seiner Freilassung wieder seinem Vater an, muss sich aber auch mit Jun (Chikashi Kuon), dem Anführer einer Schulgang, auseinandersetzen, dem Ikuto ein Dorn im Auge ist. Schließlich treffen die zwei im Ring aufeinander. Es gibt jedoch noch eine viel gefährlichere Bedrohung in Form der Krishna-Gang, die vom gnadenlosen Mido (Gackt) angeführt wird. Schaffen es Ryoma und Ikuto, die auf Bewährung freigekommen sind, diese Widrigkeiten zu meistern und ihre Freunde zu schützen, ohne dafür wieder ins Gefängnis zu kommen?

Kritik: Es ist genau genommen schon erschreckend, wie wenig ich über "Blazing Fists" wusste, bevor ich mir den Film angesehen habe. Aber solche zufälligen Filmauswahlen haben etwas Erfrischendes und bringen etwas überaus Positives mit sich. Denn unter normalen Umständen hätte ich dieses Actiondrama wahrscheinlich verpasst. Wäre mir dadurch ein kleines Meisterwerk entgangen? Nein. Aber auf diese Weise erweitert man den Geschmack und gibt neue Impulse. Auch wenn ich ehrlich sein muss und ich nach einiger Zeit das Gefühl hatte, einen Film wie "Crows Zero" vor mir zu haben. Und da hatte ich gar nicht mal Unrecht, letzten Endes steht nämlich auch hier Takashi Miike vor der Kamera. Wie man weiß, kann man sich nie sicher sein, was man bei Miike bekommt, oft genug ist es aber nur mittelmäßige Kost, die recht ungeschliffen wirkt. Und in genau jene Kategorie fällt "Blazing Fists". Das Hauptproblem ist die Vielzahl an Charakteren, bei denen man im Laufe der Geschichte ein wenig den Überblick verliert, weil der rote Faden der Geschehnisse immer wieder in andere Richtungen gezerrt wird und uns somit verloren dastehen lässt. Gerade die Frage, wer denn nun eigentlich unser Protagonist ist, bleibt bis zum Ende ein Rätsel.

Zu Beginn scheint es, dass die Ereignisse aus der Sicht von Ryoma erzählt werden. Er gibt uns in einem Monolog jedoch zu verstehen, dass Ikuto der eigentliche Held ist. Dieser ist wiederum zu unnahbar, als dass man sich mit ihm identifizieren könnte. Trotzdem weiß die Beziehung zwischen Ryoma und Ikuto zu gefallen. Die beiden verbindet ein ähnliches Leid und sie sind durch die Worte des MMA-Kämpfers Mikuru Asakura derart motiviert, dass sie sich vornehmen, eine neue Seite in ihrem Leben aufzuschlagen. Auch wenn es sich bei diesen Worten um ein eher unbeholfenes "Du kannst alles erreichen, solange du dir ein Ziel setzt und dieses verfolgst" handelt. wahrscheinlich wird man sich auch fragen, warum jemand mit einer recht hölzernen Darbietung das Leben der zwei jungen Männer so verändert. Der Film basiert tatsächlich auf Mikuru Asakuras Autobiographie "Street Legend" und auch die Kampfliga "Breaking Down" mit ihrem Reality-TV- und Underground-Flair, die im Film auftaucht, wurde von ihm gegründet. Ryoma und Ikuto zeigen sozusagen den Weg vom Straßenschläger zum professionellen Boxer auf und wie man doch noch die Kurve im Leben bekommen kann.

