Warum ich mich dazu entschlossen habe ausgerechnet heute einen weiteren Artikel über meine momentane Gedankenwelt
zu verfassen, entzieht sich meiner eigenen Kenntnis. Vielleicht ist es die vorangeschrittene späte Stunde oder der
Fakt, dass ich glaube meine Gedanken ordnen zu müssen. Es mag auch sein, dass ich heute was Schlechtes gegessen habe,
bzw. dass der Kim Ki-duk Film, den ich mir gerade zur Gemüte geführt habe, erneut meine Gedanken durcheinander gebracht
hat. Wenn dieser Mann eines schafft, dann doch das. Da ich meine Gedanken nicht in Form von Filmen auf die Leinwand
bringen kann - und falls ich jemals solch kranke Gedanken wie Herr Kim haben sollte... erschießt mich bitte - muss ich
sie einfach in schriftlicher Form loswerden. Hier. Auf dieser Seite über asiatische Filme. Ich habe eben keinen anderen
Platz dafür...
Es ist wahrlich ein Luxus studieren zu dürfen. Man hat mit Gleichaltrigen zu tun, unternimmt etwas miteinander und
muss sich noch nicht über Dinge wie die Gründung einer Familie etc. beschäftigen. Der Ernst des Lebens steht um die
Ecke, aber es ist nicht so, dass man nicht schon in Berührung mit ihm kommen würde. Als Student muss man heutzutage
schließlich nebenher auch schon seine Miete verdienen. Aber es ist doch eben noch etwas anderes. Umso erschreckender
ist es dann, wenn wir unerwartet und vor allem wenig vorbereitet einen tiefergehenderen Blick auf die Strukturen
in einer Firma, einer Organisation oder einen Verein werfen dürfen, in dem sogenannte "Erwachsene" walten. Es ist der
reinste Kindergarten... Niemand sagt das, was er wirklich meint, Intrigen werden gesponnen, jeder versteht den anderen
miss, und Resourcen werden sinnfrei ausgegeben, anstatt mit ihnen angemessen zu wirtschaften. Doch das Schlimmste ist
es, wenn man daneben stehen muss, ohne etwas dagegen unternehmen zu können.
Eine kleine, wenn auch vielleicht naive (aber das bleibt diskutabel) Frage: Wäre es so schlimm einfach mal direkt
und frei heraus die Wahrheit und seine eigene Meinung zu sagen? Würden wir dann nicht besser mit uns und unseren Mitmenschen
umgehen können? Wem nicht gefällt, was wir zu sagen haben, der wird uns in Zukunft meiden, so dass wir schlussendlich
eines Tages nur noch die Menschen um uns haben werden, die uns auch etwas bedeuten. Nein, nehmen wir mal die rosa Brille
ab und schauen uns die Realität an. Wir wollen unserem Chef gefallen, müssen vielleicht auch eine Familie versorgen und
brauchen den Job. Also Zähne zusammenbeißen und durch. Eines Tages werden wir am längeren Hebel sitzen, und dann heißt
es zurückgeben, und zwar vom Allerfeinsten.
Macht man sich damit Freunde? Wird man dadurch glücklich?
Glück? Man könnte meinen, dass die meisten Menschen mittlerweile begriffen haben sollten, dass es im Leben hauptsächlich
darauf ankommt glücklich zu sein. Welch größere Wahrheit sollte es denn sonst geben? Ok, ich werde gerade anmaßend...
Wie dem auch sei, die meisten wissen nicht, oder haben vergessen, dass es darauf ankommt glücklich zu sein. Vielleicht
hatten sie auch ihre Gründe es zu vergessen. Zugegeben, Glück als allgemeiner Zustand würde wohl schnell langweilig
werden und "ist in der Natur des Menschen als dauerhafter Zustand
nicht vorgesehen", wie schon Freud sagte. Aber was ist mit dem Streben nach Glück? Ist dieses nicht mit
dem Glück gleichzusetzen?
