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Das Sinnieren eines Webmasters

Freundschaften und Enttäuschungen

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Bericht über meine Korea-Reise zu lesen sein. Allerdings glaube ich nicht, darüber schreiben zu können, solange ich mir nicht etwas anderes von der Seele geschrieben habe. Ein Thema, das für mich sehr schmerzhaft ist, da eine große Enttäuschung damit einhergeht, und Enttäuschungen sind etwas, das ich normalerweise nicht erfahre. Warum? Im letzten Artikel schrieb ich: "Ich sehe die Dinge eher negativ, da man dann seltener enttäuscht wird." Dementsprechend bin ich auch sehr vorsichtig wem gegenüber ich meine emotionale Distanz aufgebe. Das bedeutet, dass sich Freundschaften für mich nur langsam entwickeln, bis ich mir sicher sein kann keinen Fehler zu begehen. Bisher hatte das immer sehr gut geklappt und dementsprechend würde ich meine Freundschaften als fest bezeichnen. Doch plötzlich kritisierte jemand diese Eigenschaft an mir, jemand, den ich nun auch eine Freundin nenne. Tatsächlich kam es deshalb dazu, dass ich etwas offener wurde. Etwas...

(Um diesen Artikel etwas aufzulockern und zumindest ein paar flüchtige Eindrücke meiner Korea-Reise zu vermitteln gibt es hier ein paar Fotos.)

Jedoch gab es eine Person, bei der ich, wie mir heute bewusst ist, alle meine Vorsicht habe fallen lassen, so dass sich diese Freundschaft sehr schnell entwickelt hat. Da es sich dabei um eine Freundin handelte, gab es auch bei Außenstehenden oft Missverständnisse, die augenscheinlich nicht begreifen konnten, dass unterschiedliche Geschlechter auch einfach nur befreundet sein können. Jene Freundin war es auch, die fast nicht mit auf die Korea-Reise hätte gehen können. Fast, denn sie hatte es doch einrichten können. Nur bin ich mir nicht sicher, ob ich glücklich darüber sein soll... Die Gründe folgen nun.
Menschen sind verschieden, das ist eigentlich unnötig noch einmal zu betonen, und bei einer gemeinsamen Reise müssen Kompromisse getroffen werden. Ich war gerne bereit solche Kompromisse einzugehen, zumal mir bewusst war, dass ich als einziges männliches Mitglied in der Gruppe sowieso ziemlich alleine dastehen würde. Wer sich jetzt darüber aufregt, dass ich mich über dieses "Privileg" auch noch beschwere, der sollte sich doch einmal eine solche Situation tatsächlich vorstellen, in denen mehrere Frauen beschließen shoppen zu gehen, auch wenn man selbst eigentlich lieber eine der Sehenswürdigkeiten gemeinsam mit den anderen besichtigen würde.



Im Folgenden soll es aber um eine bestimmte Person gehen, jemanden den ich eben früher ohne zu zögern als Freundin bezeichnet hätte. Diese Person hat sich augenscheinlich etwas einsam gefühlt, was ich aus, wenn auch anderen - obigen - Gründen durchaus nachvollziehen konnte. Doch bei meinen Versuchen dies zu ändern muss ich mich ungeschickt angestellt haben, denn es gab einige Situationen, in denen ich, in meiner Empfindung ungerechterweise, beschuldigt, beleidigt oder sonstiges wurde. Nicht, dass das etwas Neues für mich war, denn das war ich von dieser Freundin schon gewohnt und ich konnte durchaus damit leben, solange ich wusste, dass ihr auch etwas an dieser Freundschaft liegt.
Eines Tages kam es zu einer Situation, in der ich sie augenscheinlich irgendwie enttäuscht haben muss, auch wenn ich dies wegen unzureichender/falscher Informationen getan habe. Aber ich bin mir eben noch nicht einmal sicher was genau der Grund war, dass sie sich enttäuscht gefühlt hat. Ok, eine Krise, aber das ist ja kein Thema unter Freunden. Man kann darüber reden. Kann man?