Es passiert in dem Film wie gesagt nicht wenig. Denn es kommt auch noch zu Auseinandersetzungen mit einer Gang, dessen Anführer gar nicht so böse ist und eben auch nur schlechte Karten im Leben ausgeteilt bekommen hat. Dann gibt es da auch noch eine romantische Beziehung, die eventuell wiederaufleben könnte, nur nicht zwischen einem Mädchen und einem unserer zwei Helden, sondern Jun, was wieder die Frage aufkommen lässt, wessen Leben hier denn nun genau beleuchtet werden soll. Und irgendwie gibt es da auch noch die Geschichte um Ikutos Vater, der unschuldig (?) im Gefängnis sitzt. Ach ja, die Mütter von Ryoma und Ikuto tauchen auch hin und wieder auf. So einen richtigen Reim kann man sich darauf nicht machen, und dann kommt auch noch - viel zu spät - der eigentliche Bösewicht mit seiner Gang um die Ecke und schüttelt alles nochmal durch. Warum muss der Anführer wie ein gealterter Rockstar daherkommen? Weil er von Gackt gespielt wird und das Rockige/Punkige eben Stil von Takashi Miike ist. Dennoch: Gackt's Musik in allen Ehren, als Schauspieler kann er hier nicht überzeugen, aber das liegt wohl auch daran, dass er mehr oder weniger einen schlecht umrissenen Anime-Charakter mimt.

Das ist aber auch wieder Teil des Tons. Die Gangmitglieder sind ebenso mit breiten Pinselstrichen und ziemlich grell gezeichnet, es wird sich sogar auf Meta-Ebene darüber lustig gemacht, dass jemand den Namen eines Anime-Charakters trägt. Auch beim eigentlichen Bösewicht, der eine überraschend grausame Szene bekommt, muss man sich wundern, warum man letztlich doch wieder versuchen musste, die Richtung zu ändern, und ihn als doch gar nicht so übel dastehen lassen will. Was hinsichtlich des hochenergetischen, manchmal eben animeartigen Flairs gut funktioniert, sind ein paar humoristische Szenen, die angenehm trocken und absurd daherkommen. Ebenfalls gut gelungen ist die Choreografie, die etwas Rohes und Hartes an sich hat. Auch die fantastischen Soundeffekte, die ab und zu aber auch etwas über das Ziel hinausschießen, können die Atmosphäre aufwerten. Ein gelungener Soundtrack rundet dieses positive Bild bei der Action ab. Selbst wenn es zu Massenschlägereien kommt, wirken diese immer noch durchdacht. Ein geplantes Chaos, das Spaß mit sich bringen kann. Am besten sind dann aber doch die Kämpfe im Ring. Wer jetzt allerdings zum Finale hin einen Kampf bei Breaking Down erwartet, wird enttäuscht werden. Es sieht zwar so aus, als würde es nach dem Finale nochmal zu eben jenem eigentlichen Finale kommen, aber dann ...

... lässt uns der Regisseur sitzen und endet fast schon mit einem Cliffhanger, auch wenn nicht zu erwarten ist, dass es eine Fortsetzung geben wird. Da "Blazing Fists" aber ohnehin schon völlig willkürlich seine Aufmerksamkeit verlagert, hätte man letztlich auch nichts dagegen gehabt, wenn er nochmal zehn Minuten länger drangehängt und uns jenes Finale spendiert hätte. Ein leicht antiklimaktischer Nachgeschmack bleibt beim Abspann. Nun gut, auch die Zeilen dieser Kritik dürften dank ihrer mangelnden Struktur klar gemacht haben, dass Takashi Miike hier einfach in jede Richtung losfeuert. Die Energie stimmt, es wird nie langweilig und dennoch hat mir der etwas gemächlichere Einstieg noch am besten Gefallen, da hier die Charaktere an Bedeutung gewinnen und eine Wandlung unterlaufen. Im späteren Film rücken sie wegen der vielen anderen Erzählstränge zu oft in den Hintergrund und wenn sie wieder nach vorne treten, schafft man es als Zuschauer nicht, auf emotionaler Ebene wieder den Anschluss zu finden. Es bleibt also die Frage, ob man mit diesen Mängeln leben kann. Falls nicht, kann man diesen Film auch ruhigen Gewissens links liegen lassen.