Interessiert auch die wenigsten.
Die Dinge kommen, wie sie kommen. Bekomme ich eine Stelle
in Firma X angeboten nehme ich sie doch einfach an! Gut, der Job ist vielleicht nicht das, was ich mir immer erträumt
habe, dennoch habe ich jetzt Sicherheiten und kann mir mein Glück jenseits meiner Arbeit suchen. Aber macht die Arbeit
nicht einen Großteil unseres Lebens aus? Geben wir nicht unsere Träume auf? Und wenn wir unsere am Boden in Scherben
liegenden Träume erkennen, haben wir den Mut sie wieder aufzuheben und mit neuer Kraft einen Neuanfang zu wagen? Die Antwort
dürfte in den meisten Fällen ernüchternd sein, weshalb ich sie bewusst auslasse...
"Was redet denn dieser Typ da?", höre ich manche sagen. "Hat noch nicht mal sein Studium hinter sich und spielt hier
schon den Moralapostel!" Recht habt auch ihr, und als Kritiker sollte man auch selbst Kritik einstecken können. Aber
ich möchte noch nicht so abgestumpft sein, als dass ich aufgeben würde daran zu glauben, dass die Menschen ihren
Träumen nachjagen sollten. Klar gibt es Enttäuschungen und diese Welt zeigt uns subjektiv gesehen vielleicht
häufiger ihre schlechten als ihre schönen Seiten, aber ist das ein Grund aufzugeben? Ich sehe in letzter Zeit viele
Freunde oder Bekannte, die ins Berufsleben einsteigen oder dieses vorhaben. Aber nicht immer wählen sie was sie glücklich
machen würde. Und das mehr oder weniger bewusst!
Ich bin mit Sicherheit kein Optimist. Ich sehe die Dinge eher negativ, da man dann seltener enttäuscht wird. Aber eines
ist mir bewusst geworden: Ein solches "normales" Leben möchte ich nicht führen. Bin ich ein Träumer? Bin ich naiv?
Ich gestehe mir nicht die Kompetenz zu das abzustreiten. Aber mein Weg liegt jetzt klarer vor mir (nun, so klar nun
eigentlich wieder auch nicht...). Ich verweigere mich dieser "normalen" Welt, und das verdanke ich wie so oft
Negativbeispielen. Kafka oder eben auch
Kim Ki-duk (dieser Mann lässt mich nicht mehr in Ruhe...) zeigen uns ein verzerrtes, aber oftmals auch erschreckend
reales Bild unserer Welt. Müssen die Dinge denn so liegen? Ist es wirklich so hoffnungslos? Ich habe
verstanden was Kafka uns mit seiner Kurzgeschichte "Gib's auf" und seinen anderen schriftlichen Ergüssen sagen wollte.
Ich gebe es nicht auf!
Der Anlass für diese Zeilen ist eigentlich ein merkwürdiger. Eine Freundin wird voraussichtlich eine Stelle als
Lehrerin annehmen, was bedeutet, dass sie an einer gemeinsamen Reise nicht teilnehmen kann. Auch wenn dies mich
zugegeben sehr traurig stimmt, frage ich mich doch hauptsächlich, ob dieser Beruf tatsächlich das ist, was sie wirklich
will. Sicher bin ich mir nämlich nicht, was mich zu obiger Grundsatzfrage geführt hat: Glück oder Sicherheit im Leben?
Ich wünsche ihr, dass sie zu den wenigen Personen auf dieser Welt gehört, für die zweiteres mit ersterem zusammenfällt...
Glücklicherweise habe ich auch herausgefunden, dass ich nicht der einzige bin, den diese Gedanken plagen. Mittlerweile
frage ich mich sogar, ob nicht vielleicht die meisten in einer bestimmten Phase ihres Lebens so denken. Aber was ist aus
diesen geworden?!
Jetzt aber genug der melancholischen Worte. Staub abgeklopft und zurück in den Kampf!
(03.08.08 - Webmaster)