Meine Versuche die Sache zu klären waren nicht fruchtsam. Aber da mir diese Freundschaft durchaus einiges bedeutet hat, habe ich natürlich nie daran gedacht aufzugeben und es einfach Tage später und so oft es ging nochmal versucht. Ohne Erfolg. Schließlich war die Spannung und die Kühle zwischen uns so groß, dass es zu einem Gespräch zwischen uns beiden kam. Leider wieder von mir ausgehend, als wenn ich der einzige gewesen wäre, der Interesse daran hatte diese Freundschaft zu "retten". Inhalt dieses Gesprächs war Diverses, aber was mich erschreckte waren die Worte dieser Freundin, dass wir einfach zu verschieden denken würden. Ja natürlich denken wir verschieden! Welches Interesse sollte ich sonst an einer Freundschaft haben? Sich gegenseitig neue Perspektiven und Denkweisen zu eröffnen, auf intellektueller und menschlicher Ebene, darum geht es doch bei einer Freundschaft! Würde ich mit jemandem sprechen, der genauso denkt wie ich, würde das wohl sehr schnell langweilig werden.
"Es macht doch keinen Sinn und man muss ja nicht miteinander befreundet sein, wenn man sieht, dass es einfach nicht klappt." Was soll man da noch sagen?



Ich konnte darauf nur antworten, dass sie in den vorangegangenen Tagen mit ihrer Feindseligkeit und Kühle mir gegenüber jegliche Freundschaft systematisch zerstört hat, und dass man diese jetzt eigentlich gar nicht mehr retten könne. Sie bejahte das und... ihr war es egal.
In den nachfolgenden Tagen war es schlimm. Ich versuchte sie zu ignorieren, damit ich besser mit der ganzen Sache zurecht kam, aber was mir schwer fiel, das war für sie überhaupt kein Problem! Da wurde mir erst bewusst, wie kühl sie eigentlich ist. Von ihrem Egoismus ganz zu schweigen.
Ich habe ebenfalls einige Fehler gemacht, auch wenn die in eine andere Schublade gehören. Ich habe mich zu kompromissbereit verhalten und hätte auf der gesamten Reise meine Meinung sagen sollen, denn dann wäre ich einfach ehrlicher zu mir selbst gewesen, und schlimmer hätte es ohnehin im Gesamten nicht kommen können. Aber aus diesem Fehler habe ich gelernt. Man muss nicht jedem gefallen. Einfach ehrlich sein und schon gefällt man sich selbst. Nicht ohne Grund heißt es: "Erst wenn man sich selbst liebt, kann man andere lieben."



Wieder zurück in Deutschland bekam ich dann ganz unerwartet eine e-mail, in der unter Anderem stand, dass es ihr Leid tue, wenn sie mich verletzt habe. Und dass sie hofft irgendwann eine neue Basis schaffen zu können. Man beachte: Nach all dem bekam ich eine e-mail! Etwas Positives konnte ich darauf nicht antworten, denn dafür war meine Enttäuschung zu groß. Davon abgesehen war auch mein Stolz verletzt. Man sollte es nicht unterschätzen, wenn der Stolz eines Menschen verletzt ist, vor allem wenn er vorher händeringend und verzweifelt versucht hat diese Freundschaft zu retten. Doch das Schlimmste ist, dass ich daran zweifeln muss, ob es sich überhaupt um eine Freundschaft gehandelt hat. Normalerweise ist es bei meinen Freundschaften so, dass Freunde alles tun können ohne mich ernsthaft wütend zu machen. Egal was. Natürlich werde ich mich aufregen, ihn anschreien etc., aber danach ist die Sache mehr oder weniger vergessen. Auch eine Entschuldigung ist nicht nötig. Vielleicht ist das nur unter reinen Männerfreundschaften so? Frauen, meldet euch und klärt mich auf!
Die schönste Definition, die ich in einem Film über die Freundschaft gehört habe war in dem koreanischen Crime-Drama "Friend", in dem es hieß, dass man sich unter Freunden für nichts zu entschuldigen braucht.



War das dann aber wirklich Freundschaft? Wenn überhaupt, dann eine einseitige, denn diese Freundin hatte keine Ambitionen auch nur irgendetwas für diese Freundschaft zu tun, sondern zerstörte sie stattdessen. Davon abgesehen wurde sie immer gemeiner und unerträglicher für mich. Alles was ich sagte war für sie falsch und sie hatte aus Prinzip eine andere Meinung, natürlich eine richtige noch dazu, wie sie überzeugt war. Lieder, die ich hörte, waren die schlimmsten, die sie je gehört hat, wenn ich etwas bestimmtes essen wollte, dann regte sie sich darüber auf - kurz und gut, am Ende wollte ich eigentlich gar nichts mehr sagen, nur um jeglichen Konflikt zu vermeiden. Warum, frage ich mich jetzt? Hätte ich einfach gekontert, wäre ich zumindest zu mir noch ehrlich gewesen, die Freundschaft hätte ich damit nicht zerstören können, denn die gab es ohnehin nicht mehr, vielleicht eben auch nie! Die größte Frage bleibt für mich jedoch, warum sie mich so gequält hat? Ich wurde noch nie so schlecht von jemanden behandelt (wir wollen mal von dem schwierigen Verhältnis zu meinem Vater absehen, das hier nicht hingehört)! Womit habe ich das verdient?
Wäre sie nicht mit auf diese Reise gekommen wären wir wohl noch "Freunde", aber wäre das wirklich eine Freundschaft gewesen? Nein, nur eine Illusion. Eine schöne Illusion, wie ich zugeben muss, aber wenn eine Freundschaft noch nicht mal einer solchen Belastung standhält, dann kann es sich dabei um keine richtige Freundschaft handeln.



Jeder erlebt es, dass ihm irgendwann die Freundschaft gekündigt wird, aber ich dachte, dass mir das bei meiner Vorsicht nie passiert. Hier war ich wohl einfach zu naiv. Aber vor allem habe ich zum ersten Mal meine Vorsicht über Bord geworfen und gleich dafür bezahlen müssen. Ich werde nicht so naiv sein zu behaupten, dass mir das nie wieder passiert, aber ich bin diesmal besser vorbereitet.
War es eine selbsterfüllende Prophezeiung, als diese "Freundin" meinte, "Ach, nach dieser Reise werdet ihr mich bestimmt alle hassen."? Nein, ich hasse sie nicht. Ich bin einfach nur sehr enttäuscht. Sie hat mit ihrem Verhalten gezeigt, dass sie nicht dasselbe Verständnis von Freundschaft hat wie ich, und dass ihr daran auch nicht viel lag. Des Weiteren hat sie mit ihrem Verhalten gezeigt, dass sie mich überhaupt nicht zu kennen scheint und ich sie dementsprechend auch nicht. Vielleicht bin ich aber auch einfach mit zu vielen Erwartungen in diese Freundschaft? Denn nur aus Erwartungen können Enttäuschungen entstehen. Und besonders schade ist, dass ich nicht alleine auf diese Reise bin, aber alleine wieder zurückgekommen bin...



(15.12.08 - Webmaster)


PS: Es ist nur passend, dass meine erste Reise in die weite Ferne von so etwas überschattet wurde. Ohne dass hier das Gefühl erzeugt werden soll, dass ich in Selbstmitleid versinke, ist es einfach das, was schon seit jeher das Leben für mich bereit hält. Daraus resultierend hat sich mein Sarkasmus und schwarzer Humor entwickelt. Das Leben darf man einfach nicht ernst nehmen. Spotten sollte man darüber und versuchen seinen Spaß zu haben.





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